Wissen
04.04.2018

Tierforschung: Grönlandwale lieben die Improvisation

Eine neue Studie erfasste 184 unterschiedliche Melodien - und viel Improvisation.

Grönlandwale sind die großen Musiker unter den Meeresbewohnern: In den dunklen Wintermonaten von November bis April singen sie vor der grönländischen Küste rund um die Uhr, improvisieren und entwickeln immer neue Melodien. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie von Meereskundlern hervor, welche die bis zu 20 Meter langen Tiere drei Jahre lang belauscht hatten.

184 unterschiedliche Melodien konnten Kate Stafford, Hauptautorin der Studie der Universität von Washington, und ihre drei Kollegen während der Forschungsphase aufnehmen. "Nur ein paar wenige Singvogelarten können mit der Diversität und den zwischenjährlichen Variationen der Gesänge der Grönlandwale mithalten", heißt es.

Das Besondere an ihren Liedern: Sie sind nicht genetisch vererbt, wie die Balzrufe vieler anderer Tiere, sondern müssen erlernt werden. Nur wenige andere Säugetiere wie etwa manche Fledermausarten und Gibbons zeigen ein ähnliches Verhalten, wobei sich die Melodien jedoch häufig wiederholen.

Auch Buckelwal-Lieder verändern sich

Auch Buckelwale verfügen über ein sehr ausgeprägtes Repertoire von Liedern, die sich jährlich verändern. Doch sie improvisieren nicht so frei wie die untersuchten Grönlandwale. "Wenn Buckelwal-Lieder Klassik sind, dann sind die der Grönlandwale Jazz", so Stafford. Deren Liedarten hätten sich während der Forschungsperiode niemals wiederholt, stattdessen sei jedes Jahr ein kompletter neuer Satz an Liedern hinzugekommen.

Warum die Grönlandwale ihre Lieder so häufig ändern, bleibt den Forschern bisher unklar. "Verhaltenswissenschaftlich ist das ein großes Mysterium", betonte Stafford. Auch ob - wie bei vielen Balzrufen in der Tierwelt - nur die Männchen singen oder auch die Weibchen, ist den Forschern noch nicht bekannt.

Die untersuchten Tiere gehören einer Unterart der Grönlandwale an und halten sich in der Framstraße auf, einem Seeweg, der Nordatlantik und Arktischen Ozean verbindet. Sie gelten mit 200 Exemplaren als vom Aussterben bedrohte Art.