Vollgas mit 12: Wie Mia Zanki Richtung Formel 1 fährt

Mit acht Jahren saß Mia Zanki erstmals in einem Kart, mit 12 fährt sie im F1-Nachwuchsprogramm. Wie die Burgenländerin die erste Frau in der Formel 1 werden will.
Kartfahrerin Mia Zanki

Wenn Mia Zanki im Auto unterwegs ist, dann ist Zeit für Schule. Online verbindet sie sich mit ihrer Lehrerin, klärt Fragen, schreibt an ihren Arbeiten oder absolviert Prüfungen. Zeit genug gibt es, bei der 15-stündigen Fahrt von Italien nach Spanien. Oder retour.

Im Leben der Zwölfjährigen aus dem burgenländischen Podersdorf dreht sich alles um Fahrzeuge. Denn wenn sie nicht im Auto ihrer Familie sitzt, sitzt sie vermutlich in einem Kart. Mia ist Nachwuchsrennfahrerin.

Mia Zanki in ihrem Kart

Die Rennstrecke ist Mias Leben

Zuletzt wurde sie als eine von nur drei jungen Mädchen weltweit in der Kategorie Junior zwischen 12 und 14 Jahren im „F1 Academy – Discover your drive“-Förderprogramm aufgenommen. 

Das Programm von Ex-Rennfahrerin Susie Wolff ist eine der wichtigsten Förderschienen für Mädchen und junge Frauen auf dem Weg in den Formelsport. Sie ist die Vorstufe zur F1-Academy-Rennserie. Denn das ist es, was Mia will: „Ich möchte die erste Frau in der Formel 1 werden“, sagt sie. Heuer testet sie die Formel 4.

Mia Zanki zusammen mit Susie Wolff

Mia mit Rennikone Susie Wolff

Kart statt Kite

Dabei ist Mia – deren Familie bisher nichts mit Rennsport am Hut hatte – vor vier Jahren das erste Mal überhaupt in einem Kart gesessen. Eigentlich teilte die damals Achtjährige die Leidenschaft ihrer Eltern für das Kitesurfen. Doch damals in Spanien gab es weder Wind noch Wellen. Dafür eine Kart-Strecke. 

Nach einem dreitägigen Kids Camp in Pachfurth (NÖ) wenig später, war klar: das will sie machen. Der Wettbewerb reizt sie. „Der Speed, das Adrenalin, das Gefühl, wenn man am Podium steht oder jemanden überholt“, schwärmt die Zwölfjährige.

Seither geht es im Leben der Zankis ums Kartfahren. Noch 2022 fuhr Mia bei den NÖ Meisterschaften, kurz darauf schon in Tschechien. Papa Richard wurde zum Teamchef, Mechaniker, Coach. „Wir waren völlig unvorbereitet“, erinnert er sich. „Ich war sogar überrumpelt, dass die für jedes Rennen neue Reifen brauchen“, erzählt er. 

In eineinhalb Jahren lernte er alles über Karts. „Das hat auch für Rückschläge gesorgt. Wenn kleine Fehler oder Unwissenheit zum Beispiel zu einem Motorschaden geführt haben.“ Nun profitiere Mia aber von der besonderen Sorgfalt ihres Vaters.

Rennfahrerin Mia Zanki bespricht sich mit ihrem Vater

Mia mit ihrem Vater

Was zu Beginn an technischem Wissen fehlte, machte Mia mit Zielstrebigkeit wett. Täglich trainiert sie bis zu eineinhalb Stunden. Denn mit den Runden auf der Kart-Bahn, die Laien absolvieren, hat der Sport nichts gemein. Die Kinder erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 128 km/h. Die 35 PS des Karts entsprechen umgelegt auf das Leistungsgewicht eines Autos 350 PS. In den Kurven wirken Kräfte von zwei G auf den Körper, der Helm wiegt zwei Kilo. 

Ganz ungefährlich ist es nicht. Schon einmal hat sich Mia bei knapp 100 km/h überschlagen. Sie blieb unverletzt. Wie alle Sportler arbeitet sie mit einem Coach zu Fokussierung, Visualisierung und Stressmanagement. Am Weg zum Rennen hilft Mia Musik zur Konzentration.

Mia Zanki

Simulator unterm Bett

Vier Tage pro Woche sitzt die Zwölfjährige beim Training oder Rennen im Kart. Die brauche man für Routine und Fortschritt, erklärt die junge Sportlerin. Täglich übt sie zudem vier bis fünf Stunden im Simulator. Daheim hat ihr Vater ihr einen unter das Stockbett gebaut. Alleine im Vorjahr hat Mia an 30 Rennwochenenden teilgenommen. 

Rund 50.000 Kilometer spulten die Zankis dafür auf der Straße ab, mehr als einmal um die Erde. Dabei konnte sie 19 Stockerlplätze einfahren. Oft gar als jüngste Teilnehmerin – und als eines der wenigen Mädchen. Nur rund 15 Prozent der Kart-Fahrer sind weiblich. Kein Wunder also, dass es keine einzige Formel 1-Pilotin gibt.

Mia Zanki vor dem Simulator

Training auch vor dem Bildschirm

Mias harte Arbeit zahlt sich aus, nicht nur wurde sie schon drei Mal Österreichische Vize-Staatsmeisterin – heuer darf sie endlich an Formel 4-Testfahrten teilnehmen. Dabei werden bereits Geschwindigkeiten von rund 240 km/h gefahren. Bereits 2025 war sie eingeladen worden, war aber noch zu jung.

Aus eigener Tasche

Im Unterschied zu vielen Mitbewerbern haben die Zankis keinen Rennsporthintergrund. Zuletzt finanzierten die Eltern die Karriere ihrer Tochter aus Eigenmitteln. „Ein regionales Rennwochenende kostet 2.000 Euro, international 5.000 bis 7.000 Euro, im internationalen Spitzenfeld bis zu 15.000 Euro“, rechnet Richard Zanki vor. In der Formel 4 seien es dann schon Kosten von 300.000 Euro. Ohne Sponsoren nicht stemmbar. Zuletzt wurde sie von Minardi Management unter Vertrag genommen.

Mia Zanki im Auto vor dem Laptop

Sitzt Mia nicht im Kart, wird auch brav gelernt

Einen Plan B gibt es für Mia dennoch nicht. „Wenn man mich fragt, was ich mache, wenn ich nicht Rennfahrerin werde, wüsste ich es nicht. Ich habe mir außerhalb des Rennsports noch keine Gedanken gemacht.“

Heuer ist sie auch in der „Champions of the Future Academy“ am Start. Bei der Rennserie starten alle Teilnehmer mit demselben Material, was für Chancengleichheit sorgt. Demnächst startet sie in Griechenland. Dafür werden auch wieder viele Kilometer auf der Straße abgespult. Da hat Mia Zeit für Schule oder ihre Hobbys Malen oder Lesen. Bibi & Tina zum Beispiel. Bis sie wieder selbst das Steuer übernimmt.

Mia Zanki auf dem Kiteboard

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