Verfilzt und zugenäht: Alles aus Filz

Kerstin Bennier verarbeitet Wolle nach alter Tradition. Daraus gestaltet sie innovative Kunstobjekte und Accessoires zum Wohnen.

Ob als Sitzkissen , Wand- oder Bodenbelag: Filz ist ein Material, das vielfältig einsetzbar ist. Kerstin Bennier hat den Stoff, der bereits viele Tausend Jahre alt ist, für sich entdeckt. Aus dem weichen Gewebe gestaltet sie Kunstobjekte und Wohn-Accessoires: von Kerzenhaltern über Laptop-Taschen bis hin zu Teppichen. IMMO hat die Designerin zum Interview getroffen und mit ihr über eine der ältesten handwerklichen Techniken gesprochen. KURIER: Zu Beginn Ihrer beruflichen Laufbahn haben Sie für Theater Kostüme genäht und Bühnen gebaut. Warum haben Sie sich nun auf Filzdesign spezialisiert?

Kerstin Bennier: Ich wollte in meiner Freizeit gerne mehr mit den Händen arbeiten, als Ausgleich zur Tätigkeit am Theater. Mir war wichtig, mit Material zu hantieren und zu spüren, wie eine Idee Formen annimmt. So habe ich begonnen, mich intensiver mit Wolle und all den Gestaltungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Mein eigentlicher Lehrberuf ist ein altes Handwerk, ich bin Kunststickerin. So gesehen habe ich immer schon mit Textilien zu tun gehabt. In den 1980er-Jahren erlebte Filz im Zuge der Öko-Bewegung seine Blütezeit. Was begeistert Sie an diesem Erzeugnis?

Dass es unterschiedlich einsetzbar und verarbeitbar ist.
Man kann sowohl zwei- als auch dreidimensionale Produkte schaffen. Es ist möglich, mit der Fläche zu spielen oder Stoffe zu erzeugen, und daraus etwas zu nähen. Gegenstände können auch ohne sichtbare Naht gestaltet werden. In den Anwendungen und Möglichkeiten gibt es kaum Grenzen. Welche besonderen Qualitäten hat die Stoffart und wie kann diese im Wohnbereich eingesetzt werden?

Für Accessoires wird es vor allem als dekoratives Element eingesetzt – etwa für Möbelstoffe, Wandgestaltungen oder Teppiche. Die Materie an sich ist sehr robust und nicht so schnell anfällig für Schmutz. Kleine Gegenstände wie Sitzpolster oder Decken lassen sich mit jeder handelsüblichen Waschmaschine im Wollwaschprogramm waschen. Da es sich um ein reines Wollprodukt handelt, verhält es sich ähnlich zu einem Pullover: Im Laufe der Zeit kommt es an Stellen, die stark beansprucht werden, zu einer Fusselbildung. Wer diesen Nebeneffekt nicht mag, dem empfehle ich Industriefilz. Dieser lässt sich zwar nicht waschen, aber aufgrund der maschinellen Erzeugung weist er mehr Dichte auf und braucht länger für besagten Nebeneffekt. Sie entwerfen Wohngegenstände und Kunstobjekte. Haben Sie eine Vorliebe?

Das ist unterschiedlich. Ich beschäftige mich sehr gerne mit Kunstprojekten – was das Filzen betrifft ist dort mein Herz zu Hause. Für den Wohnbereich sind bis jetzt hauptsächlich Accessoires entstanden, wie etwa Vasen,
Teelichtobjekte, Zierpolster und Sitzkissen. Für Designer und Architekten gestalte ich Stoffe in Meterware, die in Folge der eigenen Weiterverarbeitung dienen. Filzen ist eine der ältesten Techniken, um Wollfasern zu einer textilen Fläche zu bringen. Welche Rolle spielt Tradition für Ihre Arbeit?

Ich beschäftige mich immer wieder damit, welche Techniken und Einsatzgebiete der Endprodukte es gibt. Anhand von umfangreichen Recherchen versuche ich herauszufinden, wie in den Ursprungsorten des Filzens gearbeitet wurde und wird. Mich interessieren alte, ins Vergessen geratene, textile Techniken. Ich würde die Arbeitsweisen gerne alle kennenlernen und verstehen, um sie weiterzuentwickeln und untereinander zu kombinieren. Wodurch schöpfen Sie Inspiration für Ihre Entwürfe?

Durch Gespräche mit Freunden und lieben Menschen oder Beobachtungen. Manchmal auch aufgrund von Fehlern, die beim Experimentieren passieren. Oder während der Arbeitsschritte, welche manchmal sehr zeitaufwendig und eher monoton sind. Da hat man viel Zeit, um die Gedanken schweifen zu lassen und neue Ideen auszuspinnen. 

http://bennier.net
(KURIER) Erstellt am
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