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Physiknobelpreis 2021: Und die Gewinner sind ...

Der heurige Physiknobelpreis geht an die drei Klimamodellierer Syukuro Manabe, Klaus Hasselmann und Giorgio Parisi.

10/05/2021, 11:54 AM

Um 11.49 war es soweit: Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab bekannt, wer die renommierte Auszeichnung in der Kategorie Physik in diesem Jahr erhĂ€lt. Auf die Astrophysiker Reinhard Genzel, Andrea Ghez und Roger Penrose (Erforschung von Schwarzen Löchern) 2020 folgten heuer der japanische Klimaforscher Syukuro Manabe und sein deutscher Kollege Klaus Hasselmann sowie der Italiener Giorgio Parisi fĂŒr physikalische Modelle zum Erdklima als Physik-NobelpreistrĂ€ger.

Alle drei Forscher haben sich mit der Simulation des Klimas und komplexer Systeme auseinandergesetzt. Der Preis geht zur HĂ€lfte an den Deutschen Hasselmann (89) und den US-Japaner Manabe (90). Die andere HĂ€lfte der Auszeichnung geht an den Italiener Parisi (73) von der Sapienza UnversitĂ€t in Rom. Die Wissenschafter werden fĂŒr ihre „bahnbrechenden BeitrĂ€ge zum VerstĂ€ndnis komplexer physikalischer Systeme“ ausgezeichnet, heißt es seitens des Nobelpreis-Komitees.

Wie im Vorjahr sind die Nobelpreise mit zehn Millionen schwedischen Kronen (etwa 985.000 Euro) pro Kategorie dotiert.

Physik-NobelpreistrĂ€ger Giorgio Parisi hĂ€lt den Kampf gegen die Klimakrise wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz COP26 fĂŒr Ă€ußerst dringend. „Es ist klar, dass wir fĂŒr kĂŒnftige Generationen jetzt sehr schnell handeln mĂŒssen“, sagte der Italiener nach der Bekanntgabe der diesjĂ€hrigen PreistrĂ€ger in der Kategorie Physik in der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften Reportern. Es sei sehr dringend, dass klare und sehr kraftvolle Entscheidungen getroffen wĂŒrden.

Thors Hans Hansson vom zustĂ€ndigen Nobelkomitee sagte, diejenigen EntscheidungstrĂ€ger in der Welt, die die Botschaft des Klimawandels immer noch nicht begriffen hĂ€tten, wĂŒrden dies vermutlich auch in Zukunft nicht tun. Der GeneralsekretĂ€r der Akademie, Göran Hansson, ergĂ€nzte, der Kampf gegen den Klimawandel basiere auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Weiter sagte Parisi, er sei „sehr froh“ ĂŒber die Auszeichnung. „Das habe ich nicht wirklich erwartet“, sagte er. „Ich habe keinen Anruf erwartet.“ Wie er den Nobelpreis feiere, wisse er noch nicht.

Zwei Mal

Insgesamt haben bisher 218 PreistrĂ€gerinnen und PreistrĂ€ger die Auszeichnung in der Kategorie Physik erhalten, der US-Forscher John Bardeen dabei gleich zweimal. Der erste von ihnen ist der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen gewesen, der den Preis 1901 fĂŒr die Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen erhalten hatte.

Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die erste Auszeichnung erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen fĂŒr die Entdeckung der „X-Strahlen“, der spĂ€ter nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Die PreistrĂ€ger der vergangenen zehn Jahre waren:

  • 2020: Der deutsche Physiker Reinhard Genzel und Andrea Ghez (USA), die das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckten. Zudem wurde der Brite Roger Penrose geehrt, der erkannte, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine Vorhersage der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie ist.
  • 2019: Der kanadisch-amerikanische Kosmologe James Peebles fĂŒr Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums sowie die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz. Sie entdeckten den ersten Exoplaneten, der um einen sonnenĂ€hnlichen Stern kreist.
  • 2018: Die Laserphysiker Arthur Ashkin (USA), GĂ©rard Mourou (Frankreich) und Donna Strickland (Kanada) fĂŒr die Entwicklung prĂ€ziser Werkzeuge aus Licht.
  • 2017: Die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne fĂŒr den direkten Nachweis von Gravitationswellen. Albert Einstein hatte das PhĂ€nomen bereits vorhergesagt.
  • 2016: Die gebĂŒrtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz. Sie haben exotische ZustĂ€nde beschrieben, die eine Relevanz fĂŒr Quantencomputer und neue Materialien haben könnten.
  • 2015: Der Japaner Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur McDonald. Sie hatten nachgewiesen, dass Neutrinos eine Masse besitzen. Die winzigen neutralen Elementarteilchen durchströmen das All und selbst Mauern.
  • 2014: Die gebĂŒrtigen Japaner Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura fĂŒr die Erfindung hocheffizienter Lichtquellen. Die blau leuchtenden Dioden ermöglichen helle und energiesparende LEDs.
  • 2013: Der Belgier François Englert und der Brite Peter Higgs fĂŒr die Vorhersage des Higgs-Teilchens.
  • 2012: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA fĂŒr Fallen, mit denen sich geladene Teilchen (Ionen) und Licht (Photonen) einfangen lassen. Sie schufen damit Grundlagen fĂŒr genauere Uhren und grundsĂ€tzlich neue Computer.
  • 2011: Saul Perlmutter, Adam G. Riess (beide USA) und Brian P. Schmidt (USA und Australien) fĂŒr die Beobachtung, dass sich das All derzeit immer schneller ausdehnt.

HĂ€ufig gehen der Preis in Physik und die weiteren wissenschaftlichen Auszeichnungen an zwei oder drei Wissenschaftler gleichzeitig, die entweder gemeinsam oder zum selben Fachgebiet geforscht haben. Schon am Montag war David Julius (USA) und dem im Libanon geborenen Ardem Patapoutian der Nobelpreis fĂŒr Physiologie oder Medizin zugesprochen worden. Die beiden haben Zellrezeptoren entdeckt, ĂŒber die Menschen Temperaturen und BerĂŒhrungen wahrnehmen.

Weitere Preise

Verliehen werden die prestigetrĂ€chtigen Nobelmedaillen und Diplome traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896). Wer dann gemeinsam mit den Ausgezeichneten in Medizin und in Physik geehrt wird, entscheidet sich in den nĂ€chsten Tagen: Am Mittwoch werden die PreistrĂ€ger in Chemie ebenfalls von der Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften verkĂŒndet, am Donnerstag folgt in der Schwedischen Akademie die Bekanntgabe des LiteraturnobelpreistrĂ€gers. Am Freitag ist dann in Oslo der Friedensnobelpreis dran, am nĂ€chsten Montag wiederum in Stockholm der Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften, der als einziger nicht auf Nobels Testament zurĂŒckgeht.

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