Warum eine burgenländische Vegetarierin zur Jägerin wurde

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Wie aus einer jungen vegetarisch lebenden Köchin eine leidenschaftliche Jägerin wurde, die ihren Fleischbedarf selbst deckt – und damit auch anderen eine kulinarische Freude macht.

Von Gernot Heigl

Bereits als junge Köchin, die auch im Hauben- und Sternelokal „Steirereck“ in Wien arbeitete, lernte Michaela Kalcsics die hohe Zubereitungskunst von Wildgerichten kennen und lieben. Dabei verinnerlichte sie sich in vielen Gesprächen mit prämierten Köchen, dass man das beste Wildbret direkt bei den Jägern bezieht: „Weil die Tiere keine Medikamente bekommen und nur fressen, was ihnen die Natur zur Verfügung stellt.“

Mit diesem Wissen und ihrer Leidenschaft am Zubereiten beendete die junge Frau schließlich ihre vegetarische Phase und kaufte für ihre private Küche nur noch Fleisch von Hirsch, Reh und Wildschwein.

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Michaela Kalcsics war früher Vegetarierin, heute geht sie auf die Jagd.

Da die Waidmänner aber nicht immer Ware zur Verfügung hatten, folgte bei ihr „auf den Gedanken vom leeren Kochtopf schon bald der Wunsch, Jägerin zu werden. Damit ich selbst für meinen Fleisch-Nachschub sorgen kann“. Gesagt, getan.

„Das ist mein Weg“

Deshalb absolvierte Michaela Kalcsics (44) vor gut zwölf Jahren die Jagdprüfung, bildete einen Jagdhund aus und ging mit ihm auf die Pirsch. Ihr erster Abschuss war ein Rehbock, den sie ohne fremde Hilfe zerlegte und zur Gänze verwertete. „Ich war glücklich und hatte große Freude daran. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass das mein Weg ist.“

2018 zog die gebürtige Niederösterreicherin zu Max, ihrem späteren Ehemann und ebenfalls begeisterten Waidmann in das südburgenländische Buchschachen. Im gemeinsamen Bauernhaus verzauberte die hauptberufliche Werbeberaterin immer wieder Familie und Freunde mit ihren kulinarischen Wildgerichten. „Neben dem Kochen widmete ich meine Freizeit auch dem Experimentieren. Begonnen hat es mit Würstel und Geselchtem.“

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Für ihre Fleischwaren geht Kalcsics selbst in den Wald.

Zum 50. Geburtstag ihres Gatten richtete Michaela Kalcsics das Buffet für 150 geladene Gäste selbst aus. „Da hat mich meine Leidenschaft vollgepackt. Es gab alleine 34 verschiedene Vorspeisen sowie Dutzende warme und kalte Gerichte – natürlich stammte das Fleisch großteils vom selbst erlegten Wild.“ Die Kreationen kamen derart gut an, dass sie nach dem Fest von zahlreichen Personen kontaktiert wurde, die bei ihr Produkte bestellen wollten.

Hofladen ist „ausverkauft“

Daraufhin meldete sie im März 2025 ein Kleingewerbe an und errichtete mit ihrem Mann einen Hofladen inklusive Gastroküche, Kühl- und Tiefkühlhaus, Räucherkammer und vielem mehr. Innerhalb kürzester Zeit stand eine reichhaltige Produktpalette aus eigenem und von Jägern aus der Region zugekauftem Wild zur Auswahl – wie etwa von Hirsch, Reh und Wildsau zubereiteten Leberkäse, Leberknödel, Würstel, Gulasch, Pasteten und diverse andere geräucherte Schmankerl. Besonders begehrt unter den Kunden sind Brötchen und kalte Platten vom Wild, aber auch ein hausgemachter Senf, eine spezielle Chili-Marmelade und diverse Pestos.

„Aktuell habe ich nichts mehr. Mein Hofladen wurde über die vergangenen Feiertage regelrecht leergekauft“, sagt Kalcsics. „Deshalb gehen mein Mann und ich bereits wieder auf die Jagd.“ Zur Verfügung steht dem Pärchen das Revier der Gemeinde mit 1.500 Hektar. Weil qualitätsvolles Verarbeiten, Beizen und Räuchern seine Zeit braucht, sind derzeit nur Vorbestellungen möglich. Kontaktdaten und Infos gibt es auf der Homepage unter mm-hofladen.com mit eigenem Onlineshop. „Essen ist für mich Abenteuer im Mund“, so die Südburgenländerin. „Deshalb lege ich besonderen Wert auf respektvollen Umgang mit all meinen Rohstoffen. Laut Rückmeldungen meiner Kunden spürt man das dann auch auf dem Gaumen.“

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