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Wissen Wissenschaft
10/23/2020

Todesfalle Geisternetze: Eine Million Tonnen landen pro Jahr im Meer

Laut WWF-Report besteht ein Drittel des Meeresmülls aus verwaister Fischereiausrüstung.

Laut einem neuen WWF-Report landen pro Jahr bis zu einer Million Tonnen verlorener oder zurückgelassener Fischereinetze, Geisternetze genannt, in den Weltmeeren. Mindestens ein Drittel des gesamten Meeresmülls besteht demnach aus alter Fischereiausrüstung - laut der NGO die tödlichste Form von Plastikmüll in Ozeanen. "Geisternetze sind eine unterschätzte und unsichtbare Todesfalle. Sie brauchen Jahrzehnte bis zur vollständigen Zersetzung, warnte WWF-Meeresbiologe Axel Hein.

Wale, Delfine, Robben, Schildkröten oder Seevögel: All diese Tiere verfangen sich darin oder verwechseln Teile davon mit Nahrung. Beides führt zum langsamen und qualvollen Tod, schildert Hein die potenzielle Bedrohung in einer Aussendung. Der WWF fordert deswegen ein globales UN-Abkommen, das den Eintrag von Plastikmüll in die Meere wie die unsachgemäße Entsorgung von Fischereiausrüstung bis 2030 beendet. Denn während Plastikmüll in den Meeren zunehmend als globales Problem erkannt wird, erhalten Geisternetze erst langsam die dringend notwendige Aufmerksamkeit der Weltpolitik.

Im mexikanischen Golf von Kalifornien sind illegale und zurückgelassene Stellnetze laut der Umweltschutzorganisation hauptverantwortlich dafür, dass der Vaquita-Schweinswal kurz vor der Ausrottung steht. Die verbliebene Population wird auf nur noch zehn Individuen geschätzt. "Geisternetze zerstören auch wertvolle Lebensräume vieler Arten. Sie schädigen Korallenriffe und die marine Vegetation, führen zu Sedimentablagerungen und blockieren den Zugang zu wichtigen Habitaten wie zum Beispiel Laichplätzen", sagte Hein.

Plädoyer für UN-Abkommen

Der WWF Österreich appelliert an die Bundesregierung, sich auf allen diplomatischen Ebenen für ein weltweit verbindliches UN-Abkommen gegen den Eintrag von Plastikmüll in die Meere einzusetzen. Der Kampf gegen Geisternetze als tödlichste Form der Plastikverschmutzung muss in dem Pakt eine zentrale Rolle einnehmen. Die Umweltschutzorganisation nimmt neben der Politik auch die Fischereiwirtschaft in die Pflicht. "90 Prozent der durch Geisternetze getöteten Arten sind von kommerziellem Nutzen. Es liegt im Eigeninteresse der Fischereiwirtschaft, das selbst verursachte Problem schnellstmöglich in den Griff zu bekommen", betonte der WWF-Experte.

Der WWF setzt sich seit Jahren für ein umfassendes Abkommen gegen die Plastikflut ein. Die entsprechende WWF-Petition wurde bisher von fast zwei Millionen Menschen unterzeichnet und kann online unterstützt werden: www.wwf.at/plastikflut-petition

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