Countdown zum Raketentest

USA und Südkorea rechnen bis spätestens Montag mit einem erneuten Raketenstart Nordkoreas.
Ein Militärfahrzeug mit Raketenwerfern und nordkoreanischer Flagge im Hintergrund.

Von Kriegsgetöse war ausnahmsweise einmal nichts zu hören. Stattdessen wurde in Nordkorea gestern gesungen und getanzt; Lieder, Aufführungen und Feste wurden vorbereitet – alles muss perfekt funktionieren, wenn kommenden Montag ganz Nordkorea verordneterweise den 101. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung feiert. Die 22 Millionen Nordkoreaner, die zu Ehren des „Ewigen Präsidenten“ mit Geschenken und zusätzlichen Lebensmittelrationen bedacht werden, sehen dem Feiertag mit Freude entgegen. Der Rest der Welt aber befürchtet: Anlässlich des Festtages für seinen Großvater könnte Diktator Kim Jong Un erneut einen Raketentest durchführen lassen.

Fünf Raketen

Südkoreanische Truppen und die knapp 30.000 US-Soldaten in Südkorea sind in erhöhter Alarmbereitschaft, Japan hat seine Raketenabwehr im Großraum Tokio in Stellung gebracht. „Von nun an jederzeit“ rechne man mit einem nordkoreanischen Raketenstart, sagte gestern Südkoreas Verteidigungsminister. Über Satellitenbilder verfolgten Geheimdienste mit, wie Nordkorea an seiner Ostküste alle Vorbereitungen für den Test abschloss.

Eine Grafik zeigt die Reichweiten nordkoreanischer Raketen, darunter Nodong, Taepodong und Musudan.
Fünf Mittelstreckenraketen vom Typ „Musudan“ stehen offenbar bereit. Ist eines der Geschosse erst einmal auf der Startrampe montiert, kann binnen 15 Minuten der Feuerbefehl erfolgen. Theoretisch könnte eine „Musudan“, die nie zuvor getestet wurde, bis zu 4000 Kilometer fliegen und damit die US-Basis auf Guam erreichen. In diesem Fall, drohten die USA, werde die Rakete abgeschossen.

Doch noch immer überwiegt in Washington die Hoffnung, dass Nordkorea seine Rakete geplanterweise in den Pazifik stürzen lassen will.

Südkorea bemüht sich unterdessen, die Kriegsrhetorik herunterzuschrauben. Die Spannungen sollten „durch Dialog gelöst werden“, appellierte ein Mitglied der Regierung an Pjöngjang. In Südkorea fürchtet man weniger einen Krieg mit dem Norden als schwere Schäden für die eigene Wirtschaft. Die ständigen Spannungen, so die Sorge, schwächen Südkoreas Chancen als Investitionsstandort.

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