Die Lust auf Wissenschaft entfachen
Da bleibt einem glatt die Luft weg. Und das liegt nicht nur am dynamischen Schritt, den Christopher Lindinger vorlegt, als er durch die erstaunliche Alte Aula führt. Einst Teil des akademischen Jesuitenkollegs, später Hauptgebäude der alten Universität Wien, beeindrucken die Dimensionen und Schönheiten des Hauses aus dem 15. Jh. zwischen Wollzeile und Bäckerstraße: das Foyer im Erdgeschoß mit Säulen und Rundbögen; ähnlich schön die Galerie im ersten Stock; der riesige Jesuitensaal im Obergeschoß, einst Wiens ältester Theatersaal (1654) mit dem imposanten Deckengemälde des schwäbischen Malers Anton Hertzog. Man staunt und fragt sich inmitten von Baugerüsten, herumwieselnden Arbeitern, einer Geräuschkulisse durch Maschinen und einem Restaurator, der in luftiger Höhe das Deckengemälde im Jesuitensaal saniert: „Was passiert denn hier gerade?“
Auch der imposante Jesuitensaal, einst Wiens ältester Theatersaal (1654), wird in das neue "Q" einbezogen.
Christopher Lindinger lächelt. Er liebt Fragen. Sind sie doch das Leitmotiv des Projekts, das derzeit in der Alten Aula Gestalt annimmt. „Hier entsteht bis 2027 auf gut 4.000 m2 Österreichs größtes Science Communication Center. Es wird ,Q. Dein Raum für Wissenschaft’ heißen. Q steht für Question, also für Frage, für Neugier und damit für den Beginn jeder Erkenntnis“, sagt Lindinger. Er ist Gründungsdirektor des neuen Hauses, das die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Universität Wien und die Technische Universität Wien gemeinsam ins Leben gerufen haben. Das kann man als historisch bezeichnen, denn eine Zusammenarbeit in dieser Art hat es noch nie gegeben. So wie das „Q“.
Christopher Lindinger erweckt das "Q" zum Leben. Sein Konzept: Die Lebensrealität in Bezug zur Wissenschaft setzen.
„Der Grundgedanke von Q ist, eine Brücke zum aktuellen Wissenschaftsgeschehen zu schlagen.“
Prof. Christopher Lindinger, Direktor Austria Science Communication Center
Für jeden relevant
Im „Q“ werden Räume geschaffen, in denen Wissenschaft und Gesellschaft in Dialog treten – auf verständliche Weise und mit praktischen Bezügen zum Hier und Heute. Das ist die Basis. „Wir schlagen eine Brücke zwischen Alltag und Theorie, indem wir u. a. Kindern und jungen Erwachsenen zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnis die Lebensrealität jedes Einzelnen beeinflusst. Das ist der Schlüssel, damit sich Menschen überhaupt für Wissenschaft interessieren“, sagt Christopher Lindinger. Das Alltägliche als Einstieg in komplexere Bereiche und folglich in das aktuelle Wissenschaftsgeschehen. Ein Anspruch, der sich im „Q“ in einer kreativen und modernen Gestaltung zeigen wird.
Das „Q“ wird mit einer kreativen und modernen Gestaltung neugierig auf Wissenschaft machen.
„Das Q wird zum ,place to be’ für alle, die Wissenschaft offen und im Dialog erleben wollen.“
Jens Schneider, Rektor TU Wien
Neben „Scientific Literacy“, also der Vermittlung, wie wissenschaftliche Prozesse und Methoden funktionieren, werden in einem weiteren Bereich, wie erwähnt, Forschungsfragen mit Alltagsbezug aufgegriffen. Nicht steril und anonym, sondern lebendig im direkten Gespräch mit Wissenschaftler*innen vor Ort. Ergänzend dazu geben wechselnde Präsentationen zu wissenschaftlichen Visionen und Exzellenzen Einblick in die österreichische Spitzenforschung. „Ein weiteres Highlight ist unser LED-Cave. In diesem immersiven Raum können Besucher und Besucherinnen mittels 3D-Technologie in wissenschaftliche Welten – von der Soziologie bis zur Quantenphysik – eintauchen. Das ist quasi unser Fernrohr in die Welt der Visualisierungen“, macht Lindinger neugierig auf das neue „Q“ – zweifellos ein Quantensprung moderner Wissenschaftsvermittlung.
„Q wie Question verweist auf den Beginn jedes wissenschaftlichen Prozesses, nämlich die neugierige Frage. Die Antwort diskutieren wir – im Q.“
Heinz Faßmann, Präsident ÖAW
Das "Q" wird von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien und der Technische Universität Wien gemeinsam ins Leben gerufen.
„Q ist das ideale Forum, um Kinder und junge Erwachsene früh an Wissenschaft heranzuführen und so die Begeisterung dafür zu wecken.“
Sebastian Schütze, Rektor der Universität Wien
Die alte Universität zwischen Bäckerstraße und Wollzeile in der Wiener Innenstadt gehen auf das Jahr 1425 zurück. Das Gebäude war dazumal von beiden Seiten zugänglich. Salopp gesagt, „es war einmal ein Durchhaus“, erläutert Christopher Lindinger den neuen Raum für Wissenschaft, der künftig kurz und prägnant „Q“ heißen wird. Umgebaut werden die denkmalgeschützten Räume soeben nach Plänen der Architekten Mohr Niklas. „Dabei greifen wir auch den Gedanken des Durchhauses auf und öffnen das Haus wieder zwischen Wollzeile und Bäckerstraße“, sagt Lindinger. Dadurch entsteht zwischen den beiden Straßenzügen eine neue Flaniermeile. Der Durchweg wird darüber hinaus alle drei Orte der Wissenschaft und Forschung im alten Universitätsgrätzl – das Q, den Campus der Akademie der Österreichischen Wissenschaften und die Otto Wagner Postsparkasse – fußläufig verbinden. Und bestenfalls auch „Leute von der Straße“ ins Haus bringen. „Das Q will ein sozialer Ort sein, der allen offen steht“, so Lindinger.
Abgesehen davon will man das „Q“ allen Wissenshungrigen auch mit einem entsprechenden Gastronomiekonzept schmackhaft machen. Christopher Lindinger: „Es wird ein Bistro geben, das, so viel sei verraten, ebenfalls Wissenschaftsbezüge zum Thema Kochen und Genießen herstellt.“
Ein weiterer Bereich wird als konsumfreier Raum zum Sitzen, Plaudern, Diskutieren, auch für kleine Events, zur Verfügung stehen. Der Vorplatz zur Alten Aula an der Wollzeile wird ebenfalls neu und einladend gestaltet. Die Fertigstellung dieses neuen, lebendigen Ortes des Wissenschaftsdialogs ist für 2027 geplant. qscience.space
Die historischen Räumen der ehemaligen, alten Universität werden derzeit behutsam adaptiert.
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