Vom Burgenland in die weite Welt: Wo alles beginnt – und selten endet

Schauspieler Christoph Krutzler, Autorin Johanna Sebauer und Diplomat Emil Brix: Drei Karrieren, die im Burgenland begonnen haben – und weit darüber hinausführen.
Simon Schwarz(W.A. Metzger) durchwühlt die Mistkübel mit Christoph Krutzler (Petar Wollnar)

Von Johanna Worel

Es sind oft die kleinen Orte, von denen große Wege ausgehen. Im Burgenland ist das nicht anders. Wer hier aufwächst, startet selten mitten im Zentrum – und vielleicht gerade deshalb mit einem besonderen Blick auf die Welt.

Ob Bühne, Diplomatie oder Literatur: Viele Karrieren führen irgendwann hinaus. Und doch bleibt die Frage, was von hier mitgeht. Der Schauspieler Christoph Krutzler, Schriftstellerin Johanna Sebauer und der Diplomat Emil Brix – allesamt Burgenländer – haben darauf unterschiedliche Antworten. Ihre Wege führen hinaus – und doch immer wieder zurück.

Drei Männer sitzen an einem Tisch am Wasser, einer zeigt lachend mehrere Ausweise unter seinem hochgezogenen Hemd.

Crooks. Frederik Lau als Charly, Christoph Krutzler als Joseph und Hubert Koundé als Caspar in Crooks auf Netflix.

Südburgenland auf Netflix

„Man kann den Schauspieler aus dem Südburgenland nehmen – aber das Südburgenland nicht aus dem Schauspieler“, sagt Krutzler. Der Künstler, der auch in internationalen Produktionen wie der Netflix-Serie Crooks zu sehen ist, kennt diesen Weg gut. Für ihn beginnt alles hier – und führt früh hinaus. 

„Man muss die Welt sehen als Schauspieler. Erfahrungen sammeln und dazulernen.“ Seine ersten Schritte führen ihn nach Graz, später nach Wien.

Und doch bleibt das Burgenland für Krutzler ein besonderer Ort. „Das ist meine Heimat, meine Kindheit und jetzt gerade auch mein Jetzt. Ich habe alles im Kopf, ich trage alles im Herzen.“ Wenn er seinem jüngeren Ich etwas sagen könnte? „Mach es genau so.“ Zurückschauen will er nicht. „Ich lebe im Moment. Maximal denke ich über die Zukunft nach. Doch das Hier und Jetzt ist das, was zählt.“

Der Eiserne Vorhang

Auch für Emil Brix beginnt sein Weg im Burgenland – genauer gesagt an einer Grenze, die lange eine Trennlinie war. In den 1950er- und 1960er-Jahren aufgewachsen, als der „Eiserne Vorhang“ Europa teilte, prägt ihn die Grenzregion des Mittelburgenlandes bereits in früher Jugend. Später erlebt er auch deren Öffnung aus nächster Nähe. 

„Zu dieser Zeit hat an der burgenländischen Grenze zu Ungarn ein Europa ohne Eisernen Vorhang begonnen“, sagt er. Diese Erfahrung in jungen Jahren wirkte sich auf seine gesamte Karriere aus und führt ihn schließlich in die Diplomatie.

Emil Brix, ein mit grauen Haaren trägt einen dunklen Anzug und eine hellblaue Krawatte und steht lächelnd vor einer offenen Tür.

Emil Brix. 

Brix wird österreichischer Botschafter in Großbritannien und Russland, später Direktor der Diplomatische Akademie Wien und ist heute Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Seine Herkunft sieht er dabei nicht als Einschränkung. 

„Die Tatsache, dass meine Familie mütterlicherseits aus Deutschkreutz stammt, hat mich für die Chancen ethnischer Vielfalt und die Bedeutung der mitteleuropäischen Grenzregionen sensibilisiert“, sagt er. Und auch jungen Menschen im Burgenland rät er, hinauszugehen und Erfahrungen zu sammeln – in der Region und darüber hinaus.

Knallheiße Sommer

Einen anderen Zugang findet Johanna Sebauer. Für sie beginnt vieles im Stillen. „Mein Heimatort war wie eine riesige Spielwiese“, sagt sie. Aufgewachsen in einer nordburgenländischen Gegend, „in der nicht viel los ist“, habe sie früh begonnen, sich eigene Räume zu schaffen. „Gerade weil mir oft langweilig war, konnte daraus viel entstehen.“ 

Johanna Sebauer, eine Frau mit Brille und rosa Jacke, sitzt entspannt vor einer orange-braunen Holzwand auf dem Boden.

Johanna Sebauer

In ihrem Roman Nincshof greift sie diese Auseinandersetzung mit Herkunft auf – und erzählt von einem Dorf, das sich bewusst von der Außenwelt abkapselt. Nach der Matura verlässt sie das Burgenland, reist, lebt im Ausland. „An meine Heimat habe ich kaum gedacht.“ Und doch bleiben Bilder: „Die knallheißen Sommer und die drückende Hitze – das war meine Kindheit.“

Heute ist sie zurück – auch künstlerisch. Für das Theaterprojekt „Die Straße der Frauen“, das im Mai im Offenen Haus Oberwart Premiere feiert, setzt sie sich mit burgenländischen Frauenfiguren auseinander. „Du musst in die Welt, um wieder zurückzukommen“, sagt sie.

Drei Wege, drei Richtungen – und doch ein ähnlicher Ausgangspunkt. Vieles beginnt hier: im Kleinen, in der vermeintlichen Peripherie. Und von dort geht es hinaus – in andere Lebenswelten. Und manchmal auch wieder zurück – wo alles begonnen hat.

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