Blumau – der "geteilte" Grenzort zwischen Burgenland und NÖ
Zwischen Thalbach (Bild) und Spratzbach liegt der nö. Teil der Rotte Blumau.
Von Josef Lang
Im mittleren Burgenland, direkt an der Grenze zur Buckligen Welt, liegt ein Ort, wie man ihn in Österreich vielleicht kaum ein zweites Mal findet: Blumau, eine kleine, malerische Siedlung, die auf die zwei Bundesländer Burgenland und Niederösterreich aufgeteilt ist.
Die Bäche Thalbach und Spratzbach, die aus dem Wechselgebiet kommen, fließen hier zusammen – und aus ihnen wird die Rabnitz. Auf alten Karten ist noch der Name Plumaubach verzeichnet, der bis Karl reichte.
Blumau ist verwaltungstechnisch zerschnitten: Die Häuser zwischen Thalbach und Spratzbach gehören zur niederösterreichischen Gemeinde Hollenthon, jene links des Spratzbachs zum burgenländischen Landsee, einem Ortsteil von Markt St. Martin. Die rechts des Thalbaches gelegenen Gebäude wiederum zählen zu Stang in der Gemeinde Kirchschlag (NÖ). Damit ist Blumau auf drei Gemeinden verteilt – zwei in Niederösterreich, eine im Burgenland.
Feuerwehr, Schule, Post
Diese Situation hat natürlich Auswirkungen auf das alltägliche Leben, zum Beispiel bei der Feuerwehr. Die burgenländischen Kameraden gehören zur FF Landsee, die niederösterreichischen zur FF Gleichenbach. Legendär waren einst die gemeinsamen Feuerwehrfeste – mit großer Beteiligung und musikalischen Höhepunkten, etwa mit den Mölltalern.
Auch in Sachen Bildung braucht es je nach Alter der Kinder und Jugendlichen beziehungsweise des eingeschlagenen Bildungswegs Flexibilität. Denn die Volksschulkinder aus Blumau besuchen die Schule in Hollenthon, Mittelschüler pendeln wiederum ins niederösterreichische Lichtenegg, und weiterführende Schulen werden meist in Wiener Neustadt besucht.
Einen eigenen Friedhof hat Blumau nicht – Verstorbene aus dem burgenländischen Teil werden in Landsee, jene aus dem niederösterreichischen Teil in Hollenthon beigesetzt. Zuständig für die Postzustellung ist die Filiale in Hollenthon mit der Postleitzahl 2812. Auch die Stromversorgung erfolgt von niederösterreichischer Seite über das Umspannwerk Edlitz.
So sinnvoll aufgeteilt auch alles sein mag, beim Feiern nimmt man die „Dopplungen“ gerne mit. So feiern die Blumauer ihren Kirtag im September zum Gedenktag des Heiligen Matthäus – ihm zu Ehren ist die 1761 erbaute Kapelle des Ortes geweiht. Und zwei Wochen später folgt dann schon der Kirtag Landsee, in diesem Fall aber zu Ehren des Heiligen Michael, dem Schutzpatron der Zöllner. Keine Frage, dass auf den jeweiligen Feiern auch immer viele „Auswärtige“ sind.
Zwei Gasthäuser & Welten
Gastronomisch war Blumau einst doppelt aufgestellt: Im burgenländischen Teil betrieb die Familie Filz das „ungarische Wirtshaus“, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschlossen wurde – das Burgenland gehörte bekanntlich bis 1921 zu Ungarn. Auf der anderen Seite befand sich das „österreichische Wirtshaus“ der Familie Seidl, bekannt als „Gasthaus zu den drei Linden“. Dieses bestand bis Mitte der 1970er-Jahre.
Die Bürgermeister Karall (li.) und Grundtner vor der Matthäus-Kapelle.
Trotz der geteilten Strukturen funktioniert das Zusammenleben reibungslos. Die Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister Jürgen Karall (Markt St. Martin) und Manfred Grundtner (Hollenthon) gilt als vorbildlich und ist geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und Pragmatismus. Blumau zeigt beispielhaft, dass Grenzen keine Trennung bedeuten müssen, sondern im besten Fall verbinden können.
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