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Chronik Burgenland
10/02/2020

Die Blauen umschiffen parteiinterne Klippen

Der Konflikt zwischen Hans Tschürtz und Manfred Haidinger stand nicht auf der Agenda der FPÖ-Vorstandsklausur

von Thomas Orovits

Seit der Landtagswahl im Jänner, die für die Freiheitlichen den Verlust eines Drittels der Stimmen und das Ende der Regierungsbeteiligung brachte, kommt das blaue Lager im Burgenland nicht zur Ruhe. Partei-Insider sprachen zuletzt hinter vorgehaltener Hand davon, dass es nur mehr eine Frage der Zeit sei, bis das Fass überlaufe.

Bei der zweitägigen Vorstandsklausur in Sankt Martin an der Raab, die am Freitagnachmittag begonnen hat, schien die Zeit gekommen. Denn im Vorfeld war bekannt geworden, dass der frühere Landtagsmandatar Manfred Haidinger den Parteiausschluss von Klubchef Hans Tschürtz verlangt. Einen entsprechenden Antrag an den Bundesparteivorstand der FPÖ wolle er nach der Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober absenden, teilte Haidinger den „sehr geehrten Kameradinnen und Kameraden im Landesparteivorstand“ in einem vierseitigen vertraulichen Brief, der dem KURIER vorliegt, mit. Haidinger beklagt darin eine Desavouierung von Bundes- und Landesparteiobmann Norbert Hofer durch Tschürtz und angebliche Pläne des 60-jährigen früheren Landesparteichefs, bei der Kommunalwahl 2022 auf einer anderen Liste oder als Liste Tschürtz gegen die FPÖ antreten zu wollen.

Tschürtz seinerseits hatte Haidinger – und FPÖ-Seniorenchef Paul Strobl – schon Mitte Juli zum Rücktritt aufgefordert. Beide seien Unruhestifter und würden der Partei schaden, deshalb sollten sie „positiven Kräften“ Platz machen, hatte Tschürtz gewettert – in einer Pressekonferenz, die offenbar nicht mit Hofer abgesprochen war.

Der Bundesparteichef hatte beim Landesparteitag im März sein Gewicht in die Waagschale geworfen, um eine Parteispaltung zu verhindern. Das Ergebnis bei der Wahl zum Landesparteichef – 76 Prozent für Hofer, 24 für Haidinger – signalisierte die Fortsetzung des Konflikts.

Keine Klärung

Wer nun das Sagen in der burgenländischen FPÖ hat – Alt-Mandatar Edi Nicka hatte jüngst ein Machtwort Hofers eingemahnt – wurde auch im Südburgenland nicht geklärt. Vielmehr dürfte man sich am Tagungsort orientiert haben – der Heilige Martin steht fürs Teilen – und weiter mehrere Machtzentren zulassen. Das war jedenfalls der Eindruck von Sitzungsteilnehmern. Parteisekretär Christian Ries sagte dem KURIER, die Causa Haidinger-Tschürtz sei überhaupt nicht auf der Agenda gestanden, man habe über die Kommunalwahl 2022 und das neue Parteiprogramm diskutiert, das von mehreren Arbeitsgruppen vorbereitet werden soll. Sind Tschürtz und Haidinger nebeneinander gesessen? Ries: „Aufeinander gepickt sind sie nicht“.

 

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