Dirk Stermann: „Auf der Bühne ist man nackerter“
Von Vanessa Halla
Die Pinkafelder feierten Dirk Stermann bei der ausverkauften Vorpremiere von „20 Spritzer bis Amstetten“. Woher kommt es, dass der Kabarettist und „Willkommen Österreich“-Moderator die südburgenländische Stadtgemeinde gerne besucht? Warum hängt dabei eine Katze auf seinen Schultern? Und trinkt der wirklich 20 Spritzer?
KURIER: Warum gerade Pinkafeld als Spielort für die Vorpremiere?
Dirk Stermann: Mein Techniker Christian De Lellis stammt aus Pinkafeld. Der kennt hier jeden und dadurch sind auch alle wahnsinnig nett zu mir. Ich bin hier außerdem schon einmal aufgetreten und habe das in guter Erinnerung.
Fühlt man sich solo auf der Bühne dem Publikum ausgelieferter, als im Duo von Willkommen Österreich?
Absolut! Auf der Bühne ist man nackerter. Im Duo kann man sich im Notfall hinter dem Kollegen verstecken, allein geht das nicht. Man ist verantwortlich für alles, was passiert. Aber genau das hat auch seinen Reiz.
20 Spritzer bis Amstetten – klingt ambitioniert. Worum geht es in dem Stück?
Die Grundidee ist: Meine Agentur möchte, dass ich ein neues Programm mache – mir fällt aber nichts ein. Gleichzeitig merke ich, dass ich sehr gerne singe. „Stermann singt“ sollte mein neues Programm heißen. Die Agentur findet allerdings, dass ich gar nicht singen kann – sie lässt „Stermann sinkt“ auf die Plakate drucken und schickt mich trotzdem auf Tour, unter anderem nach Amstetten. Darüber ärgere ich mich. Auf der Zugreise begegnen mir dann verschiedene Menschen. Daraus entwickelt sich die Geschichte.
Schaffst du überhaupt 20 Spritzer?
Nein, ganz sicher nicht! Und vor allem nicht in der Zeitspanne von Wien bis nach Amstetten. Da müsste ich alle vier Minuten einen Spritzer trinken. Aber es gab mal einen Musiker, der das geschafft haben soll. Das hat mir eine Freundin erzählt. Da müssen wohl selbst die Burgenländer jetzt mal schlucken.
Du hast viele Bücher geschrieben, aber erst dein zweites Soloprogramm. Ist Kabarett schwieriger zu schreiben?
Für mich ja. Beim Kabarett müssen die Leute lachen – das ist der Anspruch. Beim Romanschreiben kann man ruhiger erzählen. Beim Kabarett denkt man ständig darüber nach: Funktioniert das? Lachen die Leute? Das macht das Schreiben nerviger.
Wann ist ein Programm wirklich fertig?
Eigentlich nie. Beim Kabarett probt man vor Publikum. Im Theater wird wochenlang geprobt und dann genauso gespielt. Beim Kabarett entsteht das Programm erst im Kontakt mit den Zuschauern. Man streicht ständig etwas, fügt Neues hinzu, verändert Pointen. Selbst jemand wie Josef Hader verändert nach Hunderten Vorstellungen noch Details.
Wovor hat Dirk Stermann eigentlich Angst?
Ich bin ein ziemlich ängstlicher Mensch. Ich habe zum Beispiel Angst vor Hunden – obwohl ich inzwischen selbst einen habe. Und aggressive Menschen machen mir auch Angst. Außerdem mache ich mir Gedanken über die politische Zukunft Europas oder darüber, was mit künstlicher Intelligenz alles passieren könnte. Ich habe zum Beispiel überhaupt keine Ahnung, wie zum Beispiel ChatGPT funktioniert. Ich kenn mich da nirgendwo richtig aus. Dadurch bin ich natürlich noch ängstlicher.
Würdest du dir mehr Analoges, mehr echtes Leben wünschen?
Ja! Für mich ist eines der größten Glücksgefühle überhaupt: im Bett liegen und ein Buch lesen. Man wird langsam müde, macht das Licht aus – das ist unglaublich gemütlich. Wenn ich auf Tour kein Buch dabeihabe, greife ich zum Handy und schlafe viel schlechter.
Wenn du kein Stermann geworden wärst – was dann?
Ich habe wenig Ausbildung. Ich habe Matura, aber mein Studium nicht abgeschlossen. Meine einzige echte Qualifikation war ein Taxischein in Düsseldorf – der gilt in Wien natürlich nicht. Früher wollte ich Auslandskorrespondent werden. Einmal habe ich im Kosovo für ein Radio einen Live-Einstieg gemacht und komplett versagt. Das war so schrecklich, dass sie es nicht gesendet haben. Danach wusste ich: Das ist nichts für mich.
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