Wissen und Gesundheit
03.07.2017

Plasma aus Teenager-Blut als wundersame Altersbremse?

Bereits an die 80 Patienten ließen sich eine "Blutkur" verpassen. Was Ambrosia-Gründer Jesse Karmazin dazu sagt, weshalb es Zweifel gibt.

Es ist eine umstrittene Studie, mit der der 32-jährige Jesse Karmazin aktuell für Diskussionen sorgt. Demnach würden Transfusionen von Blutplasma, das aus dem Blut von Teenagern gewonnen wurde, das Risiko für Krebs, Alzheimer und Herzkrankheiten bei älteren Menschen reduzieren. Karmazin hat das Start-up "Ambrosia" 2016 gegründet, mittlerweile bietet er Interessierten, die über 35 Jahre alt sind, seine Jungbrunnen-Behandlung an. Im Interview mit dem Magazin New Scientist sagte er unlängst: "Ich möchte nicht von einem Allheilmittel sprechen, aber da ist schon was dran, an den Teenagern."

Traum von Verjüngung

So sei zu beobachten, dass der Plasma-Kick den Cholesterinspiegel senke, ebenso würde sich der Beta-Amyloid-Spiegel um 20 Prozent reduzieren. Amyloide sind jene Eiweißplaques, die sich bei Alzheimerpatienten finden. Bisher ließen sich bei Ambrosia Patienten zwischen 35 und 92 Jahren mit dem Plasma 16 bis 25-Jähriger behandeln, in der Hoffnung, dass sich der Traum von Verjüngung erfüllen möge. Die zentralen Kritikpunkte betreffen die hohen Kosten – pro Transfusion sind das 8000 Dollar – sowie das Studiendesign: Es fehle die Placebogruppe.

"Verbesserungen festgestellt"

Der KURIER erreichte Jesse Karmazin, der in Stanford in Medizin graduiert hat, per E-Mail. Darin zeigt sich der Unternehmer trotz Häme von seiner Behandlung beeindruckt: "Wir behandeln die Patienten mit jungem Blutplasma. Davor und danach messen wir 100 Biomarker. Wir haben 80 Menschen auf diese Weise behandelt und konnten Verbesserungen bei der Gesundheit von Herz und Gehirn, sowie bei Entzündungsprozessen feststellen." Das wirke auch bei Kranken.

Auf den Preis angesprochen, meint er: "Wir müssen die Kosten der klinischen Studie decken." Auch sonst wäre alles korrekt: "Wir testen das von uns verwendete Blut auf Infektionskrankheiten, es kommt von Blutbanken aus den USA" (diese beliefern auch Pharmafirmen, Anm. der Red). Schließlich setzt er nochmals nach: "Diese Therapie hat die Lebenserwartung von Mäusen signifikant gesteigert, ich bin überzeugt davon, dass sie auch bei Menschen wirkt."

Maus-Experiment

Das "Wunder" fußt auf einen Versuch des US-Neurologen Tony Wyss-Coray. Der nähte eine junge Maus mit einer alten Maus mittels OP so zusammen, dass ihre Gefäße zusammenwuchsen. Es kam zu einem Bluttausch, schließlich folgte die Trennung. Danach zeigte sich, dass sich die Muskeln der "Alten" revitalisierten, ebenso wie deren Leber, Bauchspeicheldrüse, Knochen oder Herz. Am signifikantesten waren die Folgen für das Gehirn – mit großen Leistungsverbesserungen. Welche Stoffe im Blut diese Effekte bewirken und ob diese auf den Menschen übertragbar sind, ist aber bis heute nicht geklärt.

Auf die Frage, was er mache, um jung und gesund zu bleiben, antwortet Karmazin nur: "Ich denke, das Beste ist es, gesund zu essen, viel zu schlafen und sich zu regelmäßig bewegen." Das klingt eher nicht so nach Wunderkur.

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