Wissen
23.08.2018

Masern: Erkrankungen in Österreich 2017 mehr als verdreifacht

Die Österreichische Ärztekammer ist alarmiert, der Impfstatus soll regelmäßiger überprüft werden.

Im Vergleich zum Jahr davor hat sich die Zahl der Masernfälle 2017 mehr als verdreifacht – damit hat sich Österreich vom WHO-Ziel der Masernelimination deutlich weiter entfernt.

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Thomas Szekeres, sieht den massiven Anstieg an Masernerkrankungen als Alarmzeichen. Gemeinsam mit dem ÖÄK-Impfreferat appelliert er an Patienten und Ärzte, den Impfstatus routinemäßig zu kontrollieren und etwaige Impflücken umgehend zu schließen.

Die größten Impflücken gibt es neben Kindern in der Gruppe der jungen Erwachsenen, weswegen Ärzte die Aufklärung der Bevölkerung über die Masernerkrankung weiter forcieren sollen.

Impfskepsis

Dass eine Masernerkrankung die Abwehrkräfte stärke, sei ein "gefährliches Märchen", so der Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer, Hans Jürgen Dornbusch von der Medizinuniversität Graz. Vielmehr sei zweifelsfrei belegt, dass Masern häufig schwer und manchmal sogar tödlich verlaufen und dass Erkrankte noch bis zu zwei Jahre lang unter einem deutlich geschwächten Immunsystem litten.

Zum Thema Impfskepsis hielt der Leiter des ÖÄK-Impfreferats, Kinderarzt Rudolf Schmitzberger, fest: "Die Anzahl an überzeugten Impfgegnern ist überschaubar. Die größte Herausforderung stellt die große Gruppe jener Eltern dar, die eigentlich das Beste für ihr Kind wollen, aber durch Falschinformationen vor allem in den sozialen Medien zu ,Impfzweiflern werden."

Auch mediale Diskussionen, in denen ein impfskeptischer "Experte" einem Impfbefürworter gegenübergestellt wird, trügen zur Verzerrung des Bildes bei, ergänzte ÖÄK-Impfreferent Dornbusch. "Verunsicherte Bürger gewinnen so den völlig falschen Eindruck, die medizinische Wissenschaft wäre beim Thema Impfen in zwei gleich große Lager geteilt. Tatsächlich ist Impfen eine der wirksamsten Vorbeugemaßnahmen, die die Medizin anzubieten hat."

In einer generellen Impfpflicht sehe ÖÄK-Präsident Szekeres jedoch keine Lösung des Problems, dies würde die Bevölkerung als Zwangsmaßnahme verstehen. Der aktuelle Vorschlag der Volksanwaltschaft, Impfungen an die Auszahlung von Sozialleistungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu knüpfen, sei hingegen eine Überlegung wert.

Impfen ist sicher

Misstrauen gegenüber offiziellen Impfempfehlungen sei absolut unangebracht, betonen die Impfexperten der Österreichischen Ärztekammer. Internationalen Standards entsprechend werden auch in Österreich die Impfempfehlungen von einem unabhängigen Nationalen Impfgremium erarbeitet. Der Österreichische Impfplan werde von dieser Expertenkommission gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium alljährlich auf Basis aktuellster wissenschaftlicher Daten überarbeitet.

"Jede Impfung, die dieses Gremium empfiehlt, hat eine absolut sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durchlaufen. Die Österreicherinnen und Österreicher können sich darauf verlassen, dass bei empfohlenen Impfungen eventuelle Risiken so verschwindend gering sind, dass sie in keinem Verhältnis zum Schaden stehen, den eine durch die Impfung verhinderbare Erkrankung verursacht", betonte ÖÄK-Impfreferent Dornbusch.