Hemmt vegetarische Ernährung das Wachstum von Kleinkindern?
Babys und Kleinkinder bis zwei Jahre zeigten keine Wachstumsunterschiede, wenn sie vegetarisch oder vegan ernährt werden.
Mit dem weltweiten Trend zu pflanzenbasierter Ernährung stellt sich vielen Eltern und Kinderärzten eine zentrale Frage: Kann eine vegane oder vegetarische Ernährung das rasante Wachstum von Säuglingen in den ersten beiden Lebensjahren ausreichend unterstützen?
Eine groß angelegte Studie der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev (BGU) in Zusammenarbeit mit der Ernährungsabteilung des israelischen Gesundheitsministeriums liefert nun eine beruhigende Antwort: Ja, das ist möglich. Die Untersuchung, die kürzlich im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde, zeigt, dass Kinder mit veganer und vegetarischer Ernährung bis zum Alter von zwei Jahren nahezu identische Wachstumskurven aufweisen wie Kinder, die omnivor ernährt werden, also auch Fleisch bzw. allgemein tierische Produkte essen.
Analysiert wurden Gesundheitsdaten aus einem Zeitraum von zehn Jahren (2014 bis 2023), die vom israelischen Gesundheitsministerium erhoben wurden. Das Register erfasst rund 70 Prozent aller Kinder im Land. Insgesamt flossen Daten von knapp 1,2 Millionen Säuglingen in die Auswertung ein.
Die Ergebnisse
Die Analyse ergab mehrere wichtige Erkenntnisse zur frühkindlichen Entwicklung:
- Ähnliche Wachstumsmuster: Säuglinge mit veganer Ernährung zeigten bei Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang nahezu identische Entwicklungen wie ihre omnivoren Altersgenossen. Die durchschnittlichen Unterschiede waren klinisch gering und verringerten sich weiter, wenn das Geburtsgewicht berücksichtigt wurde.
- Frühe Unterschiede gleichen sich aus: In den ersten 60 Lebenstagen war das Risiko für Untergewicht bei Säuglingen aus veganen Haushalten zwar erhöht, dieser Unterschied verschwand jedoch bis zum Alter von 24 Monaten und war dann statistisch nicht mehr signifikant.
- Geringe Wachstumsverzögerung in allen Gruppen: Mit 24 Monaten lagen die Raten für Kleinwuchs in allen Ernährungsgruppen niedrig – bei Omnivoren bei 3,1 Prozent, bei Vegetariern bei 3,4 Prozent und bei Veganern bei 3,9 Prozent. Zwischen den Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede.
- Bedeutung einer guten Planung: Die Forschenden betonen, dass gut geplante pflanzenbasierte Ernährungsweisen sowie eine ernährungsmedizinische Beratung während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter entscheidend für eine optimale Entwicklung sind.
„Die Daten zeigen, dass pflanzenbasierte Ernährungsweisen unter den richtigen Rahmenbedingungen die grundlegende körperliche Entwicklung von Säuglingen nicht beeinträchtigen", sagt Studienleiter Kerem Avital.
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