Gelebte Kaffeehaus-Tradition vis-à-vis von Schönbrunn

Leserinnen und Leser wählen ihr Lieblingscafé. Auch das "Wunderer" in Penzing hat Chancen.
Ein Mann steht in einem eleganten Café mit Gästen und Kronleuchtern.

Eigentlich wollte Gerhard Weinmann 1974 nur sechs Monate im Café Wunderer kellnern. Doch daraus sind fast 40 Jahre geworden. So lange ist der ehemalige Ober nun schon Besitzer des Traditionskaffeehauses bei der Kennedybrücke.

Früher war das eine der besten Adressen: vis-a-vis von Schönbrunn in einer der nobelsten Wohngegenden Wiens. Heute donnern auf der Hadikgasse die Lkw vorbei.

Drinnen ist es trotzdem ruhig. In den hohen Räumen des geschichtsträchtigen Kaffeehauses scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. „Wir haben uns bemüht, den alten Jugendstil zu erhalten“, erklärt Weinmann. Der Großteil der Einrichtung – Wandpaneele, Tische und Garderoben – stammen noch von 1913, als das Café von Anton Wunderer eröffnet wurde. Die Gestaltung hatte er Architekt Josef Hoffmann übertragen. Im November 1938 wurde hier die Großösterreichische Freiheitsbewegung, eine konservative, katholische Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus gegründet.

"Wohnzimmer"

Reich wird man mit einem Kaffeehaus nicht, sagt Weinmann, „die Zeiten, da es bummvoll war, sind vorbei. Aber als Kaffeehausbetreiber bin ich Traditionalist.“ Das Café, in dem Rauchverbot herrscht, ist nicht nur für ihn „ein zweites Wohnzimmer“.

Hier, wo von 1971 bis ’95 Wiens ältester Billardklub seinen Sitz hatte, treffen einander heute Philatelisten oder auch passionierte Kartenspieler. Martin Vacha von der Universität Wien gibt Kurse im Tarockieren.

Kulinarisch bewegt sich Weinmann auf klassischem Terrain. „Unser Gulasch ist eines der besten von Wien“, versichert er. Davon abgesehen empfiehlt er die Waldviertler Krensuppe, Huhn in der Erdäpfelkruste sowie die Marzipan-Nougat-Roulade mit Eierlikörschaum.

Zur Abstimmung:

Wählen Sie Ihr Lieblingskaffeehaus im 1. Bezirk

Wählen Sie ihr Lieblingskaffeehaus im 2. - 9. Bezirk

Wählen Sie Ihr Lieblingskaffeehaus im 10. - 23. Bezirk

Hier geht's zur Gewinnspiel-Teilnahme

Die UNESCO erhob die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe. Um sich mit diesem Prädikat schmücken zu dürfen, müssen „echte Wiener Kaffeehäuser“ eine Reihe von Kriterien erfüllen. Dazu gehört das Glas Wasser zum Kaffee ebenso wie der Tisch, auf dem die Zeitungen liegen. Ein Ober im Smoking, Großzügigkeit im Raum, das Slow-Food-Konzept, wonach die Gäste ohne Konsumationsdruck lange sitzen bleiben können – „das alles spielt mit“, erklärt Berndt Querfeld, Obmann der Wiener Kaffeesieder.

In drei Kategorien können KURIER-Leser nun die beliebtesten Kaffeehäuser Wiens wählen: Im 1. Bezirk, im „2. bis 9. Bezirk“ sowie im „10. bis 23. Bezirk“. Teilnahmeschluss ist der 25. April. Mehr Infos unter KURIER.at/kaffeehaus

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