Wieder Kind sein auf der Gartenbaumesse

"Eine Reise in die Welt der Märchen" ist das Motto der heurigen Messe in Tulln. Da werden Kindheitserinnerungen wach, die einen vergessen lassen, dass es eng ist.

"Am Sonntag brauchst die Kamera gar nicht erst auszupacken," raunte ein Besucher seiner Begleiterin hörbar für alle ins Ohr. So so, es werden also noch mehr... Es ist Gartenbaumesse in Tulln und die zieht Menschenmassen an - und wie! Trotz sommerlicher Hitze strömen die Besucher in Scharen auf das Messegelände. Busweise kommen sie nach Tulln. Jung und Alt will die diesjährige Schau mit dem Thema "Märchen" ansprechen. Nicht nur Kinder haben ihre helle Freude an dem Motto. Auch märchenaffine Erwachsene kommen voll auf ihre Kosten. Und werden in ihre früheste Kindheit zurückversetzt, als die Gute Nacht-Geschichte noch von Mama oder Papa vorgelesen wurde und nicht über den Fernsehschirm flimmerte. Aber noch mal zurück zum Start: Man kann mit dem Besucherstrom gehen oder dagegen, wenn man eine gewisse Vorliebe dafür hegt, die Dinge von hinten herum aufzurollen. Alle anderen starten wohl in Halle 1, wo die Messe eine "Reise in die Welt der Märchen" verspricht. Und plötzlich ist man mittendrin: Bei dem schlafenden "Schneewittchen und den sieben Zwergen" nämlich. Die Freude ist groß, weil gleich auf Anhieb erkannt. War aber auch nicht schwer - die roten Zipfelmützen haben die Zwerge verraten... Da sind sie alle, die Märchen von früher: Frau Holle, Sterntaler, der Fröschkönig, Tischlein deck dich und natürlich Hänsel und Gretel. Und überall Blumen und Blüten soweit das Auge reicht. Es macht Spaß, die Märchen und Geschichten anhand der aufgebauten Kulissen zu erraten. Zugegeben, alle sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wie dieser in weiß gehaltene Raum. Es handelt sich nicht um Hans Christian Andersens "Schneekönigin", sondern um den Speisesaal in Hogwarts, der Zauberschule, die Harry Potter besucht. 

Aber halt: Harry Potter ein Märchen? Naja. Die kleinen Besuchern wird's freuen. Für solch sagen wir mal knifflige Fälle gibt es Schautafeln, auf denen die Erzählungen nachgelesen werden können. Das kann schon mal ganz hilfreich sein. So wie hier: Hübsch, dieses Blumenkleid. Das wäre doch mal was für Lady Gaga... Welches Märchen es darstellt? "Des Kaisers neue Kleider". Süß ist die Umsetzung von der Villa Kunterbunt: bunte Zuckerl und Wollfäden mischen sich unter die Blumen. Und plötzlich ist da dieses unbedändige Verlangen nach etwas Süßem... Es ist nicht weit bis zur nächsten Jausenstation. Von denen gibt es genug und sie sind alle gut besucht. Und dass schon in den frühen Vormittagsstunden. Grillwürstel und Schweinsbraten schmecken halt immer. Dabei wird in den Schauen ganz besonders auf die wertvollen landwirtschaftlichen Produkte Österreichs hingewiesen. Unter dem Motto "Schlaraffenland" wird das heimische Gemüse richtig appetitlich präsentiert. Wer bei all dem Grünzeug gleich mal Gusto auf was Gesundes kriegt, sollte bei den Bäuerinnen in Halle 4 vorbeischauen. Hier wird mit frischen Produkten im Wok gekocht. Klingt lecker und schaut auch so aus. Fraglich nur, warum es im Messerestaurant nicht mehr davon gibt, wenn so explizit auf die heimischen Produkte hingewiesen wird. Das ist aber eigentlich auch schon das einzige Manko, das auffällt. Sonst gibt es halt Blumen, wohin das Auge reicht. Hauptsächlich Rosen in sämtlichen Farben und Formen, die aber immer anders aussehen. Denn das Besondere liegt in den Details: In den Bouquets werden Rosen mit Kohl ... ... oder Kiwis arrangiert. Ja, warum denn eigentlich nicht? Es sieht doch wirklich hübsch aus. Und genau das ist der Punkt, wo man wirklich viel von der Messe mitnehmen kann. Kopieren ist die Devise: Denn hier haben Floristen, die ihr Handwerk verstehen, schöne Kreationen geschaffen, von denen man die ein oder andere Idee abschauen kann. Apropos abschauen: Die besten Anregungen für die heimischen Gartengestaltung lassen sich sowieso in den angrenzenden Schaugärten finden. Wer noch kein Gartenbesitzer ist, wünscht sich einen. Am besten einen sehr großen, damit sich vieles verwirklichen lässt... Außerdem lässt es sich wunderbar verweilen in den Schaugärten. Man hat das Gefühl, so richtig mitten in der Natur zu sein - weit weg von den Menschenmassen und der Stadt. Fazit: Die Gartenbaumesse in Tulln ist wirklich gut. Man hat das Gefühl, sich über alles was das Gärtnerherz begehrt, ausführlich informieren und beraten lassen zu können. Ob man es nun macht oder nicht, die Möglichkeiten sind auf alle Fälle zahlreich gegeben. Und wem die Menschenmassen in den Hallen zuviel werden, der zieht sich einfach in die Schaugärten zurück. Das Gelände ist weitläufig genug, um mal in Ruhe ein wenig vor sich hin zu dösen.
(KURIER.at) Erstellt am
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