Physiotherapie: Die meisten scheitern an der Hausübung
Physiotherapie gilt als ein entscheidender Baustein auf dem Weg zur Genesung nach Verletzungen oder Operationen. Doch eine neue Umfrage des Ohio State University Wexner Medical Center zeigt: Die meisten Patienten nehmen ihre Hausaufgaben nicht ernst.
Demnach gaben drei von vier, also 76 Prozent, der Befragten an, ihre Übungen für zu Hause nicht vollständig zu absolvieren. Die Folgen: langsamer Heilungsverlauf, stagnierende Fortschritte und im schlimmsten Fall zusätzliche medizinische Eingriffe, erklärt Kyle Smith, Physiotherapeut am Ohio State Medical Center. Er ergänzt: „Die ein bis drei Stunden pro Woche, die ein Patient in der Physiotherapiepraxis verbringt, sind nichts im Vergleich zu den insgesamt 168 Stunden einer Woche. Ohne regelmäßiges Training zu Hause können wir keine nachhaltigen Veränderungen erreichen.“
Das Ziel der Physiotherapeuten am Medical Center sei es, Bewegung fest in den Tagesablauf zu integrieren. Die Übungspläne würden individuell angepasst, abhängig von der Rückmeldung der Patienten und möglichen Hindernissen. Auch einfache Alltagstricks gehören zum Genesungsplan: beim Zähneputzen auf einem Bein stehen, Dehnübungen oder Kniebeugen während einer Fernsehsendung.
„Wir müssen den Patienten klar machen, dass sie selbst mitarbeiten müssen, um ihre Ziele zu erreichen – Kraft und Beweglichkeit aufzubauen und die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren“, betont Smith.
Ergebnisse im Detail
Von den 1.006 befragten Amerikanern erledigte nur ein Viertel (24 Prozent) alle Übungen. 28 Prozent schafften zwischen 75 und 99 Prozent, 27 Prozent zwischen 50 und 74 Prozent. Elf Prozent kamen nur auf 25 bis 49 Prozent, acht Prozent auf 1 bis 25 Prozent. Zwei Prozent gaben an, gar keine Übungen gemacht zu haben.
Besonders auffällig: Ältere Patienten ab 65 Jahren erledigten deutlich häufiger alle Übungen (30 Prozent) als jüngere unter 30 (12 Prozent). Umgekehrt machten Jüngere deutlich öfter nur einen Bruchteil der Hausaufgaben.
Warum Patienten scheitern
Die häufigsten Gründe für das Nicht-Erledigen der Übungen:
- Vergessen oder fehlende Erinnerungen (40 Prozent)
- Zeitmangel und Terminkonflikte (33 Prozent)
- Langeweile oder Wiederholungen (22 Prozent)
- Ungeduld – keine schnellen Ergebnisse (19 Prozent)
- Schmerzen oder Angst vor Verschlimmerung (18 Prozent)
- Fehlende Kontrolle zwischen den Terminen (15 Prozent)
- Kein geeigneter Raum oder fehlende Geräte (13 Prozent)
- Zweifel an der Notwendigkeit (12 Prozent)
- Unklare Anweisungen (5 Prozent)
Die Umfrage wurde vom Marktforschungsunternehmen SSRS auf seiner Opinion Panel Omnibus-Plattform durchgeführt.
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