Öde Kirche - Vergessene Stätten im oberen Rabnitztal

Alte, überwucherte Steinruine steht im dichten, grünen Wald, umgeben von Bäumen und Pflanzen.
Zwischen dem Burgenland und NÖ finden sich Spuren untergegangener Orte und sagenumwobener Bauwerke.

Im Grenzgebiet des oberen Rabnitztales, zwischen dem Burgenland und NÖ, finden sich zahlreiche Spuren einer fast vergessenen Vergangenheit. Wo heute Wald und Wiesen dominieren, lassen sich Reste alter Bauten und Siedlungen entdecken – stille Zeugen einer bewegten Geschichte.

Bei Blumau, wo Spratzbach und Thalbach zusammenfließen und zur Rabnitz werden, markierten einst kleine und große Grenzsteine die Trennung zwischen „Cisleithanien“ und „Transleithanien“ – dem ungarischen und österreichischen Territorium der k. u. k. Monarchie. Auf manchen ist noch die Jahreszahl 1910 eingraviert – ein Relikt aus der Zeit der kaiserlichen Vermessung. Etwa eineinhalb Kilometer südöstlich von Blumau, im Wald, liegen die Plätze des sogenannten „öden Schlössls“ und der „öden Kirche“. In diesem Gebiet wird auch der untergegangene Ort Pichlesdorf vermutet, der bereits 1425 urkundlich erwähnt wurde.

Pichlesdorfs Spuren

Die Lage von Pichlesdorf lässt sich durch Mauerreste und Geländespuren links der Rabnitz nachvollziehen. Ein kleiner Friedhof sowie die in der Nähe befindliche Hackl-Mühle, deren Fundamente noch erkennbar sind, deuten auf eine einst bewohnte Siedlung hin.

Hinweise des ehemaligen Mühlenbesitzers Karl Schuster bestätigen das: „In alten Wegenetzen treffen sich mehrere Wege aus unterschiedlichen Richtungen bei der ,öden Kirche.‘“ Einige Historiker vermuten, dass dies der ursprüngliche Standort der heutigen Ortschaft Weingraben gewesen sein könnte.

„Ödes“ Schlössl und Kirche

Vom sogenannten „öden Schlössl“, rund 450 Meter vom Fluss entfernt auf einer Anhöhe gelegen, sind heute keine Überreste mehr sichtbar. Es wird mit dem 1277 erwähnten „Castrum Jewa“ in Verbindung gebracht und zählt zu den ältesten befestigten Anlagen des Gebiets. Das Gelände liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Weingraben.

Etwas weiter talabwärts, etwa 50 Meter links der Rabnitz, sind noch Mauerreste der „öden Kirche“ zu erkennen. Laut dem Historiker Werner Meyer stammt der Bau aus dem 13. Jahrhundert. Sie soll einst Wallfahrtskirche mit Markttagen gewesen sein.

Eine Legende verknüpft die Kirche mit der berüchtigten „Blutgräfin“ Elisabeth Bathory, die im 17. Jahrhundert auf Burg Lockenhaus lebte. Der Adligen wurde nachgesagt, im Blut junger Mädchen gebadet zu haben, um ewige Jugend zu erlangen. Ihre Schergen sollen versucht haben, bei einer Feier in der öden Kirche junge Frauen zu entführen – ein Vorhaben, das von Einheimischen verhindert worden sei. Bathory wurde 1611 unter Hausarrest gestellt und starb drei Jahre später.

Sage und AberglaubeWie viele einsame Sakralbauten wurde auch die „öde Kirche“ mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Eine Sage erzählt von einem Wanderer, der dem Teufel in einer finsteren Nacht begegnete – und seither meiden die Menschen die Gegend nach Einbruch der Dunkelheit. Seither, so heißt es, „hom die Leit in stouckfinstara Nocht um die Ödn Kiacha an großen Bougn gmocht“.

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