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Chronik Burgenland
05/14/2019

Wieder illegale Jagd auf Greifvögel im Nordburgenland

Nach Giftködern im April gibt es den nächsten Vorfall: Eine Rohrweihe wurde angeschossen, es wurde Anzeige erstattet.

von Michael Pekovics

In Nickelsdorf gibt es den nächsten Fall von illegaler Jagd auf seltene Greifvögel. Wie die Tierschutzorganisation Vier Pfoten am Dienstag meldet, wurde am vergangenen Donnerstag eine angeschossene Rohrweihe in der Nähe der Autobahn A4 bei Nickelsdorf gefunden.

Aufmerksame Autofahrer hatten das verletzte Tier neben der Fahrbahn gesichtet und waren extra umgekehrt, um den Vogel zu bergen und ihn zur Polizeistation Nickelsdorf zu bringen. Von dort wurde er von einem Mitarbeiter der Eulen- und Greifvogelstation (EGS) abgeholt.

Im Körper der Rohrweihe wurden drei Schrotkugeln gefunden - zwei im Flügel und eine im Rumpf.

Zuerst waren die Experten von Vier Pfoten von einer Verletzung durch einen Zusammenstoß mit einem Auto ausgegangen. "Erst nach Rückgang der Schwellung am rechten Flügel war ein deutliches Einschussloch zu sehen", sagt Brigitte Kopetzky von Vier Pfoten. Ob es möglich sein werde, die Kugeln operativ zu entfernen, werde sich erst in den kommenden Tagen herausstellen.

Fraglicher Stellenwert von Artenschutz

„Dieser Fall ist leider ein neuerlicher Hinweis, der vermuten lässt, dass der Artenschutz in gewissen Kreisen der Jägerschaft keinen hohen Stellenwert hat“, kritisiert der wissenschaftliche Leiter der EGS Haringsee, Hans Frey. „Rohrweihen sind nämlich seltene Brutvögel in Österreich. Durch ihren bodennahen Flug sind sie bedauerlicherweise besonders häufig Opfer von illegalen Schussattacken.“

Der Einfluss von Rohrweihen auf das Niederwild, zum Beispiel Hasen und Fasane, wird laut Frey von Jägern bei weitem überschätzt. Denn: „Die Hauptnahrung dieser Greifvögel sind Mäuse und Kleinvögel. Als Bodenbrüter haben es Rohrweihen besonders schwer, in unserer heutigen Agrarlandschaft zu überleben. Deshalb ist der Verlust von jedem einzelnen Vogel sehr bedauerlich.“

Der Vorfall wurde der Meldestelle gegen illegale Greifvogelverfolgung von Birdlife gemeldet, die dann Anzeige bei der Polizei erstattete.

Vier Pfoten half im Vorjahr über 2.000 Tieren

In der von Vier Pfoten geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee konnte im Vorjahr 2.098 Tieren geholfen werden. Alle jungen Eulen und Greifvögel wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90 Prozent wieder freigelassen.

Die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen Folgen einer Handaufzucht vermieden.

Auch Sumpfschildkröten, Igel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger werden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen.