© Repro: Koglbauer Claudia

Chronik Burgenland
12/31/2021

„Schönfärberei“: Traditionsbetrieb schreibt Geschichte

Vor 200 Jahren wurde der Betrieb der Blaudruckerei in Steinberg gegründet. Gabriel Wagner der Fünfte lässt die Geschichte Revue passieren.

Für Gabriel Wagner und seine Familie ist das sich zu Ende neigende Jahr ein ganz besonderes gewesen. Der 81-Jährige blickt nicht nur auf die 200-jährige Geschichte des Familienunternehmens zurück. Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Burgenlandes wird das Traditionswerk der Familie zudem bei der Jubiläumsausstellung auf Burg Schlaining gewürdigt. Exponate aus dem Betrieb sind dort zu bewundern.

Vor 200 Jahren, so schildert Gabriel Wagner, hatte einer seiner Ahnen – „der erste Gabriel Wagner“ – die erste Indigo-Blaufärberei bzw. Blaudruckerei im Burgenland gegründet. Die Blaudruckstoffe waren einst Alltags- und Arbeitskleidung im Burgenland, wie die Schürze oder das Fiata (Schurz für Männer, Anm.)

Der 1798 in Eisenstadt Geborene Gabriel der Erste hatte zunächst als Färbergeselle in verschiedenen Städten in Deutschland gearbeitet, bevor er vor 200 Jahren im mittelburgenländischen Steinberg den Betrieb gründete. Grundlage war der Gewerbeschein der Esterhazy’schen Verwaltung, der mit der Berufsangabe „Schönfärberei“ ausgestellt worden war.

Über fünf Generationen

Über fünf Generationen wurden in dem Betrieb Stoffe gefärbt und bedruckt. Die Inhaber gaben das Unternehmen stets an ihre Söhne weiter, die alle den Namen Gabriel trugen bzw. tragen.

1864 legte der Firmengründer den Betrieb in die Hände seines Sohnes, bis 1890 Gabriel der Dritte mit 20 Jahren übernahm. Zwischenzeitig wurde auch für die örtliche Bevölkerung eine Gemischtwarenhandlung errichtet, die auch in der Zwischenkriegszeit bestand. Auch dessen Sohn stieg in die Blaudruckerei ein, Gabriel der Vierte ergriff vor der handwerklichen Profession auch noch den Lehrerberuf.

Nicht nur Leinen wurden in Blau gefärbt. Die Stoffe wurden mit Handdruckmodellen bedruckt, in der Indigo-Tauchküpe erhielten sie ihre blaue Farbe.

Im Laufe der Geschichte wurde die Gerätschaft immer wieder auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Bis zu 30 Mitarbeiter wurden zu Glanzzeiten beschäftigt. Es sei aber nicht immer einfach gewesen, weiß Gabriel Wagner der Fünfte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Beschaffung von Stoffen für die Färberei äußerst schwierig gewesen. 1947 wurde deshalb eine mechanische Weberei errichtet. Aufgrund des steigenden Druckbedarfs sei die erste Reliefdruckmaschine angeschafft worden, bis kurze Zeit später mit dem Film- und Siebdruck begonnen wurde. Diesen hatte Wagner gemeinsam mit seinem Vater gestartet. Erfahrung brachte der Junior bereits mit: Nach einer Ausbildung an der HTBL für Textilchemie stieg auch er ins Geschäft ein und erweiterte die Produktpalette.

Seidentücher für Mariazell

So habe man etwa für das 1957 begangene Jubiläum„800 Jahre Mariazell“ ein großes Kontingent an Seidentüchern mit der Abbildung der Basilika bedruckt. Auch Burgenland-Tücher wurden gefertigt. 1967, erzählt der 81-Jährige, habe sich seine Familie, zu der auch seine drei Schwestern zählen, zur Schließung des Betriebes entschlossen. Für ihn hatten sich berufliche Optionen in Industrie- und Gewerbeunternehmen ergeben, bis er schließlich die politische Laufbahn einschlug. Wagner war etwa auch Landesrat.

Dass die Geschichte des Unternehmens nicht in Vergessenheit gerät, ist Wagner ein Anliegen. Seine Nachkommen scheinen das Interesse zu teilen. „Meine beiden Enkeltöchter fragen auch immer danach.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.