Warum Karl Nehammer ein grünes Kraftwerk im Burgenland eröffnet
Elisabeth Zehetner, Lukas Püspök, Gerda Holzinger-Burgstaller, Karl Nehammer
Dieses Kraftwerk lebt. Blökende Schafe grasen auf einem grünen Feld. Dass über ihren Köpfen Strom für Tausende Haushalte erzeugt wird, merken sie nicht. Wir befinden uns etwa eineinhalb Kilometer außerhalb der Grenzgemeinde Nickelsdorf – in Europas aktuell zweitgrößtem „Super-Hybrid-Kraftwerk“.
Was bedeutet diese Wortschöpfung? Es heißt: das Kraftwerk kombiniert mehrere Technologien. Nämlich Windkraft, Photovoltaik inklusive landwirtschaftlicher Nutzung (hier kommen die Schafe ins Spiel) und Batterie-Großspeicher.
Österreichs größter Batteriespeicher geht in wenigen Wochen hier in Nickelsdorf ans Netz. Das vom Parndorfer Unternehmen Püspök realisierte Projekt wurde am Montag offiziell eröffnet – mit Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer als „Stargast“.
57 Mio. Euro von EIB
Der hohe Besuch hatte freilich nichts mit Politik zu tun – Nehammer kam in seiner neuen Funktion als Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) ins Nordburgenland. Die EIB hat das grüne Kraftwerk mit 57 Millionen Euro finanziert.
„Hier sieht man ein Stück europäische Zukunft. Die Kombination aus Windkraft, Photovoltaik und Speicherlösungen verbessert die Integration erneuerbarer Energie in das Stromsystem, stärkt Europas Energieunabhängigkeit und unterstützt den Übergang zu einer resilienten und klimaneutralen Wirtschaft“, sagte Nehammer in Nickelsdorf. Der „Super-Hybrid-Park“ kann theoretisch den Strombedarf Tausender Haushalte decken.
Die zwei Windparks von Püspök haben eine installierte Leistung von 84 Megawatt. Die Photovoltaikanlage bringt es auf 82,6 Megawatt-Peak (MWp).
Püspök: Das Unternehmen mit Sitz in Parndorf und Wien zählt zu den größten privaten Produzenten erneuerbarer Energie in Österreich. Mit 114 Windkraftanlagen und mehreren Photovoltaik-Parks erzeugt das Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich mehr als eine Terawattstunde Strom und deckt damit rund zwei Prozent des österreichischen Strombedarfs.
Anlagen von Püspök versorgen laut eigenen Angaben 338.000 Haushalte mit grünem Strom.
Ohne Speicher konnten große Mengen dieses Stroms bisher aber nicht bedarfsgemäß eingesetzt werden. „Statt dass dieser Strom ins Ausland fließt und am Abend als teurer Atomstrom zurückkommt, speichern wir ihn jetzt“, verdeutlicht Püspök-Geschäftsführer Lukas Püspök.
Er ergänzt: „Mit dem Super-Hybrid-Park in Nickelsdorf zeigen wir, wie die Energieversorgung der Zukunft funktioniert, und zwar erneuerbar, flexibel und unabhängig von fossilen Energieträgern.“
30 Jahre Windstrom
Infrastruktur-Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) erinnerte bei der Eröffnung an die Inbetriebnahme des ersten burgenländischen Windrades in Halbturn im Juni 1996. Genau 30 Jahre später werde „nun ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität und Energieunabhängigkeit gesetzt – eine Zielsetzung, die angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen noch mehr an Bedeutung gewonnen hat und für die das Burgenland in den letzten Jahren die Schlagzahl mit einer Vielzahl an Maßnahmen noch einmal deutlich erhöht hat.“
Mit Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) war am Montag auch die Bundesregierung im Nickelsdorfer Hybrid-Park vertreten. Sie betonte die Bedeutung der Speichertechnologie für die Energiewende: „Speicher erhöhen die Versorgungssicherheit, entlasten die Netze und helfen dabei, günstigen heimischen Strom genau dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird.“
Und die Schafe?
Von all den Ausführungen zeigten sich die 450 Schafe von Bio-Bauer Georg Prantl aus Neudorf wenig beeindruckt. Vom Öffnen des Futterkübels, der sie zum Fototermin locken sollte, dafür umso mehr.
Ob die Schafe vom Grasen unter Photovoltaik wohl mehr Energie bekommen? „Ja“, antwortet der Landwirt auf die scherzhafte Frage des Reporters. Die Erklärung: Die PV-Paneele spenden gerade im Sommer viel wertvollen Schatten.
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