Eine Eizelle mit einer roten Kugel drinnen

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Umstritten
01/19/2017

Ukraine: Mädchen mit DNA von drei Eltern geboren

Erstmals wurde die Methode bei Unfruchtbarkeit eingesetzt.

Ukrainische Ärzte gaben die Geburt eines “Drei-Eltern-Babys” bekannt – heißt: das Kind hat zwei Mütter und einen Vater. Alle sind mit dem Neugeborenen genetisch verwandt. Beim Vater und bei der Mutter, einer 34-jährigen Frau, handelt es sich um ein Paar, das keine Kinder bekommen konnte. Das Mädchen ist am 5. Jänner 2017 in Kiew zur Welt gekommen und hat nun das Erbgut seiner leiblichen Eltern sowie einer Eizellenspenderin. Möglich gemacht hat es der Reproduktionsmediziner Valery Zukin.

Kerntransfer im Fall von genetisch vererbbarer Krankheit

Bereits im April des Vorjahrs ist in Mexiko mit Hilfe amerikanischer Ärzte ein Kind geboren worden, das drei Elternteile hat. Wie das funktioniert? Die Forscher wenden eine Technik namens „Kerntransfer“ an, für die das Erbmaterial von drei Personen verwendet wird. Dabei befruchten sie erst eine Eizelle der Mutter mit einem Spermium des Partners. Sie wird dann in eine entkernte Eizelle einer Spenderin übertragen, die der Mutter eingesetzt wird. Bei den Eltern in Mexiko lag allerdings eine Erbkrankheit vor, bei der die Mutter die Gene für eine „Mitochondriopathie" in sich trägt. Das ist eine Erkrankung, die von ihren Mitochondrien, ihren Zellkraftwerken, die sie mit Energie versorgen – ausgeht. Die Krankeit hatte bereits zum Tod ihrer ersten beiden Kinder geführt. Bei dem Fall in der Ukraine liegt offenbar keine solche Erbkrankheit vor, die Methode wurde offenbar erstmals bei Unfruchtbarkeit eingesetzt.

Kommt jetzt das Designerbaby?

Das sorgt nun für Kontroversen. Ethiker und Mediziner sehen darin einen Dammbruch in Richtung „Designerbaby“- Produktion. Befürworter meinen wiederum, dass die gespendete DNA nur 0,1 Prozent der gesamten Erbsubstanz eines Kindes ausmacht und daher keinen Einfluss auf äußere Merkmale hätte. Dennoch wird kritisiert, dass es sich dabei um eine „Verbesserung von Embryonen“ handle.

In Österreich ist es verboten, ein Kind mit drei genetischen Eltern zu zeugen. Im Gegensatz zur Ukraine, wo im März eine weiteres Baby mit drei genetischen Eltern zur Welt kommen soll.

Erstes Baby mit drei genetischen Elternteilen

In Mexiko ist mit Hilfe von US-Experten bereits Anfang April das erste Baby auf die Welt gekommen, das drei Elternteile hat. Das berichtete Dienstagabend die Zeitschrift New Scientist. Die Forscher wendeten eine Technik an, für die Erbmaterial von drei Personen verwendet wurde. Die Eltern des Kindes stammen aus Jordanien. Die Mutter trägt die Gene für eine sogenannte "Mitochondriopathie" in sich – eine Erbkrankheit, die von ihren "Mitochondrien" – ihren Zellkraftwerken, die sie mit Energie versorgen – ausgeht. Und die zum Tod ihrer ersten beiden Kinder geführt hat.Die krank machenden Genmutationen, die für diese Erbkrankheit verantwortlich sind, befinden sich nur in den Mitochondrien in der Hülle der Eizelle.

Wie die Technik funktioniert

Die Forscher entnahmen von Eizellen der Mutter den (gesunden) Zellkern, zurück blieben die kranken Mitochondrien.

Von einer zweiten Frau, einer Spenderin, entkernten sie Eizellen und vernichteten die Kerne. Diese gespendeten Eizellen enthielten also nur mehr intakte Mitochondrien, aber nicht mehr das im Zellkern vorhandene Erbgut.

Der Zellkern der Mutter wurde in die entkernte Eizelle der Spenderin eingesetzt.

Wie bei einem Hühnerei wurde de facto das Eiweiß ausgetauscht: Der Zellkern (das Eigelb) der Mutter wurde in die entkernte Eizelle (Eiweiß) der Spenderin eingesetzt.

Diese Eizelle mit genetischem Material von zwei Frauen wurde dann mit dem Samen des Vaters befruchtet und der Mutter implantiert.

Fünf Embryonen schufen die Forscher auf diese Weise– einer entwickelte sich normal und führte zur Geburt eines gesunden Buben.

Lesen Sie bitte unterhalb der Infografik weiter.

Dammbruch - oder nicht?

Kritiker sehen darin einen Dammbruch für die Produktion von "Designerbabys". Die Befürworter argumentieren: Die gespendete DNA mache nur 0,1 Prozent der gesamten Erbsubstanz eines Kindes aus und habe keinen Einfluss auf äußere Merkmale wie die Haarfarbe. Bei dem Buben scheint alles in Ordnung zu sein: Er zeige keinerlei Anzeichen der Krankheit.

In Österreich wäre dieser Eingriff – wie in den meisten Staaten der Welt – verboten.

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