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Wissen Gesundheit
12/08/2021

Studie: Impfstoffe erzeugen schwächere Immunantwort gegen Omikron

Virologin vom Uniklinikum Frankfurt veröffentlichte erste Ergebnisse einer Labor-Untersuchung.

Erste Labor-Untersuchungen zur Wirkung von Corona-Impfstoffen gegen Omikron deuten auf eine schwächere Abwehrreaktion gegen die Variante hin. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte am Mittwoch Ergebnisse auf Twitter. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek. Zuvor hatten südafrikanische Experten ähnliche Daten vorgelegt. Drittimpfungen dürften etwas besser wirken.

37-fach reduzierte Wirkung

Aber selbst drei Monate nach einer Booster-Impfung mit Biontech sieht Ciesek bei ihrer Untersuchung nur eine Neutralisation von 25 Prozent bei Omikron im Vergleich zu 95 Prozent bei der noch vorherrschenden Delta-Variante und spricht von einer bis zu 37-fach reduzierten neutralisierenden Wirkung der Antikörper im Vergleich zur Delta-Variante. Bei einer sechs Monate zurückliegenden zweifachen Impfung mit Biontech, Moderna sowie einer Kreuzimpfung von Astra Zeneca/Biontech sei eine Antikörperreaktion nicht einmal messbar gewesen.

Die Daten sind bisher nicht von Fachkollegen begutachtet und nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht. Ciesek wies auch darauf hin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen ist, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruht nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen.

Forscher des Africa Health Research Institute in Südafrika hatten am Dienstag vorläufige Daten zur Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Vakzins gegen Omikron veröffentlicht. Die Ergebnisse legen einer Mitteilung zufolge nahe, dass die Virusvariante der Antikörperantwort von zweifach Geimpften entkommt. Bei Geimpften, die zusätzlich infiziert waren, war demnach aber eine beträchtliche Antikörperantwort messbar. Auch diese Ergebnisse sind noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.

Die Neutralisierung der Omikron-Variante habe im Vergleich zu einem früheren Covid-Stamm "sehr stark abgenommen", erklärte Laborleiter Alex Sigal. Das Afrika Health Research Institut untersuchte im Labor das Blut von zwölf Personen, die mit dem Impfstoff von Biontech Pfizer geimpft wurden. Dabei wurde ein 41-facher Rückgang der neutralisierenden Antikörper gegen die Omikron-Variante beobachtet. Das Blut von fünf der sechs geimpften und zuvor mit Covid-19 infizierten Personen konnte die Omikron-Variante allerdings noch immer neutralisieren. "Diese Ergebnisse sind besser als ich erwartet hatte. Je mehr Antikörper man hat, desto größer ist die Chance, dass man vor Omikron geschützt ist", erklärte Sigal.

"Es scheint, dass wir eine drastische Reduktion der neutralisierenden Aktivität sehen, deutlich stärker als bei früheren Varianten", schrieb der in New York forschende steirische Virologe Florian Krammer in der Nacht auf Mittwoch auf Twitter. Genesene Personen mit anschließender Impfung hätten jedoch trotz drastischer Reduktion eine verbleibende neutralisierende Aktivität. "Dies ist sicherlich auch ein gutes Zeichen für geimpfte Personen, die ihre Boosterdosis erhalten haben", betonte Krammer. Er vermute, dass die Effektivität der Impfstoffe bei nur zwei Mal geimpften Personen "stark reduziert" sein wird. Der Schutz gegen schwere Verläufe könnte jedoch hoch bleiben.

 "Das sind naturgemäß frühe Daten, die vorsichtig zu interpretieren sind. Sie stimmen aber zuversichtlich, dass Omikron nicht völlig unserem Immunsystems entwischt", erläuterte Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. "Wer sich jetzt boostert, dürfte über die Wintermonate noch einigermaßen Schutz genießen. Über den Sommer kommt dann wohl der angepasste Impfstoff", kommentierte der Molekularbiologe und "Science Buster" Martin Moder ebenfalls auf Twitter. Er finde "es eh auch schön, dass vieles wieder aufsperrt", fürchte aber, dass Omikron in Österreich viel zu wenig ernst genommen werde und wir uns "im Jänner gewaltig ärgern werden, wenn wir jetzt nicht konsequent auf 2G-plus setzen, wo immer es möglich ist", hatte er bereits kurz vor Erscheinen der nun vorliegenden wissenschaftlichen Daten betont.

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