Jäger im Burgenland wegen Schweinepest in Alarmbereitschaft
In Deutschland kam es bereits zu einem Ausbruch von ASP, die Seuche rückt immer näher.
Von Gernot Heigl
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt immer näher ans Burgenland. Grund dafür ist eine massive Ausbreitung der Krankheit in Ungarn. Allein heuer wurden bis Ende Juli bereits 685 infizierte Wildschweine festgestellt, 2025 waren es insgesamt 943 Tiere.
Aktuell hat die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) das Ansteckungsrisiko im Tierseuchenradar auf Stufe „Rot/Hoch“ gestellt und gibt die kürzeste Distanz zu einem festgestellten Fall mit 98 Kilometern zur österreichischen Staatsgrenze an.
Hochansteckend und tödlich für Schweine
ASP ist eine hochansteckende Viruserkrankung mit beinahe 100-prozentiger Sterblichkeitsrate, die aber nicht nur Wildschweine befällt. Gefährdet sind auch Hausschweine. Kommt es in einem Stall zu einer nachgewiesenen Infektion, muss in der Regel der gesamte Bestand getötet werden, da es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Für Menschen und andere Tiere besteht kein Risiko.
Sechs Fälle am 30. Juli
Die Übertragung der Afrikanischen Schweinepest kann durch direkten Kontakt von Tier zu Tier (Beißen, Berührung) sowie über Kadaver oder Blut stattfinden. Indirekt ist eine Verschleppung des Virus unter anderem über den Menschen möglich, im Wesentlichen durch kontaminierte Kleidung, Schuhe und Werkzeuge sowie Fahrzeuge und Jagdausrüstung.
Das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) habe das Virus bei einem im Sauerland gefundenen toten Wildschwein bestätigt. (Symbolbild)
Alle bestätigten ungarischen ASP-Fälle bei Wildschweinen sind in der Liste der staatlichen Behörde „Nébih“ (Nationales Amt für die Sicherheit der Lebensmittelkette) angeführt. Die aktuellsten Einträge finden sich mit sechs festgestellten Fällen am 30. Juli.
Die Entfernung zu einigen Infektionsschwerpunkten, in denen Dutzende von der Seuche befallene Wildschweine dokumentiert worden sind, ist auf rund 100 Kilometer zur burgenländischen Grenze geschrumpft. Beunruhigt zeigen sich die ungarischen Behörden jüngst auch darüber, dass heuer positiv getestete Tiere südlich der Autobahn M1 entdeckt worden sind. Damit hat das Virus nämlich erstmals diese künstliche Barriere überschritten.
Seuche auf einem Hof
Bestätigt wurde erstmals auch ein Seuchenbefall bei Hausschweinen auf einem ungarischen Hof, der Anfang Juni im Nordosten unseres Nachbarlands aufgetreten ist. Wie die AGES auf ihrer Homepage bestätigt, musste der Bestand von insgesamt 2.994 Tieren, darunter 272 Zucht- und Jungsauen, getötet und der Betrieb komplett desinfiziert werden.
Österreich ist bisher von der Afrikanischen Schweinepest verschont geblieben, bis dato gibt es keinen einzigen Befall. „Aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass es auch bei uns zu ASP-erkrankten Wildschweinen kommen kann“, beschreibt Oberwarts Bezirksjägermeister Siegfried Fleischacker die Situation. „Selbstverständlich ist die burgenländische Jägerschaft zu diesem Thema sensibilisiert. Wir befürchten ja schon seit einiger Zeit, dass auch wir die Behörden alarmieren müssen.“
Bereits vor einiger Zeit hat das Land mit der Suche nach Personen für eine besondere Aufgabe begonnen: 17 Personen mit ihren Hunden haben Interesse daran bekundet, eine Ausbildung zum „Kadaver-Suchteam“ zu absolvieren. Die Teams sollen im Seuchenfall zum Einsatz kommen. Im September sind ein Infotag sowie ein Auswahlverfahren vorgesehen, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Ausbildung ermittelt werden. Diese soll 2027 beginnen.
Neun Monate Aufgabe der Teams ist die freie Suche mit dem Hund in unterschiedlichen Geländestrukturen. Findet der Hund einen Wildschweinkadaver, soll er diesen durch „Bringsel“ anzeigen und die Hundeführerin oder den Hundeführer in den unmittelbaren Bereich des Kadavers führen. Ein Kontakt mit dem Kadaver soll dabei vermieden werden.
Die Ausbildung dauert neun Monate und gliedert sich in drei Module zu jeweils drei Monaten. Vorgesehen sind wöchentliche Trainings und Hausübungen. Die ersten beiden Module enden mit einer Überprüfung, das dritte mit einer Prüfung zur Einsatzfähigkeit. Danach soll die Einsatztauglichkeit über fünf Jahre einmal jährlich überprüft werden.
Das muss man könnenAn die Hundeführer werden mehrere Anforderungen gestellt: Sie sollen sich gut im Gelände orientieren können, körperlich fit, teamfähig und zeitlich flexibel sein. Die Hunde wiederum sollen körperlich fit und gesund sein, eine gute Mensch-Hund-Beziehung sowie eine hohe Motivation auf Futter und/oder Spiel mitbringen. Zudem sollten sie schussunempfindlich sein und eine gute Prägung auf Umwelteinflüsse haben. Zu Trainingsbeginn ist ein Alter zwischen zwölf Monaten und vier Jahren vorgesehen.
Die Kosten für die Ausbildung übernimmt das Land Burgenland. Der zeitliche Aufwand und die Anfahrtswege zu Trainings- und Prüfungsgebieten gelten als Eigenleistungsanteil. Die Höhe einer Entschädigung bei einem späteren Einsatz ist durch das zuständige Ministerium derzeit noch nicht festgelegt.
Fleischacker weiter: „Präventiv kommen im Burgenland derzeit immer wieder speziell ausgebildete Suchhunde zum Einsatz. Die Tiere durchstreifen vor allem Waldgebiete nahe der ungarischen Grenze, damit sie bei vorhandenen ASP-Viren, die zum Beispiel bei einem Wildschweinkadaver auftreten können, anschlagen.“ Im Fall des Falles sei man jedenfalls gerüstet, sagt Fleischacker: „Wir als Jäger können dann sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten. Das muss dann alles schnell gehen. Denn das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist, dass wir eine Ausbreitung verhindern.“
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