Gastkommentar: Informatik als das Latein von heute?

Hannes Werthner war Professor an der TU Wien und ist eine Schlüsselfigur beim Digitalen Humanismus.
46-224112289

Der Ägyptologe Antonio Loprieno prägte den Satz „Informatik ist das Latein von heute“. Damit rückt die Frage „KI oder Latein“ in ein neues Licht: Es geht nicht um eine Stundenaufteilung, sondern um Ausbildung generell. Informatik und KI zeigen, dass Lernen nie abgeschlossen ist.

Auch wenn die aktuelle KI-Entwicklung wie eine Finanzblase platzen könnte, bleibt die Technologie bestehen. KI ist dabei als Simulation, als teilweise Automatisierung des Denkens zu verstehen. Sie ist eine weitere Errungenschaft der Informatik und wird – wie diese – zu einer weiteren Beschleunigung der Welt beitragen.

Die Debatte sollte sich weniger um die oft zitierte „Allgemeine künstliche Intelligenz“ drehen. Die Frage ist: Wer entwickelt und kontrolliert diese Systeme und wessen Interessen sind dabei vertreten? Wir können KI auch sinnvoll nutzen – es gibt keinen technischen oder ökonomischen Determinismus, im Gegenteil: Man kann Technik gestalten, wir Menschen sind die Entwickler*innen. Und: Wir Menschen müssen überprüfen, ob die Ergebnisse des KI-Systems richtig sind. Genau hier wird Bildung zur Notwendigkeit. Es gibt kein „KI gegen Latein“. Wir brauchen beides. Doch auch die Schule muss sich verändern und auf mehr Diskussion und Reflexion setzen.

Eine Frau mit Brille arbeitet an einem Computer mit Diagrammen.

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