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Wissen Wissenschaft
12/09/2021

Wie stehen die Chancen auf weiße Weihnachten?

Der aktuell starke Schneefall lässt Hoffnungen aufkommen. Wie realistisch sie sind und was die Statistik sagt.

Der Wunsch nach weißen Weihnachten ist bei vielen stark verankert, das zeigt sich auch in den Erinnerungen an "früher". Nicht immer stimmt die menschliche Erinnerung mit den klimatologischen Daten überein – im Fall von Weihnachten allerdings schon. Früher gab es tatsächlich öfter Neuschnee zu Weihnachten.

"Zum Beispiel ist in den Landeshauptstädten von der Klimaperiode 1961 bis 1990 zur Klimaperiode 1991 bis 2020 die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten um 30 bis 60 Prozent zurückgegangen", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), "ganz grob lässt sich für die tiefen Lagen Österreichs sagen: Die Chance auf weiße Weihnachten hat sich in den letzten Jahrzehnten halbiert."

Eine geschlossene Schneedecke zu den Weihnachtsfeiertagen ist in allen Landeshauptstädten laut ZAMG mittlerweile die Ausnahme. Für die letzten 30 Jahre gilt: Statistisch gesehen gibt es in Wien, Eisenstadt, St. Pölten und Linz nur alle vier bis sechs Jahre zu Weihnachten eine geschlossene Schneedecke.

Bregenz, Graz und Klagenfurt sind durchschnittlich jedes dritte Jahr weiß. Am besten stehen die Chancen in Innsbruck und Salzburg, hier liegt zu Weihnachten statistisch gesehen alle zwei bis drei Jahre Schnee.

Neuschnee nur selten

Die Chance darauf, dass es zu den Weihnachtsfeiertagen schneit, ist noch geringer: "Neuschnee am 24., 25. oder 26. Dezember kam in den letzten 30 Jahren statistisch gesehen in Wien, St. Pölten und Eisenstadt nur alle 10 bis 15 Jahre vor, in Graz, Klagenfurt, Linz und Bregenz alle 6 bis 8 Jahre und in Salzburg und Innsbruck alle 3 bis 4 Jahre", sagt ZAMG-Klimatologe Orlik.

In den vergangenen 30 Jahren ist Weihnachten laut ZAMG fast sprunghaft grüner geworden. Während es in den 1990er Jahren noch einigermaßen regelmäßig auch in den tiefen Lagen weiße Weihnachten gab, fallen sie seit den sehr milden 2000er Jahren fast durchgehend aus.

Die meisten Landeshauptstädte verzeichnen mittlerweile die jeweils längste Serie an grünen Weihnachten, also Weihnachten ohne Schnee am 24., 25. oder 26. Dezember: So erlebt St. Pölten seit 2008 durchgehend grüne Weihnachten. In Bregenz, Linz, Graz, Klagenfurt gab es seit 2011 keinen Schnee zu Weihnachten. In Wien und Eisenstadt brachte zuletzt 2012 eine dünne weihnachtliche Schneedecke. Salzburg erlebte am 26.12.2014 Schnee zu Weihnachten und Innsbruck am 26. Dezember 2020.

Ursache dafür ist laut Klimatologen einerseits eine Serie kalter Dezember in den 1960er-Jahren, was sich auf die Statistik stark auswirke. Von 1961 bis 1965 zum Beispiel war Österreich zu Weihnachten fast jedes Jahr flächendeckend weiß. Andererseits sei der wenige Schnee zu Weihnachten aber auch eine Folge der Klimaerwärmung.

"Der Dezember ist in Österreich seit den 1950er-Jahren um 1,0 bis 1,5 °C wärmer geworden. Das wirkt sich auf die Schneelage zu Weihnachten aus, weil es in tiefen Lagen öfter regnet als schneit beziehungsweise gefallener Schnee schneller wieder schmilzt."

Weihnachtliche Rekorde

Schneerekorde zur Weihnachtszeit liegen lange zurück. Den Weihnachtsrekord aller Landeshauptstädte hält die Wetterstation Innsbruck-Flughafen mit 96 Zentimeter Schnee am 24. Dezember 1962. Auch die Kälterekorde liegen weit zurück.

In der österreichweiten Auswertung aller ZAMG-Wetterstationen unter 1400 Meter Seehöhe ist der Kälterekord -29,0 Grad in Tamsweg (S) in der Nacht auf 26.12.1944. Extrem war auch 1962. Damals lag die Höchst(!)temperatur am 25. Dezember in Vils (Tirol, Bezirk Reutte) bei -19,8 °C.

Die Wärmerekorde stammen wegen der Erderwärmung fast durchwegs aus der jüngeren Vergangenheit. Den weihnachtlichen Wärmerekord hält für ganz Österreich die Wetterstation Salzburg-Flughafen mit 19,1 °C am 25. Dezember 2013.

Und heuer?

Detaillierte Prognosen sind derzeit für die Feiertag noch nicht möglich, erst ab Mitte Dezember kann dies vorhergesagt werden – immer besser, je näher Weihnachten rückt.

Ziemlich sicher ist laut ZAMG aber, dass uns in der kommenden Woche eine sehr milde Wetterphase erwartet. In Regionen, wo schon jetzt relativ viel Schnee liegt, wird zumindest ein Teil davon die milde Witterung überstehen. Das gilt generell für Regionen im Bergland ab etwa 800 Meter Seehöhe, aber auch für etwas tiefere Lagen in Teilen von Kärnten und Osttirol.

Ein wenig Hoffnung besteht aber noch für ganz Österreich, dass nach der milden nächsten Woche die übernächste Woche vielleicht rechtzeitig zu Weihnachten doch wieder kälteres Wetter bringt.

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