Samba-Architekt: Oscar Niemeyer wird 104

Brasiliens berühmtester Architekt feiert Geburtstag. Über 600 Gebäude hat Niemeyer schon entworfen.

Einer der schaffensreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts feiert Geburtstag: Oscar Niemeyer wird 104. Insgesamt hat er mehr als 600 Gebäude entworfen, die erbaut worden sind. Der Mann, der die geschwungenen Kurven liebt, wurde am 15. Dezember 1907 als eines von sechs Kindern eines deutschstämmigen Kaufmanns in Rio geboren. Als Architekt hat Niemeyer Weltruf. Viele seiner spektakulärsten Bauten stehen in Brasilien. Bekannt sind vor allem die futuristischen Gebäude Brasílias.

Im Bild: Brasilianisches National Museum in Brasilia. Er entwarf aber auch in Spanien ... 

Im Bild: Aussichtsturm (rechts) und das Auditorium des internationalen Oscar-Niemeyer-Kulturzentrum in Aviles, Nordspanien. Es ist das einzige Werk Niemeyers in Spanien und wurde im Sommer 2010 fertiggestellt. Nach nur neun Monaten wurde Zentrum 2011 wieder zugesperrt. ... in Italien (das Auditorium Ravello, das wie eine Muschel an der Klippe des Küstenortes hängt), Frankreich, Israel und vielen anderen Ländern rund um die Erde. In einem Interview sagt Niemeyer einmal, dass seine Inspiration vom Körper der brasilianischen Frau stammt. Alle seine Werke haben eines gemeinsam: Kuppeln, Kurven und weitläufige Linien. Nach dem Architektur-Studium begann durch die Zusammenarbeit mit seinen Vorbildern Lucio Costa und Le Corbusier der Aufstieg. 

Im Bild: Engelstatuen in Brasilia`s Kathedrale, entworfen von  Oscar Niemeyer. Nachdem er 1943 mit dem Bildungs- und Gesundheitsministerium in Rio internationales Renommee erlangt hatte, war er 1947 prägend am Entwurf des UN-Gebäudes in New York (im Bild) am East River beteiligt. In Deutschland baute er ein Wohnhaus für das Hansaviertel in Berlin (1957). Während der Militärdiktatur (1964- 1985) wurde Niemeyer in Brasilien verfolgt und mit einem Arbeitsverbot belegt.

Im Bild: Archivaufnahme vom Bau der Cathedrale in Brasilia im Jahr 1959. Die meisten seiner Werke sind vom großzügigen Umgang mit Räumen und Flächen geprägt. Stets kommt sich der Betrachter klein vor.

Im Bild: Archivaufnahme vom Bau des Nationalkongress in Brasilia im Jahr 1957. Eine zentrale Botschaft Niemeyers lautet: "Den Menschen überraschen." Vor allem die Ärmeren sollten staunend vor den Werken stehen und so in Genuss von Architekturfreuden kommen. "Die Rolle des Architekten ist es, für eine bessere Welt zu kämpfen, in der wir eine Architektur entwickeln können, die allen dient und nicht nur einer Gruppe von Privilegierten", sagte er kürzlich der britischen Kunstzeitung The Art Newspaper.

Im Bild: Außenansicht des Alvorada Palastes in Brasilia. Trotz seines hohen Alters ist Niemeyer umtriebig. Er zeichnet und entwirft und erfindet sich immer neu. Vor kurzem ist er unter die Samba-Komponisten gegangen. Der Song heißt "Tranquilo com a vida" (In Frieden mit dem Leben), den Niemeyer aus Langeweile geschrieben hatte, als er nach einer Gallenblasen-Operation in Rio das Krankenbett hüten musste. Die Arbeit war und ist für den 104-Jährigen Lebenselixier. Auch heute ist Niemeyer fast täglich in seinem Büro an Rios Copacabana anzutreffen, und daran will er nichts ändern, wie er jetzt kundtat: "Ich sage immer, ich bin 60 und bin froh, dass ich alles tun kann, was ich in diesem Alter gewohnt war zu tun. Arbeit hält mich beschäftigt. In meinem Alter ist es besser, beschäftigt zu sein, und nicht soviel Zeit damit zu verbringen, über Nichtigkeiten nachzudenken."
(kurier) Erstellt am
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