Israel: Unaufhaltsam in Richtung Krieg

Vermummte Männer schieben eine Metallbarriere vor einem brennenden Barrikade her.
Israel, aber auch die radikalislamische Hamas versuchen Eskalation zu bremsen – vergeblich.

Alle Zeichen stehen auf Sturm: Die Ermordung dreier entführter israelischer Jugendlicher, gefolgt vom Mord an einem jungen Palästinenser, fällt in eine Zeit mit Umbrüchen im gesamten Nahen Osten. Da heizen der Beginn des Fastenmonats Ramadan und der Sommerferien die Gemüter nur noch weiter an. So sehr, dass die Regierungen auf beiden Seiten die Gefahren erkennen, die auch sie bedrohen: Sie signalisieren Entspannung, versuchen den Hass in den Straßen abzublocken. Aber das Öl, das Sturmwogen glättet, ist ausgerechnet im Nahen Osten rar geworden.

Seit fast drei Wochen häufen sich wieder die Einschläge von Raketen, die aus dem Gazastreifen auf Südisrael abgefeuert werden. Meist ist der Schaden gering. Vier Menschen erlitten bisher Verletzungen. "Wer aber zählt den Schrecken, der bei jedem Alarm den Sirenen folgt?", fragte ein Schulrektor aus Sderot. Am Donnerstag wurde ein Ferienlager getroffen. Wie durch ein Wunder kamen auch hier die Kinder mit dem Schrecken davon. Israels Armee fährt Panzer am Stacheldraht zum Gazastreifen auf. Mit abwiegelndem Begleitton der Armeeführung: "Auf Ruhe reagieren wir mit Ruhe", teilte ein führender General mit. Der Sprecher der militanten islamistischen Hamas, Sami Abu Sughri, macht die Umkehrung des Satzes zu seinem Mantra: "Von uns geht nur Gewalt zu unserer Verteidigung aus."

Radikaler als Hamas

Tatsächlich beobachtet auch die israelische Armee, dass die große Mehrheit der Raketen nicht von Hamas-Zellen abgeschossen wird. Sie beließ es bisher bei gezielten Luftangriffen gegen Einrichtungen der Hamas, die leer standen. Es sind die neuen salafistischen Zellen, die sich auch im Gazastreifen häufen. Wie in Syrien und Irak. Sie haben keine schwere Infrastruktur, die zu bombardieren wäre. Und gerade jetzt könnte eine militärische Bodenoperation die Hamas umso schwerer treffen. Sie hat keine Verbündeten mehr, ihre Raketen-Vorräte nachzufüllen. "Es ist durchaus denkbar, die Hamas in Gaza zu stürzen", meint Ex-Geheimdienstchef Avi Dichter, "was aber kommt danach?" Das so entstehende Machtvakuum würde von den Salafisten gefüllt, sind sich fast alle Experten einig. Auch die Salafisten wollen die Zerstörung Israels.

Sie sind aber weit unberechenbarer und rücksichtsloser. Ein Blick nach Syrien genügt. Auch die zunehmende Gewalt auf den Straßen im besetzten Westjordanland und Ost-Jerusalem wird bedrohlicher. Das Begräbnis des entführten und ermordeten palästinensischen Jugendlichen sorgte am Freitag für Straßenschlachten mit der Polizei.

Hier treffen die Maßnahmen der Armee keine leeren Einrichtungen. Acht Palästinenser wurden in den letzten drei Wochen getötet. Acht allein am Freitag bei Ramallah verletzt. Militärischer Einsatz führt auch hier zu Eskalation. Israels Regierung setzt daher bisher mehr auf den Einsatz von Polizei, Geheimdiensten – und Juristen. Es geht jetzt vor allem darum, die Mörder zu finden. Der israelischen Opfer wie der palästinensischen. Das kann die Lage etwas beruhigen.

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