Nachbildung eines älteren Neandertalers im Neanderthal-Museum in Mettmann (Nordrhein-Westfalen).

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Wissen Wissenschaft
01/16/2020

Einige Neandertaler waren echte Wasserratten

Im Mittelmeer tauchten sie auf der Suche nach Muscheln zwei bis vier Meter tief. Zumindest vermuten das Forscher.

Neandertaler im Schwimm-Short? Eine kuriose Vorstellung, die sich wohl eher nicht wird beweisen lassen. Was jetzt aber gesichert ist: Einige Neandertaler haben im Mittelmeer nach Muschel-Schalen getaucht. Diese waren bei unseren Cousins als Schneidewerkzeuge begehrt. Darauf deuten jedenfalls neue Untersuchungen von Paola Villader und Kollegen von der Universität Colorado in den USA hin. Sie haben ihre Erkenntnisse im Wissenschaftsmagazin  Plos one veröffentlicht.

Die Forscher haben 170 Schalen aus der Neandertaler-Zeit untersucht, die 1949 in einer Höhle nahe eines Strands in Mittelitalien gefunden worden waren. Die US-Forscher entdeckten, dass fast drei Viertel der Muschel-Werkzeuge undurchsichtige und leicht abgeschliffene Außenseiten hatten. Das Team geht davon aus, dass sie vom Strand stammen, wo sie im Laufe der Zeit vom Sand abgeschliffen wurden.

Die restlichen Muscheln der gleichen Art hatten dagegen glänzende, glatte Außenseiten und waren minimal größer. Diese - glauben die Wissenschafter - haben die Neandertaler lebend aus dem Meer geholt. Ihre weitere Schlussfolgerung: Neandertaler konnten zwei bis vier Meter tief tauchen - ganz ohne technisches Equipment.

Eine frühere Studie hatte knöcherne Wucherungen an den Ohren einiger Neandertaler-Skelette festgestellt. Das gibt es auch heute noch bei Menschen, die öfter Wassersport machen und wird "Schwimmerohr" genannt.