Massage oder Yoga: Diesen Fehler sollten Sie davor vermeiden

Eine neue Studie zeigt, warum Zucker zwar beruhigend wirkt, echte körperliche Erholung aber ausbremst.
Young woman hand holding chocolate bar on pastel pink table. Opened pack. Sweet snack. Closeup. Top view.

Zusammenfassung

  • Zucker liefert schnelle Energie und hebt kurzfristig die Stimmung, aktiviert aber auch Stressreaktionen im Körper.
  • Eine Studie zeigt, dass Zucker die körperliche Tiefe der Entspannung mindert, auch wenn sich Menschen subjektiv entspannt fühlen.
  • Wer bewusst entspannen will, sollte vor Entspannungsübungen auf zuckerhaltige Lebensmittel verzichten, da Zucker die Erholungsreaktion abschwächt.

Ein Stück Traubenzucker vor der Schularbeit, ein Schokoriegel vor einem wichtigen Gespräch: Zucker ist für viele eine Art Soforthilfe. Er liefert schnelle Energie und hebt kurz die Stimmung.

Bekannt ist das vor allem aus Stresssituationen. Bekommt der Körper Zucker, reagiert er mit mehr Cortisol, auch die Herzrate bleibt längere Zeit erhöht. In Momenten, in denen Leistung gefragt ist, kann das kurzfristig nützlich sein. Doch was passiert, wenn gar nicht Anspannung, sondern Entspannung gefragt ist? Wenn der Körper nicht hochfahren, sondern herunterkommen soll?

Weniger tief entspannt

Dieser Frage ist ein Forschungsteam rund um den Neuropsychologen Jens Pruessner von der Universität Konstanz nachgegangen. Das erstaunliche Ergebnis: Der Konsum von Zucker nimmt Entspannung nicht einfach weg, aber er könnte dazu führen, dass diese körperlich weniger tief geht, als sie sich anfühlt. Pruessner bringt es auf eine knappe Formel: „Entspannungsübungen wirken nicht so gut bei vollem Magen.“

Für die Studie kamen 94 gesunde junge Erwachsene nüchtern ins Labor. Ein Teil bekam eine Glukoselösung, der andere Wasser. Danach erhielt die eine Hälfte eine zehnminütige standardisierte Schulter-Nacken-Massage, die andere Hälfte ruhte einfach nur. 

Währenddessen wurde laufend gemessen, wie Herz und Nervensystem reagierten. Die Forschenden wollten verstehen, wie der Körper auf Entspannung antwortet und ob Zucker dabei dazwischenfunkt.

Interner Taktgeber

Im Zentrum steht hier das Zusammenspiel zweier Systeme, die im Körper ununterbrochen mitarbeiten, ohne dass wir viel davon merken: Der Sympathikus bringt uns in Aktivierung, der Parasympathikus hilft beim Herunterfahren. 

„Unser Herz hat einen internen Taktgeber, der bestimmt, wie schnell es schlägt. Dabei wirkt der Sympathikus in Stressmomenten stimulierend und aktivierend, während der Parasympathikus als sogenannte vagale Bremse den Herzschlag verlangsamt“, erklärt Maria Meier, Erstautorin der Studie.

Das Faszinierende an den Ergebnissen: Alle Teilnehmenden gaben an, die Massage oder die Ruhephase als entspannend empfunden zu haben. Auch die Messungen zeigten Erholung: 

Die Entspannungstechniken aktivierten den Parasympathikus, unabhängig davon, ob zuvor Zucker aufgenommen worden war oder nicht. Die Massage wirkte dabei stärker als nur ein Ausruhen.

Angespannt nach Zucker

Und doch zeigte sich ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Nach der Zuckeraufnahme blieb jener Teil des Nervensystems aktiver, der eher mit Anspannung, Wachheit und innerer Bereitschaft zusammenhängt. Für Meier ist das der Kern der Studie. Man könne sich entspannt fühlen, sagt sie, und trotzdem bilde dieses Gefühl nicht vollständig ab, was der Körper gerade tue.

Zucker, betont Meier, verhindere Entspannung aber nicht komplett. „Die Leute fühlen sich nach wie vor entspannt. Und auch die Reaktion des Parasympathikus wird durch Zucker nicht verändert.“ 

Aber ein anderer Teil der körperlichen Entspannungsreaktion werde gebremst: „Das Zurückziehen des Sympathikus wird durch Zucker blockiert.“ Genau deshalb, so ihre Schlussfolgerung, fällt die Erholungsreaktion am Ende nicht ganz so vollständig aus, wie sie ohne Schoko & Co sein könnte.

Damit beschreibt die Studie etwas, das viele aus dem Alltag vermutlich kennen, ohne es so benennen zu können: Wohlgefühl und körperliche Erholung sind nicht ganz dasselbe. Man kann sich wohlig, belohnt, angenehm gelöst fühlen – und dennoch bleibt der Körper stärker in Bereitschaft, als man vermuten würde. 

Darauf zielt auch Pruessners Hinweis: „Etwas Süßes zu naschen wird ja häufig mit entspannenden Situationen in Verbindung gebracht – ein Schokoriegel oder ein Eis zum Kinofilm, ein Stück Torte am Wochenende in gemütlicher Familienrunde. Tatsächlich scheint aber die Fähigkeit, sich zu entspannen, durch die konstante Sympathikusaktivierung nach Zuckergabe eingeschränkt.“ 

Sein Tipp: „Wenn bewusst entspannt werden soll, z. B. durch eine Meditationsübung oder progressive Muskelrelaxation, sollte auf die Einnahme eines explizit zuckerhaltigen Nahrungsmittels vorher verzichtet werden.“ 

Am Ende ist das keine radikale Absage an Schokolade, Eis oder Softdrinks. Wohl aber ein Hinweis darauf, dass der Körper beim Entspannen eigene Regeln hat. Wer wirklich herunterkommen will – bei Massage, Meditation, Yoga oder einer bewussten Ruhepause –, schafft dafür offenbar die besseren Bedingungen, wenn Süßes davor nicht auch noch mitmischt.

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