Tierfutter-Check: Worauf Halter beim Kauf wirklich achten sollten
Mahlzeit: Das Sortiment an Futtermitteln lässt keine Wünsche übrig. Die Ernährung sollte möglichst individuell abgestimmt sein.
Kaltgepresstes Trockenfutter für Welpen, Komplett-Mix für Junioren, Pastete, nass, für Erwachsene, sensitive Selektion für Senioren – für jedes Alter gibt speziell abgestimmte Futtermittel. Dazu kommt eine Differenzierung nach Rasse und Fell. Ein Chihuahua hat einen anderen Bedarf als eine Deutsche Dogge. Gemütliche Wohnungskatzen brauchen weniger Energiezufuhr als aktive Freigänger.
„Das riesige Sortiment an Tiernahrung ist nicht nur ein Marketingschmäh. Es ist wichtig, Vierbeiner entsprechend ihren Bedürfnissen zu füttern“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Der KURIER-Tiercoach erklärt, was Hunde und Katzen gesund satt macht, und worauf Halter bei der Produktwahl achten sollten.
Tierfutter: Welche Faktoren berücksichtigt werden sollten
Hunde sind keine Wölfe mehr und Stubentiger keine Wildkatzen“, sagt Reitl. Das lange Zusammenleben mit dem Menschen hat sich physiologisch auf ihren Verdauungstrakt ausgewirkt. Hunde von heute können Stärke besser verarbeiten. Sie sind Fleisch-Allesfresser geworden, die Kohlenhydrate, Gemüse und Kräuter vertragen. Hauskatzen wiederum bevorzugen genetisch bedingt immer noch überwiegend Fleisch, haben ihren Speiseplan aber um pflanzliche Bestandteile erweitert.
„Halter sollten bei Fertigprodukten nicht nur nach dem Stand der Entwicklung gehen, sondern auch nach der Rasse und vor allem nach dem Aktivitätslevel“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Grundsätzlich dienen Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette als Energielieferanten. Die Zufuhr der Inhaltsstoffe richtet sich nach dem Alter und dem Endgewicht.
In Ruhe fressen: Jedes Haustier braucht seinen Napf.
Allzu viel ist ungesund. Ein schnelles Wachstum stört die Struktur der Knochen und Gelenke, es drohen orthopädische Probleme. Übergewicht belastet den gesamten Organismus. Eine Unterversorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen ist aber ebenso schädlich. Vor allem Jungtiere, Arbeitshunde, trächtige Weibchen und Leistungssportler sind gefährdet. Der Veterinärmediziner berät in allen Ernährungsfragen.
Wenn Hunde und Katzen eine spezielle Ernährungsform benötigen
„Patienten brauchen oft eine spezielle Diät“, sagt Reitl. Vierbeiner mit Nierenerkrankungen etwa, sind mit weniger Protein und mehr Kohlenhydraten und Fett besser versorgt. Besteht ein Leberleiden, benötigt das Haustier eine leicht verdauliche Kost mit z. B. magerem Geflügel oder leicht reduziertem Eiweiß.
Chronisch Kranke, darunter Allergiker und Diabetiker, profitieren von einem langfristigen Ernährungskonzept, das den Symptomen entgegenwirkt. Auch bei Rassen wie Schäfer, Labrador und Pudel, die zu Zahnstein neigen, sollte das entsprechende Futter angeboten werden. Essensreste vom Tisch haben im Napf nichts verloren.
Ob Altersangabe oder Foto einer bestimmten Rasse auf der Verpackung: „Halter können sich in der Regel darauf verlassen, dass seriöse Futtermittelproduzenten Rezepturen nach aktuellem Wissensstand korrekt berechnen“, sagt der Zoodoc. Ihnen sei es einerlei, für welches Produkt aus ihrem Sortiment sich der Besitzer letztlich entscheidet.
„Je mehr wir über das Mikrobiom wissen, desto gezielter werden die Diäten werden“, blickt der KURIER-Tiercoach in die Zukunft: „Da wird sich wohl noch einiges auf dem Futtermittelsektor tun.“
„Viele Ernährungsfehler lassen sich vermeiden“, sagt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl und hat Tipps für Hunde - und Katzenhalter.
Futter:
- Futtervorlieben sind oft anerzogen. Bei Hunden ist der Geschmackssinn weit weniger ausgeprägt als der Geruchssinn. Zudem neigen sie von Natur aus zum Schlingen. Katzen gelten als heikler. Abwechslung am Speiseplan muss nicht sein.
- Frisches Wasser ist ein „Grundnahrungsmittel“, es sollte stets bereitstehen. Vor allem bei Trockennahrung ist es eine wichtige Komponente in der Ernährung.
- Alleinfutter braucht in der Regel kein Ergänzungsmittel, im Gegenteil: Die zusätzliche Zufuhr von Mineral- und Nährstoffen kann bei gesunden Haustieren zu einer schädlichen Überdosierung führen.
- Den Speiseplan selbst zusammenzustellen und Mahlzeiten in der eigenen Küche zuzubereiten, verlangt viel Wissen. Zutaten müssen im richtigen Verhältnis gemischt werden. Die Rezeptur ist individuell anzupassen.
- „Futter soll nur in Ausnahmefällen abrupt umgestellt werden, da das Verdauungsprobleme verursachen kann“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn.
Rituale:
- Jungtiere bekommen ihr Futter üblicherweise drei bis vier Mal am Tag, Ausgewachsene fressen leichter verdaubar zwei Mal (statt ein Mal) täglich. Fixe Fütterungszeiten schaffen Vertrauen. Eine Ruhepause nach der Nahrungsaufnahme tut Hund und Katze gut.
- Leben mehrere Vierbeiner im Haushalt, braucht jeder einen eigenen Napf an einem ruhigen Platz.
Gesundheit:
- Als Faustregel gilt: Stehen die Rippen und Hüftknochen heraus, ist das Tier zu mager. Sind die Rippen nicht zu spüren, ist es Zeit für eine Diät und mehr Bewegung. Übergewicht belastet den Organismus.
- „Ist das Fell struppig und stumpf oder hat der Vierbeiner Dauerdurchfall, muss er dem Veterinärmediziner vorgestellt werden“, rät Zoodoc Reitl. Die Symptome gehören abgeklärt.
- Rationen in Zimmertemperatur belasten den Verdauungstrakt weniger als Portionen direkt aus dem Kühlschrank. Reste, vor allem von Feuchtfutter, müssen unmittelbar nach der Mahlzeit entsorgt werden. Verdorbenes macht krank.
Kommentare