Studie: Plastikpartikel können Darmentzündungen verstärken
Der untersuchte Kunststoff ist häufig in Lebensmittelverpackungen enthalten.
Eine neue Studie der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien legt nahe, dass Mikro- und Nanoplastik (MNP) chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa verschlimmern können. Die Forschungsergebnisse, die im Fachmagazin „Microplastics and Nanoplastics“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass Plastikpartikel die Immunzellen und das Darmmikrobiom beeinflussen, was zu einer Verstärkung von Entzündungen führt.
Untersucht wurden die Auswirkungen von Polystyrolpartikeln – einem Kunststoff, der häufig in Lebensmittelverpackungen verwendet wird – an einem Mausmodell. Dabei zeigte sich, dass die Partikel unter entzündlichen Bedingungen vermehrt durch die Darmschleimhaut aufgenommen wurden. Zudem aktivierten sie entzündungsfördernde Immunzellen (Makrophagen) und veränderten das Darmmikrobiom, indem sie nützliche Bakterien reduzierten und entzündungsfördernde Arten begünstigten.
Systemische Auswirkungen von Mikroplastik
Die Forschenden beobachteten außerdem, dass sich die Plastikpartikel nicht nur im Darm, sondern auch in anderen Organen wie Leber, Nieren und Blutkreislauf anreichern. Besonders Nanoplastikpartikel, die kleiner als 0,0003 Millimeter sind, konnten biologische Barrieren überwinden und systemische Effekte auslösen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Mikro- und Nanoplastik ein bislang unterschätzter Faktor bei der Entstehung und Verstärkung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sein könnte“, erklärt Studienleiter Lukas Kenner von der Medizinischen Universität Wien. Co-Studienleiterin Verena Pichler ergänzt: „Die systemischen Auswirkungen der Plastikpartikel verdeutlichen die Dringlichkeit, Maßnahmen zur Reduktion der MNP-Belastung zu ergreifen.“
Dringender Handlungsbedarf
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und die Verschmutzung durch Plastikpartikel nehmen weltweit zu. Die Forschenden betonen die Notwendigkeit weiterer Studien, um den Zusammenhang zwischen Plastikpartikeln und Darmerkrankungen genauer zu untersuchen. Bereits jetzt richtet sich ein Appell an Politik und Gesellschaft, die MNP-Belastung zu reduzieren.
Die Studie wurde im Rahmen des COMET-Moduls „microONE“ in Zusammenarbeit mit CBMed durchgeführt und von verschiedenen Ministerien und Förderstellen unterstützt.
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