Ein MERS-Virus beim Andocken an eine Zelle: Aids-Medikamente können Vermehrung hemmen

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MERS-Erankung
09/30/2014

Virologe: Eine Spur weniger gefährlich als Ebola

Infektion nur bei anhaltendem Kontakt.

Um sich mit dem MERS-Coronavirus zu infizieren, ist ein enger Kontakt mit dem Erkrankten notwendig. „Bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße besteht keine Gefahr“, sagt der Virologe und MERS-Spezialist Univ.-Prof. Norbert Nowotny von der VetmedUni Wien: „Im Gegensatz zu Ebola, wo man den Patienten berühren muss, kann das MERS (Middle East Respiratory Syndrome)-Virus zwar über sehr kurze Distanzen auch als Tröpfcheninfektion über Mund und Nase übertragen werden, dazu ist aber ein intensiver, länger anhaltender Kontakt notwendig, denn das Virus muss in ausreichender Menge in den Lungenbereich gelangen. Ein Influenza-Virus ist viel leichter und über weitere Distanzen übertragbar.“


Wie in einem Teil der Dienstag-Ausgabe berichtet, ist bei einer Touristin aus Saudi-Arabien erstmals das MERS-Virus in Österreich nachgewiesen worden (siehe unten). Weltweit sind bis jetzt 800 Menschen erkrankt, alle Infektionen gingen von der Arabischen Halbinsel aus, 90 Prozent der Infizierten stammten aus Saudi-Arabien. „Seit drei Monaten gibt es relativ wenige Neuerkrankungen, die Epidemie auf der Arabischen Halbinsel ist im Abflachen.“ In der EU sind bis jetzt zwölf „importiere“ Fälle aufgetreten. Symptome sind u. a. Fieber, grippeähnliche Symptome, Lungenentzündung und Atemnot. Mehr als jeder dritte Patient stirbt. „Das MERS-Virus ist etwas weniger gefährlich als Ebola.“

ÜbertragungDie Forschungsgruppe von Nowotny wies heuer in einer viel beachteten Studie nach, dass Viren von Dromedaren und Menschen aus derselben Region fast identisch sind: „Das ist ein Hinweis auf eine Übertragung zwischen Tier und Mensch.“ Gleichzeitig konnten die Vetmed-Forscher nachweisen, dass große Virenmengen über die Dromedarnasen ausgeschieden werden. Nowotny: „Insgesamt gehen aber nicht mehr als etwa fünf Prozent der Infektionen beim Menschen auf Tiere zurück, der Rest sind Mensch-zu-Mensch-Übertragungen.“

MERS: Behandlung mit Aids-Medikament

Jene saudiarabische Patientin, die seit Sonntag laut Angaben des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) mit einer MERS-Coronaviruserkrankung in der Infektionsabteilung des Kaiser Franz Josef-Spitals liegt, wird einem Aids-Kombinationspräparat behandelt. „Dafür gibt es positive, wissenschaftlich belegte Behandlungsergebnisse“, sagte der Vorstand der Abteilung, Christoph Wenisch, Dienstagnachmittag.

Die Krankheit, so der Infektionsspezialist, beginnt zumeist mit schleichenden Symptomen. „Wie eine Verkühlung mit Symptomen der oberen Atemwege“, so Wenisch. Die Inkubationszeit dürfte drei, vier Tage bis eine Woche dauern. Nach einigen Tagen der Frühsymptome entwickelt sich eine Art Bronchiolitis. „Das ist typischerweise eine Entzündung der unteren Atemwege“, so der Infektiologe. Das kann bis zum akuten Atemversagen (Acute Respiratory Disstress Syndrome - ARDS) führen.

Gegen die Virusinfektion wurden in den vergangenen Jahren mehrere Medikamente auf ihre Wirksamkeit untersucht. Dazu gehören auch Protease-Hemmer, wie sie bei der Behandlung von Retrovirus-Infektionen - typischerweise bei HIV/Aids - eingesetzt werden. Die Patientin bekommt ein in der HIV/Aids-Therapie vielfach eingesetztes Kombinationspräparat.

Wirksame Strategie

Für die Wirksamkeit dieser Strategie sprechen wissenschaftliche Belege, die ehemals bei den SARS-Erkrankungen durch ein anderes Coronavirus ab 2003 gemacht wurden. Seit Auftauchen von MERS wurde der Protease-Hemmer auch bei diesen Erkrankungen eingesetzt.

„Hinzu kommt eine spezielle intensive künstliche Beatmung, die man ARDS-Beatmung nennt“, sagte Wenisch. Dabei geht es darum, die Intensität der Überdruckbeatmung optimal anzupassen, um noch zusätzliche Schäden durch die künstliche Beatmung selbst zu verhindern, auf der anderen Seite aber auch die ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen.
Wie lange eine MERS-Erkrankung dauert, lässt sich laut Wenisch schlecht abschätzen. Das hängt nämlich auch vom eventuellen Auftreten zusätzlicher Komplikationen ab.

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