300.000 Euro Schulden: Beliebter Vinothek droht die Insolvenz
Statt der sonst üblichen Weinvielfalt finden sich in der Vinothek derzeit nur leere Regale.
Von Gernot Heigl
Eine drohende Insolvenz schwebt wie ein Damoklesschwert über dem „Vinotheken-Verein“ in Deutschkreutz. Von Schulden im sechsstelligen Eurobereich ist die Rede.
Während die Weinregale bereits von den Winzern leer geräumt worden sind, schweigt der Obmann und verweist lediglich darauf, dass „bis Ende Jänner eine Lösung gefunden werden muss“.
Ex-Bürgermeister Manfred Kölly, nunmehr Gemeindevorstand, will nun Initiative ergreifen und alle Verantwortlichen an einen Tisch bringen, um „das Schlimmste zu verhindern“. Denn immerhin ist die Vinothek, so der Ortspolitiker der Liste Burgenland (LBL), „eine der schönsten im Burgenland und zudem seit rund dreißig Jahren wichtig für Deutschkreutz, die Region, den Tourismus und generell für das Blaufränkischland“.
"Kommunikation eingestellt"
„Die derzeitige finanzielle Situation des Vereins (Verein zur Förderung des mittelburgenländischen Weines, Anm.)“ skizziert Kölly „als besorgniserregende Schieflage“ und ergänzt kryptisch: „Das traurige Ergebnis einer Neidgesellschaft, die jegliche Kommunikation nach außen eingestellt hat.“
Der Ortspolitiker weiter: „Vom vorhandenen Vereinsgeld ist nichts mehr da. Es wurde ausgegeben. Wofür auch immer. Inzwischen sollen sich offene Rechnungen in Höhe von circa 300.000 Euro angehäuft haben.“
Diese Verbindlichkeiten erklärt Manfred Kölly unter anderem damit, dass „die rund 50 Winzer für ihre in der Vinothek ausgestellten und dann verkauften Weine seit gut einem Jahr kein Geld bekommen haben. Zu meiner Zeit als Obmann, immerhin zwanzig Jahre lang, wurde quartalsweise oder halbjährlich abgerechnet. 35 Prozent der Verkaufssumme blieben beim Verein, der Rest ging an die Weinbauern. Das hat bestens funktioniert“, so Kölly.
Weine wurden abgeholt
„Wegen der ausgebliebenen Zahlungen haben die Winzer zwischenzeitlich und logischerweise ihre Weine abgeholt“, zeigt sich der Ortspolitiker verständnisvoll. „Der bittere Beigeschmack ist allerdings, dass in der sonst mit bunten Sortimenten heimischer Weine bestückten Vinothek keine einzige Flasche mehr zu sehen ist. Ein trostloses Bild.“
Um das mögliche Aus abzuwenden, will Kölly so rasch wie möglich einen Rettungsversuch starten und „alle vernünftigen Leute vereinen, um eine dauerhafte Lösung finden zu können.“
Auch unter Einbeziehung des amtierenden Ortschefs Andreas Kacsits (ÖVP). Allerdings nicht ohne zuvor einen Seitenhieb abzufeuern: „Das finanzielle Desaster und die drohende Insolvenz des Vereins sind auch ein Zeichen dafür, dass sich der Bürgermeister nicht darum gekümmert hat.“
Diesem Vorwurf entgegnet Bürgermeister Kacsits: „Ich bin weder Mitglied des Vereins, noch kenne ich dessen Finanzgebarung. Auch habe ich vom Thema Insolvenz, ob ja oder nein, seitens des Vorstandes noch nichts erfahren. Deshalb muss ich auf offizielle Informationen warten. Mehr kann ich aktuell nicht dazu sagen, außer, dass auch ich nicht möchte, dass der Verein und die Vinothek sterben.“
Obmann sagt nichts
Der Obmann des „Vinotheken-Vereins“ wollte weder zum Schuldenstand noch generell zur brisanten Sachlage Stellung beziehen und quittierte die KURIER-Anfragen mit: „Ich sage gar nichts.“
Auf der Homepage (gebietsvinothek.at) ist zu lesen: „Unsere Vinothek ist vorübergehend geschlossen!“
Manfred Kölly: „Hoffentlich steht dort bald ‚wieder geöffnet‘.“
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