VKI warnt: Schadstoffe in beliebten UV-Shirts für Kinder
UV-Shirts sollen Kinder im Wasser und am Strand vor Sonnenbrand schützen. Ein aktueller VKI-Test zeigt jedoch: Manche Produkte halten den ausgelobten UV-Schutz nicht ein, in mehreren Shirts wurden zudem Bisphenole gefunden.
Zwölf UV-Shirts für Kinder wurden im Rahmen des EU-geförderten Projekts „ToxFree LIFE for all“ gemeinsam mit europäischen Verbraucherorganisationen untersucht – unter anderem auf tatsächlichen UV-Schutz, Schadstoffe, Mikrofaserfreisetzung, textile Eigenschaften und Kennzeichnung.
Das Ergebnis fällt gemischt aus: Insgesamt wurden vier Produkte mit „gut“, eines mit „durchschnittlich“, zwei mit „weniger zufriedenstellend“ und fünf mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet. Rund die Hälfte der getesteten Shirts bot keinen ausreichenden oder nicht den ausgelobten UV-Schutz, zwei Drittel enthielten Bisphenole.
Badebekleidung ist Schutzausrüstung
Besonders wichtig: UV-Kleidung ist laut EU-Regelung nicht nur Badebekleidung, sondern zählt zur Schutzausrüstung. Das heißt: Sie muss bestimmte rechtliche und sicherheitstechnische Vorgaben erfüllen. Der angegebene UV-Schutz muss tatsächlich erreicht werden, auch die Kennzeichnung muss stimmen.
Im Test waren Produkte von Decathlon, Ernsting’s Family, Hofer, Kik, Olaian, O’Neill, Quiksilver, Reserved, Shein, Takko, Tchibo und Temu. Die Preisspanne war groß: von 2,90 Euro bis 35 Euro. Ein klarer Zusammenhang zwischen Preis, Marke und Qualität zeigte sich laut VKI nicht. Die ausführlichen Testergebnisse gibt es auch in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT.
UV-Schutz: Nur die Hälfte hält, was versprochen wird
UV-Shirts werden meist mit einem UPF-Wert ausgelobt, also einem „Ultraviolet Protection Factor“. Vereinfacht gesagt: Ein Shirt mit UPF 50+ sollte ähnlich stark schützen wie ein Sonnenschutzprodukt mit entsprechend hohem Schutzfaktor.
Im Test erfüllten allerdings nur sechs der zwölf Shirts den angegebenen UV-Schutz vollständig. Als Untergrenze für eine positive Bewertung zog der VKI einen UPF von 40 heran. Ein Produkt von Temu erreichte diese Schutzwirkung nicht; nach Konfrontation mit den Testergebnissen nahm Temu das Shirt aus dem Sortiment.
Auffällig war auch: Manche Shirts schützen nicht an allen Stellen gleich gut. Das kann etwa bei unterschiedlichen Farbkombinationen passieren.
Dunkle Kleidung schützt oft besser
Zum Vergleich testete der VKI auch zwei normale Baumwollshirts – eines weiß, eines schwarz. Das Ergebnis: Das weiße Leibchen bot keinen ausreichenden UV-Schutz, das schwarze T-Shirt erreichte hingegen einen Schutzfaktor von 50+.
„Das schwarze T-Shirt bot damit in vielen Fällen besseren Schutz als die getesteten UV-Shirts“, sagt VKI-Projektleiterin Birgit Schiller. „Als Faustregel gilt: Je dunkler die Farbe eines Shirts, desto besser ist der Sonnenschutz – unabhängig vom Material. Zusätzlich kommt es aber auch auf die Qualität des Stoffes und die Verarbeitung an.“
Für Eltern heißt das: Spezielle UV-Kleidung kann sinnvoll sein, ist aber nicht automatisch überlegen. Entscheidend sind Schutzfaktor, Stoffdichte, Verarbeitung und korrekte Kennzeichnung.
Schadstoffe: Bisphenole in acht von zwölf Produkten
Ein zweiter Schwerpunkt des Tests waren Schadstoffe. In acht der zwölf UV-Shirts wurden Bisphenole gefunden. Diese Industriechemikalien stehen unter anderem im Verdacht, das Hormonsystem zu stören und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
„Gerade bei Kindern sollte darauf geachtet werden, dass sie mit möglichst wenig Schadstoffen in Kontakt kommen“, sagt VKI-Chemikalienexpertin Birgit Schiller. Bisphenole zählten zu den meistproduzierten Industriechemikalien und würden in einer Vielzahl von Produkten eingesetzt – im Test auch in UV-Shirts für Kinder.
BPA wurde in keinem Produkt in zu hohen Mengen nachgewiesen, dafür fanden die Prüfer sogenannte Ersatz-Bisphenole wie BPS und BPF. "Diese sind nicht weniger besorgniserregend “, sagt Schiller.
In drei Shirts war die Belastung so hoch, dass der VKI sie in diesem Prüfpunkt als „nicht zufriedenstellend“ bewertete. Zugleich betont Schiller: „Von keinem der getesteten Produkte geht dahingehend eine unmittelbare Gefahr aus.“
Erfreulich: Formaldehyd, Azofarbstoffe und andere verbotene Farbstoffe wurden nicht nachgewiesen.
Mikrofasern: Auch UV-Shirts tragen zum Abrieb bei
Da UV-Shirts meist aus synthetischen Materialien wie Polyester und Elastan bestehen, können sie beim Waschen Mikrofasern freisetzen. Mikroskopisch kleine Partikel finden sich inzwischen in Wasser, Luft, Hausstaub, Böden, Lebensmitteln und auch im menschlichen Körper.
„Erschwerend kommt hinzu, dass Mikrofasern Schadstoffe binden können“, sagt Birgit Schiller. Eine Quelle für solche Partikel ist der Faserabrieb synthetischer Kleidung – also auch von UV-Shirts.
Der VKI prüfte daher, wie viel Faserabrieb nach mehreren Wäschen entsteht. Da es für diese Bewertung keine eigene Norm gibt, wurden die Produkte direkt miteinander verglichen. Die Unterschiede waren nicht riesig, aber messbar.
Auf den UV-Index achten: Sonnenschutz ist nicht erst im Hochsommer nötig. Ab einem UV-Index von 3 sollten Kinder geschützt werden – auch bei Wolken. Entscheidend ist also nicht die Jahreszeit, sondern die tatsächliche UV-Belastung.
Babys nicht direkt in die Sonne: Im ersten Lebensjahr sollten Kinder keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Schatten, geprüfte UV-Kleidung und Hüte mit breiter Krempe schützen Haut, Kopf und Nacken. Exponierte Stellen wie Nase oder Ohren können zusätzlich eingecremt werden.
UV-Kleidung genau prüfen: Ein UV-Shirt sollte einen klar angegebenen UPF-Wert haben – idealerweise UPF 50+. Wichtig sind vollständige Herstellerangaben, Pflegehinweise und eine korrekte Kennzeichnung. UV-Kleidung gilt in der EU als Schutzausrüstung.
Dunkel schützt oft besser: Nicht jedes Spezialshirt ist automatisch überlegen. Dicht gewebte, dunkle Kleidung kann ebenfalls hohen UV-Schutz bieten. Im VKI-Test erreichte ein schwarzes Baumwollshirt UPF 50+, ein weißes bot hingegen keinen ausreichenden Schutz.
Sonnencreme bleibt Pflicht: UV-Shirts ersetzen das Eincremen nicht. Alles, was nicht von Kleidung bedeckt ist – Gesicht, Ohren, Nacken, Hände, Beine – braucht Sonnenschutz. Für Kinder wird mindestens LSF 30 empfohlen.
Genug Creme verwenden: Als Faustregel gelten zwei volle Fingerlängen Sonnencreme pro Körperteil, etwa für einen Arm, Bauch oder Brust. Nachcremen ist wichtig, verlängert aber nicht die maximale Schutzdauer.
Sprays besser meiden: Von Zerstäubern wird bei Kindern abgeraten, weil feine Partikel eingeatmet werden können. Praktischer sind Tuben, Pumpspender oder Roll-ons.
UV-Shirts nicht ewig weiterverwenden: UV-Kleidung verliert mit der Zeit ihre Schutzwirkung. Deshalb auf Hinweise zur Lebensdauer achten. Gebrauchte oder über Jahre aufbewahrte UV-Shirts sind für verlässlichen Schutz nicht ideal.
Auch die Augen schützen: Kinder-Sonnenbrillen sollten bruchsicher sein, breite Bügel haben und sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen abhalten.
Bei Sonnenbrand richtig reagieren: Rötungen mit feuchten Umschlägen kühlen. Bei Blasen, Fieber, Benommenheit, Kopfschmerzen oder Kreislaufproblemen sollte ärztlich abgeklärt werden.
Kennzeichnung mangelhaft
UV-Shirts müssen korrekt deklariert sein, dazu zählen unter anderem Angaben zum UPF, Herstellerinformationen, Pflegehinweise und das CE-Zeichen.
Gerade bei Shein und Temu wurden hier Mängel festgestellt. Beide Anbieter machten zwar Angaben zum UV-Schutz, ein konkreter UPF-Wert fehlte aber. Auch das CE-Zeichen fehlte – ebenso bei Decathlon und Reserved. Shein machte zudem keine Herstellerangabe.
Was Eltern beachten sollten
UV-Shirts können sinnvoll sein, ersetzen aber keinen vollständigen Sonnenschutz. Unbedeckte Hautstellen müssen weiterhin eingecremt werden. Auch Kopfbedeckung, Schatten und Pausen in der Mittagssonne bleiben wichtig.
Beim Kauf lohnt sich der Blick auf folgende Punkte:
- ein klar ausgewiesener UPF-Wert, idealerweise UPF 50+
- vollständige Hersteller- und Pflegeangaben
- CE-Kennzeichnung
- Hinweise zur Lebensdauer des UV-Schutzes.
Marke und Preis sind laut VKI keine verlässlichen Qualitätsindikatoren. Auch beim Weitergeben älterer UV-Shirts ist Vorsicht geboten. UV-Kleidung hat ein Verfallsdatum. Ist dieses überschritten, kann der Schutz nicht mehr gewährleistet werden. Gebrauchte UV-Shirts oder ältere Stücke für Geschwisterkinder sind daher nur eingeschränkt empfehlenswert.
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