Familienplanung im Regenbogenzentrum: Zwei Frauen, ein Wunschkind
Der Gedanke aufzugeben, hat für Julia G. nicht existiert. Vier Inseminationen und zwei In-vitro-Fertilisationen hat es gebraucht, bis die 32-Jährige schwanger wurde. Im Mai vergangenen Jahres kam ihr Sohn mithilfe eines Spenders des Kinderwunschzentrums an der Wien auf die Welt. „Er war meine größte Sehnsucht. Und plötzlich war er da“, sagt sie.
Julia G.s Partnerin ist trans, dass die beiden überhaupt ein Kind haben dürfen, ist aufgrund einer Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes 2015 möglich. Damals wurde die künstliche Befruchtung für lesbische Paare erlaubt.
Noch im selben Jahr hat das Kinderwunschzentrum an der Wien ein eigenes Regenbogenzentrum eröffnet. „Im queeren Bereich brauchen wir spezielles Wissen, wie stimuliere ich Personen, die in der Transition sind oder Testosteron einnehmen“, sagt dessen Leiterin Gudrun Langer. Mindestens genauso wichtig sei en der offene Umgang mit der Community und die Auseinandersetzung mit deren Themen. In den elf Jahren seit der Eröffnung hat das Regenbogenzentrum 1.300 lesbische Paare, Trans- und nicht-binäre Personen beim Kinderwunsch begleitet, 300 Babys sind auf die Welt gekommen.
Raum für Trauer
„Es kann ein harter Weg zum Wunschkind sein“, sagt Langer. Erfolglose Versuche, Fehlgeburten – die Paare benötigen oft emotionale Begleitung und Raum für Trauer. Auch hier spielt das Alter eine Rolle. Jedes Jahr, bemerkt Langer, verschiebe sich der Kinderwunsch weiter nach hinten.
Die Samenspender werden im Regenbogenzentrum genetisch und gesundheitlich untersucht. Die Altersgrenze an der Klinik liegt bei 35 Jahren, meist seien die Männer deutlich jünger. Probleme, genügend Spender zu finden, hat Gudrun Langer nicht.
Historisches Tief
Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau ist mit 1,29 im Vorjahr in Österreich auf ein weiteres historisches Tief gesunken. 75.718 Kinder wurden laut vorläufigen Daten lebend geboren, um 2,0 Prozent weniger als 2024.
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