Bürgermeister streckt für Gehälter 69.000 Euro vor

Ein Gebäude des Gemeindeamts/Feuerwehr mit vier Fahnenmasten steht vor einem teilweise schneebedeckten Feld.
Bernd Strobl (ÖVP) finanziert aus eigener Tasche Gehälter für Gemeindemitarbeiter vor. Hintergrund ist ein Budgetstreit mit der SPÖ.

Von Gernot Heigl

Nach wochenlangem Streit um die Auszahlung von Gehältern an Gemeindebedienstete spricht der Ollersdorfer Bürgermeister und ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl von „Täter-Opfer-Umkehr“.

Im KURIER-Gespräch legt er den gesamten Schriftverkehr offen. „Ich habe nichts zu verbergen“, so der Ortschef, der von „absichtlicher Falschinformation“ durch SPÖ-Mandatare spricht.

Die Vorgeschichte: Am 19. September 2025 wurde den Ollersdorfer Gemeinderäten (10 ÖVP, 9 SPÖ) bekanntgegeben, dass am 30. Dezember die letzte Gemeinderatssitzung 2025 stattfinden werde. Kurz vor dem Termin ließen sich alle SPÖ-Mandatare entschuldigen.

Der Auslöser

„Anfang, Auslöser und Ursache einschneidender Folgen“, resümiert Strobl heute. „Durch das Fernbleiben der Roten war der Gemeinderat nicht beschlussfähig“ – und es gab keinen Budgetvoranschlag.

Somit konnten weder Aufträge vergeben noch Gehälter an Gemeindebedienstete und Kindergartenpädagoginnen ausgezahlt werden. Auch der Bürgermeister und andere Funktionäre bekamen kein Geld. Deshalb gab es am 9. Jänner 2026 eine Anfrage an die Gemeindeabteilung des Landes, welche finanziellen Optionen bestünden.

Bernd Strobl ÖVP

Bernd Strobl amtiert seit 2012 in Ollersdorf als Bürgermeister.

Nach längerem unergiebigem Hin und Her forderte Strobl am 13. Jänner, fünf vor Zwölf , eine „konkrete schriftliche Antwort“. Denn: Der bestehende Kassenkredit Ollersdorfs sei per 31. Dezember 2025 ausgelaufen und konnte nicht zurückgezahlt werden. „Der Kontostand per 31. 12. 2025 beläuft sich auf minus 263.894,81 Euro.“

Weil der bestehende Kassenkredit mangels Beschlussfähigkeit des Gemeinderats nicht erneuert werden konnte, wollte Strobl wissen, ob es trotzdem möglich sei, einen zweiten Kassenkredit für die gesetzlich vorgesehenen Ausgaben im Rahmen des Budgetprovisoriums „ohne Beschluss des Gemeinderates auszuschöpfen?“ Die Antwort der Gemeindeabteilung: Der Bürgermeister sei „berechtigt, unter der Voraussetzung des § 69 Abs 2 mit einem Kreditinstitut einen Kassenkredit zu vereinbaren, sollte ein solcher nicht bestehen.“

Auszahlen "wäre strafbar gewesen"

Weil nach Ansicht von Strobl aber bereits ein Kassenkredit besteht, habe er nicht auszahlen dürfen. „Hätte ich überwiesen, wie das SPÖ-Mandatare forderten, wäre das strafbar gewesen.“

Der Konter

Für SPÖ-Vizebürgermeisterin Tanja Illedits ist „die Behauptung, dass der Bürgermeister keinen weiteren Kassenkredit hätte aufnehmen dürfen, schlichtweg falsch“. Sie verweist auf die obige Aussendung des Landes. Zum Fernbleiben der SPÖ von der Gemeinderatssitzung meint Illedits: „Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr gehört der Familie. Die Gemeinderatssitzung kann man auch früher ansetzen“. Ein entsprechender früherer Antrag der SPÖ sei schon 2024 mehrheitlich angenommen worden. Aber das „interessiert den Bürgermeister nicht. Daher unterstelle ich ihm Absicht bei der Terminwahl“, sagt Illedits.

Auszahlungsbeleg

Strobl: „Um Verzögerungen zu vermeiden, habe ich aus meiner Tasche 69.000 Euro aufs Gemeindekonto überwiesen.“ 

Und was ist nun mit den ausstehenden Gehältern? „Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, habe ich aus meiner Tasche bereits 69.000 Euro auf das Konto der Gemeinde überwiesen“, betont Bürgermeister Strobl. Damit seien offene Gehälter, rund 25.500 Euro Sozialversicherung und 3.800 Euro Abgaben ans Finanzamt bezahlt worden. Der offene Budgetvoranschlag werde demnächst vom Gemeinderat beschlossen, da reichten auch die Stimmen der ÖVP.

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