Vivienne Hillinger: Wenn "Gen Z" die Weinkeller übernimmt
Zusammenfassung
- Winzer der Generation Z nutzen Social Media, um Weinbau und ihren Alltag authentisch und humorvoll zu präsentieren.
- Vivienne Hillinger zeigt als junge Winzerin auf Instagram und Tiktok Einblicke in den Familienbetrieb und verbindet Tradition mit modernen Kommunikationswegen.
- Die neue Generation setzt auf bewussten Weingenuss und vermittelt Wein als Kulturgut, während sie die Vermarktung ins Digitale verlagert.
Seit etwa 8.000 Jahren wird Wein getrunken. Er begleitet gutes Essen, große Feierlichkeiten oder Tage in der Sonne. Seit einigen Jahren betritt er eine neue Ära: jene der sozialen Medien.
Winzer der Generation Z (Jahrgänge 1997 bis 2012; Anm.) beginnen, ihren Wein auf Instagram, Facebook oder Tiktok zu präsentieren. Sie zeigen ihren Alltag im Weingarten oder machen humorvolle Sketche über typische Situationen im Weinbau. Wein wird persönlicher, direkter – und für viele junge Menschen erstmals wirklich greifbar.
Social Media im Alltag
Genau das zeigt auch Vivienne Hillinger. Geboren im Jahr 2004 – ein typisches Mitglied der Gen Z. Die Tochter des bekannten burgenländischen Winzers Leo Hillinger zeigt auf Instagram und Tiktok ihren Alltag im Weingarten, dreht humorvolle Kurzvideos und gibt Einblicke hinter die Kulissen des Familienbetriebs – und führt damit die Tradition des geschickten Marketings ganz im Sinne von Papa Leo fort.
Gemeinsam mit ihrem Bruder Leo junior – genannt Jack – führt sie heute das burgenländische Weingut.
"I bin a a Hillinger!"
Begonnen hat alles am 3. April 2025 mit dem Satz: „I bin a a Hillinger!“ und mit Bildern: Vivi mit Wein begossen in einem Fass, im Weingarten, im Traktor, im Restaurant. „Ich wollte mich zeigen, wie ich wirklich bin: lustig, verrückt und mit einer guten Portion Selbstironie“, sagt sie. Innerhalb von nur drei Tagen hatte das Vorstellungsvideo über eine Million Aufrufe.
Auf dem Instagram Account des Weingut Hillinger ist es das oberste Video.
„Das sind Dimensionen, die für mich immer noch gar nicht richtig fassbar sind. Was mich am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass alle Kommentare durchwegs so extrem positiv sind. Denn wie wir alle wissen, ist das Internet nicht immer nur ein netter Ort“, so Hillinger.
Heute steht für sie fest: Social Media ist für Unternehmen fast schon Pflicht. „Wer diese Gelegenheit nicht nutzt, dem ist nicht zu helfen“, sagt sie. Reichweiten, die früher nur mit Werbung möglich gewesen seien, ließen sich heute mit guten Ideen erreichen.
Die Schattenseiten von Social Media
Gleichzeitig funktioniere der Auftritt in den sozialen Medien nur, wenn man authentisch bleibe. „Die Leute merken sofort, wenn man sich verstellt.“ Dafür müsse man auch bereit sein, persönliche Einblicke zu geben.
Ohne Schattenseiten sei das nicht. Seit sie sich intensiv mit Social Media beschäftigt, gehe sie anders durch den Alltag. „Viele Situationen kann ich nicht mehr so bewusst genießen, weil ich mir ständig denke: Das muss ich filmen“, sagt Hillinger. Manchmal setze sie sich damit selbst unter Druck. Dann erinnere sie sich bewusst daran, „einfach ein Glaserl Wein zu genießen und den Dingen ihren Lauf zu lassen“.
Großer Generationenwechsel
Für Hillinger ist diese Form der Kommunikation auch Teil eines größeren Generationenwechsels im Weinbau. „Jede Generation hinterlässt ein Vermächtnis, und es liegt an der neuen Generation, das Bewährte aufzugreifen und sinnstiftend zu ergänzen“, sagt sie. Einen Generationenkonflikt habe es dabei nicht gegeben. Im Gegenteil: Ihre Familie unterstütze ihren Social-Media-Kurs. „Meine Familie war nicht überrascht von den Videos und der Art, wie ich die Geschichten darin erzähle – sie kennen mich ja schließlich schon mein ganzes Leben lang“, so Hillinger.
Mit den Auftritten in den sozialen Medien hat Hillinger eine Brücke zwischen Tradition und Generation Z schlagen können. Das war der jungen Winzerin besonders wichtig, denn unter jungen Menschen verbreitet sich zunehmend ein Trend zum sogenannten „Mindful Drinking“ – also zum bewussteren Umgang mit Alkohol.
Herzblut des Winzers
„Als Tochter eines Winzers bin ich mit verantwortungsbewusstem Weingenuss aufgewachsen“, sagt Hillinger. Ein Glas Wein trinke sie gerne mit Freunden oder zu einem guten Essen. Entscheidend sei dabei der bewusste Genuss. Wein sei „so viel mehr als ein Getränk – es ist ein Kulturgut“.
Genau das wolle sie auch auf Social Media vermitteln. „Ich wollte den Leuten auf unterhaltsame Art Einblick in meinen Arbeitsalltag geben und vor allem der jüngeren Generation zeigen, dass ein Glas Wein viel mehr ist als ein alkoholisches Getränk.“ In jedem Schluck stecke schließlich „das Herzblut des Winzers“, so Hillinger.
Weingarten am Smartphone
Die Tradition selbst verändert sich dabei nicht – wohl aber die Art, wie sie heute erzählt und damit auch verkauft wird. Während frühere Generationen Wein vor allem im Keller und im Weingarten erklärten, passiert das heute immer öfter auf dem Smartphone. Die nächste Generation übernimmt den Weingarten – und erzählt seine Geschichten auf neue Weise.
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