Der Gipfel ist bereits in Sicht

Idyllische Winterlandschaft im Böhmerwald.
Was, wenn gerade der mühsame Anstieg der Moment ist, an dem Hoffnung am wichtigsten wird?
Michael Pekovics

Michael Pekovics

Konzentrieren wir uns doch auf die positiven Aspekte. Einfach ist das zwar nicht angesichts der trüben Stimmung, aber eine oft erzählte Anekdote des Freiherrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, besser bekannt als „Lügenbaron“, könnte helfen:

Münchhausen war auf einem Fußmarsch und seine Mitreisenden wunderten sich, warum er bei Steigungen trotz der körperlichen Anstrengung immer frohen Mutes war. War der Gipfel jedoch erreicht und es ging wieder bergab, schlug die Laune des Lügenbarons im Gegensatz zu seinen Gefährten um und er begann zu klagen. Als er nach dem Grund für dieses merkwürdige Verhalten gefragt wurde, war seine Antwort ebenso erhellend wie einleuchtend.

Leben wie ein Lügenbaron

„Wisst ihr“, fing der Freiherr zu erzählen an, „wenn wir bergab gehen, dann kann es nicht mehr lange dauern, ehe es wieder bergauf geht. Und umgekehrt, wenn wir wieder bergauf gehen und der Weg beschwerlich wird, rückt der Gipfel immer näher und es kann es nicht mehr lange dauern, ehe es wieder bergab geht. Und wenn ich mich schon vorher darauf freue, ist die Steigung doch gleich viel leichter zu bewältigen.“

Vielleicht brauchen wir zum Jahresanfang genau diese Haltung. Wer nur auf die vor sich liegenden Mühen des Aufstiegs blickt, verliert schnell die Kraft. Wer aber erkennt, dass auf jedes Tal der nächsten Gipfel folgt und umgekehrt, wird gelassener. Es geht nicht darum, die Realität schönzureden, sondern sie mit Perspektive zu betrachten. 

Die Wirtschaft wird sich erholen, die Stimmung ebenfalls. Aber wenn wir nicht daran glauben, wird es länger dauern und vor allem wird der Weg mühsamer. Bis dahin hilft das Beispiel Münchhausens: Gönnen wir uns doch den Mut, schon beim Anstieg an die Aussicht zu denken.

In eigener Sache: Der persönliche Gipfel ist erreicht, ein längerer Urlaub steht an. Nur damit geklärt ist, warum ich Sie auf diesem Weg kurz alleine gehen lassen.

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