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Interview
06/09/2021

Kritik an Impfkampagne: "Ich finde es geschmacklos, was getrieben wird"

Die aktuelle #lassunsimpfen-Kampagne stößt auf viel Gegenwind – wie ÖGK-Chef Bernhard Wurzer sie rechtfertigt.

von Laila Docekal

Menschen tanzen und hopsen vor Freude, dass sie sich endlich impfen lassen können – die Reaktionen auf die aktuelle #lassunsimpfen-Kampagne der Österreichischen Gesundheitskasse wird in den sozialen Medien stark kritisiert. Generaldirektor Bernhard Wurzer findet den Spot nicht überzogen und verteidigt ihn im Gespräch mit dem KURIER.  

Kürzlich hat die ÖGK ihre Impfkampagne #lassungsimpfen gestartet. Dazu gab es von Impfgegnern massiven Gegenwind, warum?

Bernhard Wurzer: Hier wird organisiert versucht, von unterschiedlichen Ecken Politik zu machen. Uns war es wichtig, eine sympathische, positiv ansprechende Kampagne zu machen, um auf eine Infoplattform zu verweisen, wo es objektive Informationen zu Vor- und Nachteilen der Impfung gibt. Das ist uns wichtig, um Aufklärung zu betreiben.

Was sind die Hauptargumente der Gegner und wie lassen sich diese widerlegen?

Die sind teilweise sehr abstrus, teilweise auch von Verschwörungstheorien getrieben, um Stimmung zu erzeugen. Für uns ist klar, dass impfen ganz wesentlich ist für unsere Freiheit und Spontanität. Wir gewinnen damit zurück, dass wir uns mit Menschen treffen, unterwegs sein und auf Urlaub fahren können. Da muss man als Institution so einen Gegenwind aushalten - auch wenn ich es schade und geschmacklos finde, was getrieben wird.

Vielleicht befürchten ja manche eine Art Impfpflicht – ist sowas überhaupt denkbar?

Eine grundsätzliche Impfpflicht sicher nicht. Wir können gewisse Dinge machen wenn wir geimpft sind, die wir ungeimpft nicht tun können. Unsere Gesellschaft ist davon geprägt, dass wir uns an gewisse Regeln halten, damit auch andere Menschen geschützt sind. Das ist auch eine Verantwortung unseren Mitbürgern gegenüber. Aber ein jeder kann entscheiden, ob er diese Freiheit will oder nicht.

Warum macht die ÖGK diese Kampagne überhaupt? Die Impfungen selbst mit den Terminvergaben sind ja Ländersache.

Das war eine grundsätzliche Entscheidung, dass wir unseren Beitrag als Institution mit 7,2 Millionen Versicherten beitragen, um zu informieren und aufzuklären.

Wir sind seit über einem Jahr mit dieser Pandemie konfrontiert, seit Jahresbeginn wird geimpft und jeder kann sich laufend darüber informieren. Kann eine Kampagne überhaupt noch Menschen motivieren, die gegen die Impfung sind?

Die harten Gegner wird man nicht erreichen, die sind sehr festgefahren in ihren Meinungen. Es gibt aber auch eine große Zahl von Menschen, die verunsichert sind, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Es gibt einige, die auch noch nie testen waren, wie wir aus unseren Umfragen wissen.

Auch Jugendliche atmen ja gerade auf, können wieder weggehen, sie hatten Großteils aber noch keine Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Hier geht’s darum Bewusstsein zu schaffen, dass es da noch eine Impfung gibt, um andere zu schützen. Manchen ist auch die Bedeutung der Zweitimpfung nicht bewusst, sie ist aber notwendig, um umfassend geschützt zu sein. Auch hier wollen wir aufklären.

Im Video tanzen die Menschen vor Freude, dass sie sich impfen lassen können – ist das angesichts der anhaltenden Skepsis in der Zielgruppe der Impfverweigerer nicht vielleicht auch etwas überzogen?

Wir wollten zeigen, dass wir in eine Phase eintreten, wo wir zurück ins Leben können und das tun können, was uns als Gesellschaft ausmacht. Wir wollen Freunde treffen, tanzen gehen – wir sehnen uns alle nach einer gewissen Fröhlichkeit zurück, sehnen uns nach Normalität und das soll das ausdrücken.

Wie lassen sich diese Menschen abseits von Kampagnen überhaupt noch erreichen?

Es gibt natürlich Menschen, die haben Urängste, bzw. natürliche Ängste vor dem Impfen. Ob man bei diesen Menschen die Sorgen durch Argumente und Studien beseitigen kann, weiß ich nicht. Es gibt sicher eine gewisse Gruppe, die man nicht überzeugen kann und die wollen das aus Prinzip nicht. Wir versuchen es trotzdem und wollen umfassend aufklären.

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