Mountainbiken: Wie gefährlich ist diese Sportart tatsächlich?

Wie ein Unfallchirurg Risiken und positive Gesundheitsaspekte bewertet.

Rund 2,2 Millionen Österreicher besitzen ein Mountainbike - und 840.000 fahren laut einer Umfrage regelmäßig auf Forstraßen und Waldwegen. "Mountainbiken ist eine sehr gesundheitsfördernde Ausdauersportart", sagt der Wiener Unfallchirurg Univ.-Prof. Christian Gäbler. Gegenüber dem normalen Straßenradfahren sind die Kreislaufbelastung und der Kalorienverbrauch deutlich höher: "Und man schult die Koordination auf sehr gute Weise." Doch die öffentliche Diskussion um das Mountainbiken wird von anderen Dingen geprägt: Etwa den Konflikten mit Waldbesitzern oder Wanderern, die vor zu Tal donnernden Radlern zur Seite springen müssen. Und es sind spektakuläre Meldungen wie diese, die im öffentlichen Gedächtnis bleiben: In Tirol ist Anfang Juli, neun Tage nach einem schweren Sturz am Bergisel,  ein 76-jähirger Mountainbiker verstorben – er hatte einen geschlossenen Schranken übersehen.

  Anfang Juni zog sich ein 56-jähriger Mann aus dem oststeirischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld bei einem Sturz mit seinem Mountainbike so schwere Verletzungen zu, dass für ihn jede Hilfe zu spät kam. "Aber Mountainbiken hat zu Unrecht einen Unruf als gefährliche Sportart", sagt Gäbler: "Es ist nicht gefährlicher als zum Beispiel Ski fahren." Teilweise rühre das "gefährliche Image" daher, dass die Mountainbiker mit Downhillfahrern mit ihren schweren Bikes und Vollvisierhelmen verwechselt werden: "Aber das ist etwas ganz anderes." Im Gegenteil: "Beim Radfahren auf der Straße ist die Rate der schweren und Mehrfachverletzungen - verursacht durch den Verkehr - deutlich höher als beim Mountainbiken", so Gäbler. "Beim Mountainbiken hingegen betreffen die häufigsten Verletzungen Abschürfungen, gefolgt von Verletzungen an Händen und Schultern." Bei den Händen stehen Verletzungen von Speiche oder Handwurzelknochen an erster Stelle, bei der Schulter ein Schlüsselbeinbruch. Eine Operation sei in den meisten Fällen nicht notwendig, auch bleibende Beeinträchtigungen seien selten. Schwere Kopfverletzungen haben durch die Helme deutlich abgenommen: "Mountainbiker ohne Helm gibt es praktisch nicht mehr." Helme, Handschuhe und "eine gut gepolsterte Radhose" seien im Normalfall als Ausrüstung ausreichend. "Beim vernünftigen Mountainbiken braucht man keine zusätzlichen Protektoren. Knieschützer behindern nur beim Aufwärtsfahren und auch Rückenschützer sind meistens eher störend." Solche Schutzmaßnahmen seien notwendig, wenn man sich "ambitioniert in einem Downhillpark bewegt". Das Kuratorium für Verkehrssicherheit schätzt die jährliche Unfallzahl von Mountainbikern auf 6200 (Fußball: 34.200, Skifahren: 40.700). In den meisten Fällen sei heute auch das Miteinander zwischen Mountainbikern und Wanderern sehr gut: "Hier werden immer wieder einzelne Negativbeispiele aufgebauscht." "Jene Rodwys, die mit 50 Stundenkilometern nur wenige Zentimeter an Wanderern vorbeirasen, sind die klare Minderheit", betont Gäbler. Das bestätigt auch eine Umfrage von meinungsraum.at: 80 Prozent der dabei befragten Wanderer gaben an, kein Problem mit Radfahrern zu haben.
  Mountainbiken sei - bei einer an die individuelle Kondition angepassten Belastung - eine sehr gesundheitsfördernde Ausdauersportart, betont der Sportmediziner. "Gegenüber dem normalen Straßenradfahren sind die Kreislaufbelastung und der Kalorienverbrauch deutlich höher." Gäbler rät aber allen Mountainbikern, unbedingt einen Fahrtechnik-Kurs zu absolvieren: "Es geht um die optimale Kurven- und Bremstechnik, und man lernt eine Menge an koordinativen Tricks." Was man sonst noch brauche? "Nicht viel", sagt Gäbler: "Rücksichtnahme und Gelassenheit."
(KURIER) Erstellt am
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