Ein gutes Jahr beginnt mit einem trockenen Jänner

„Dry January“: Prost ohne Promille.
Der Dry January wirft Fragen auf, die man sich sonst gerne erspart. Insbesondere im Weinland Burgenland.
Paul Haider

Paul Haider

Haben Sie schon einmal beim „Dry January“ mitgemacht? Also im ersten Monat des neuen Jahres komplett auf Alkohol verzichtet? Die ursprünglich aus Großbritannien stammende Gesundheitskampagne wird seit einigen Jahren auch hierzulande immer populärer.

Die Vorteile des „trockenen“ Monats liegen auf der Hand: Leber und anderen Organen wird eine Verschnaufpause gegönnt (eine Fettleber kann sich bereits nach wenigen Wochen zurückbilden), der Schlaf und auch das Hautbild profitieren vom Alkoholverzicht.

Eigentlich noch wichtiger: Wer freiwillig verzichtet, stellt Fragen. Fragen an sich selbst, an die eigenen Gewohnheiten. Die Antworten können überraschen. Zum Beispiel, wenn sich herausstellt, dass aus Genuss schleichend Routine geworden ist – ein Warnsignal auf dem Weg in eine Abhängigkeit, das oft zu spät wahrgenommen wird.

Kulturgut und Suchtmittel

Gerade im Burgenland wäre es für viele Menschen ratsam, ihr Trinkverhalten zu überdenken. Beim Alkoholkonsum landet das östlichste Bundesland im Ländervergleich immer wieder auf dem unrühmlichen ersten Platz. Zudem hat die Zahl der Alko-Unfälle auf burgenländischen Straßen im Jahr 2025 bedenklich zugenommen.

Gleichzeitig gelten alkoholische Getränke, insbesondere Wein, bei uns als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor. Auch das ist legitim. Manche Winzer beschweren sich durchaus zurecht darüber, wenn Alkohol generell verteufelt wird.

Keine Moralkeule

Das entspricht aber auch nicht der Idee des „Dry January“. Es geht nicht um Verbote oder darum, die Moralkeule zu schwingen – sondern darum, wieder bewusster zu genießen.

Randnotiz: Wem die Alkoholabstinenz im Jänner nicht mit der Ballsaison vereinbar erscheint, kann sie auch ganz klassisch in die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag verlegen. Ob nun Fastenzeit oder „Dry January“ – eine Periode des bewussten Verzichts tut in jedem Fall gut. Einen Versuch ist es allemal wert.

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