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Chronik Burgenland
08/02/2021

Der Mediziner-Deal des Landes Burgenland

Seit 2019 finanziert das Land Burgenland Studienplätze an der Danube Private University (DPU) im niederösterreichischen Krems. Die Absolventen müssen dann fünf Jahre im Burgenland arbeiten

von Thomas Orovits

12.777 Personen haben vor knapp zwei Wochen den Aufnahmetest für das Medizinstudium an den Universitäten Wien, Graz, Innsbruck oder Linz absolviert. Aber nur jeder siebente Kandidat bekommt auch einen Platz an einer der Medizin-Unis, denn insgesamt stehen an den öffentlichen Bildungsstätten bundesweit nur 1.740 Studienplätze zur Verfügung.

Demgegenüber steht seit Jahren das Lamento, es gebe zu wenige Jungmediziner. Besonders der niedergelassene Sektor am Land drohe schneller auszutrocknen als der Neusiedler See.

Ein Blick auf die Homepage der burgenländischen Ärztekammer veranschaulicht das Problem. Aktuell laufen von Nord bis Süd sechs Ausschreibungen zur Nachbesetzung von Ordinationen, es handelt sich um fünf Allgemeinpraxen und eine Facharztordination. Von den rund 140 Allgemeinmedizinern und 90 Fachärzten verabschiedet sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren die Hälfte in die Pension.

Griff in die Landeskasse

Da ist guter Rat tatsächlich teuer. Um mehr Mediziner ins Land zu bekommen, ist das Land Burgenland mit der Danube Private University (DPU) im niederösterreichischen Krems 2019 eine Partnerschaft eingegangen. Seither wird jährlich ein Kontingent von Studienplätzen für junge Burgenländerinnen und Burgenländer angeboten, die an der DPU Medizin studieren können.

Die Abwicklung und Finanzierung der Studiengebühren erfolge durch eine interne Regelung zwischen Land und DPU – für die Studierenden fallen keine Kosten an, heißt es seitens des Landes. Wie viel sich das Land diese Privatausbildung kosten lässt, wird nicht bekanntgegeben.

Ganz umsonst gibt‘s die Studienberechtigung aber nicht, denn die DPU-Absolventen aus dem Burgenland müssen sich im Gegenzug verpflichten, nach Absolvierung ihres Studiums für mindestens fünf Jahre im Burgenland zu arbeiten. Entweder in einer der fünf burgenländischen Krankenanstalten oder als Allgemeinmediziner beziehungsweise Facharzt einen Kassenvertrag im Burgenland anzunehmen. Unter den Fächern herrscht bei Anästhesiologie und Intensivmedizin, Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Traumatologie, Innere Medizin und Kinder- und Jugendheilkunde großer Personalmangel.

Interne Auswahl

Nun sind die nächsten sechs Studierenden (von 32 Bewerbern) für ein Stipendium ausgewählt worden, sie beginnen im Oktober das Studium. Insgesamt sind damit 18 angehende Mediziner im Rahmen dieses Modells mit der Privat-Uni in Ausbildung.

„Das ist ein besonders wichtiger Bestandteil unseres Maßnahmenpaketes zur Absicherung der wohnortnahen ärztlichen Versorgung in unserem Bundesland“, sagt Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Besteht nicht die Gefahr, dass über diese vom Land finanzierte Ausbildung Kandidaten zum Zug kommen, die den Aufnahmetest an einer öffentlichen Medizin-Uni nicht geschafft haben und deren Eltern sich‘s „richten können“? Das weist man im Land entrüstet zurück: Erstens wäre die Ausbildung an der DPU keine „zweite Chance“ für beim Test Durchgefallene und zweitens nehme die DPU ganz alleine die Reihung der Kandidaten vor.

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