Feindseligkeiten wegen Schulzusammenlegung in Deutsch Schützen

Die Schließung der örtlichen Volksschule beim Bau eines geplanten millionenteuren Bildungscampus im Nachbarort sorgt für hochexplosive Stimmung.
46-222820296

Von Gernot Heigl

Kontrovers und aggressiv ist aktuell die Stimmung in der rund 1.100 Einwohner zählenden Gemeinde Deutsch Schützen-Eisenberg im Bezirk Oberwart

Streitthema ist der geplante, zig Millionen teure Bildungscampus im Nachbarort Eberau. Stimmt die Gemeinde diesem Megaprojekt nämlich zu, muss die örtliche Volksschule geschlossen werden. Eine Bürgerbefragung soll Klarheit schaffen.

Wie aufgeheizt die Atmosphäre in der südburgenländischen Großgemeinde ist, zeigt sich anhand eines offenen Briefes, gerichtet an Bürgermeister Franz Wachter (ÖVP), einem bekennenden Gegner des Bildungscampus Pinkaboden.

Rundschreiben an den Ortschef

Als Reaktion auf ein Rundschreiben des Ortschefs heißt es da unter anderem: „Zum Schluss machst du etwas, das uns wirklich entsetzt und empört. Du veröffentlichst einen Stimmzettel, der beim ‚Nein‘ angekreuzt ist.“

Als „Vorbilder“ solcher Szenarien gilt den Verfassern „die Frage nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Aber selbst die Nazis haben den Stimmzettel nicht vorausgefüllt, sie haben bloß den Kreis für das Ja zum Anschluss größer gemacht als den Kreis für das Nein“. 

"Ungeheuerliche Vorwürfe"

„Ungeheuerliche Vorwürfe, die ich nicht näher kommentieren werde“, ist Bürgermeister Franz Wachter entsetzt. „Leider ist die Stimmung in unserer Großgemeinde derzeit sehr gereizt. Dabei habe ich in meinem Schreiben um einen fairen Umgang gebeten, im Wissen, dass es Befürworter und Gegner des Projekts gibt. Mein Appell war und ist, dass wir die Sichtweisen der jeweils anderen respektieren und akzeptieren.“

46-222871025

Befragung am 1. März

Für ein Ende des örtlichen Konflikts soll eine Bürgerbefragung sorgen, die am 1. März stattfindet. „Das Ergebnis ist zwar gesetzlich nicht bindend, aber eine klare Richtungsentscheidung für den Gemeinderat“, so der Ortschef.

Im KURIER-Gespräch erläutert Wachter, warum er dem Bildungs-Campus-Projekt ablehnend gegenübersteht: „Einerseits geht es, durch sinkende Einnahmen, um die ohnehin burgenlandweit angespannte finanzielle Lage aller, also auch unserer Gemeinde. Da ist ein geplantes Megaprojekt mit prognostizierten Kosten von 15,5 Millionen Euro, die ja noch steigen können, hochriskant. Umso mehr, als es keine schriftlichen Förderzusagen gibt“, resümiert der Ortschef.

„Dass aber nicht nur ich solche Bedenken habe“, fügt Wachter hinzu, „zeigt sich in den Gemeindenachrichten aus Eberau vom Dezember 2025, wo der geplante Bildungscampus errichtet werden soll. In der Aussendung heißt es nämlich, dass die Umsetzung die Gemeinden an ihre finanziellen Grenzen bringen oder diese sogar überschreiten wird.“

Franz Wachter weiter: „Andererseits haben wir eine gut geführte Volksschule im Ort, mit derzeit einer Klasse, 21 Kindern und zwei Pädagoginnen. Die Buben und Mädchen werden optimal betreut, individuell gefördert und sind in einer vertrauten Umgebung aufgehoben. Auch das Gebäude ist in einem guten Zustand und wird laufend verbessert.“

20 Kilometer Schulweg

Nachdenklich folgt: „Wenn der Bildungscampus Pinkaboden kommt, müssen wir unsere Volksschule schließen. Das bedeutet dann für die Kinder eine Wegstrecke von rund 20 Kilometern hin und zurück.“ Auf die Frage, wann der Spatenstich für das Mega-Projekt vorgesehen wäre, antwortet der Bürgermeister achselzuckend: „Warten wir mal die Bürgerabstimmung ab, vielleicht gibt es ja gar keinen Campus.“

Kommentare