Papagei & Co.: Diese Tiere verwenden Namen
„Schlafenszeit für Polly“, rief das müde Federvieh im Käfig. „Alexa, Wasser bestellen“, wandte sich ein anderer Vogel an die technische Assistenz. Der dritte wiederum sprach Quince geflügelt in der Koseform an, mit „Quincenator“.
Papageien sind gelehrige Plaudertaschen. Darüber hinaus verfügen sie über die anatomischen Voraussetzungen, die menschliche Sprache zu imitieren. Diese Fähigkeiten nutzten Wissenschaftler, um herauszufinden, ob Agaporniden über Kakadus bis zu Nymphensittichen Namen tatsächlich verstehen.
Studie wertete Wortmeldungen von 1.202 Papageien aus
Von Oktober 2020 bis August 2024 erhoben sie über die Plattform manyparrots.org Daten für „What Does Polly Say?“ (Beteiligung immer noch möglich). Kürzlich publizierten sie die Auswertungen der Umfrage im Fachmagazin Plos One.
„Unsere Daten zeigten, dass Papageien vokale Bezeichnungen für Menschen und Tiere auf vielfältige Weise verwenden – meist im Zusammenhang mit sozialen Interaktionen, sei es zur Begrüßung und Verabschiedung oder als Reaktion auf soziale Signale und Lautäußerungen“, schreiben die Studienautoren, darunter Expertinnen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Insgesamt hatten Halter über das Geplapper von 1.202 Papageien aus 89 Arten berichtet; Wörter und Sätze von 884 Überfliegern konnten schließlich berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Vögel Laute nicht nur nachahmen, sondern sich zumindest teilweise auch derer Bedeutung bewusst sind. Sie benutzen Namen für sich, andere Haustiere, Objekte und Menschen überwiegend im passenden Kontext.
Nur von wenigen Arten ist bekannt, dass sie "Namen" benützen
Seit Jahren suchen Biologen im Reich der (wilden) Tiere nach eindeutigen Belegen für die Verwendung von Eigennamen. Gefunden haben sie bisher nur wenige Arten bzw. vereinzelte Strategien, mit denen Individuen einander akustisch identifizieren und ansprechen.
So zeigten Wissenschaftler der Universität von Tel Aviv 2016 mittels Computeranalyse, dass Ägyptische Flughunde Töne aneinanderreihen, die sowohl den Sender als auch den Empfänger des Rufs erkennen lassen. Damit weiß jede Fledermaus in der Kolonie, wer in der dunklen Höhle im Streit um Nahrung oder Schlafplatz gemeint ist.
Elefanten und Primaten erfinden Namen für Artgenossen
Auch Afrikanische Elefantenkühe sprechen einander gezielt an – mit individuell kreiertem Grollen. Forschende der Colorado State Universität beschreiben 2024, dass jede Dickhäuterin auf diese Weise so viele Spitznamen hat, wie es Herdenmitglieder gibt; eine beachtliche Leistung, auch für das Gedächtnis.
Im selben Jahr berichtete das Fachmagazin Science, wie Weißbüschelaffen ihre „Phee-Rufe“ im Dialog einsetzen. Die findigen Primaten kennzeichnen Artgenossen stimmlich unverwechselbar. Familienangehörige verwenden dabei ähnliche akustische Merkmale. Die Pinselohräffchen antworten denn auch mit den immer selben Rufen.
Von Delfinen wiederum ist bekannt, dass sie in ihren Jugendtagen Signaturlaute für sich selbst entwickeln. Mit diesen Pfiffen werden sie in der Schule direkt angesprochen, zeigte eine Studie aus 2013, veröffentlicht im Fachblatt Science. Mit denselben Pfiffen reden die Großen Tümmler über ihren Artgenossen.
Biologen wollen nicht von "Namen" sprechen
Trotz dieser Studien bleiben Biologen zurückhaltend, all diese tierischen Lautelemente als Namen zu bezeichnen.
Auch die Autoren der Papageienstudie resümieren vorsichtig: „Unsere Ergebnisse liefern keinen endgültigen Beweis für Namen im Tierreich.“ Aber: „Wir gehen davon aus, dass die Fähigkeit zur Benennung von Individuen sowohl bei Wildtieren als auch bei Tieren in Gefangenschaft vorhanden ist.“
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