Nahrungsergänzung für Kinder oft überdosiert: Supplemente "sind keine Süßigkeiten"

Ein Kind nimmt eine Tablette.
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 23 für Kinder ausgelobte Produkte getestet. Bei 15 Präparaten sei mindestens eines der enthaltenen Vitamine oder einer der Mineralstoffe überdosiert.

Viele Kinder essen gerne Pizza und Pommes und verzichten dankend auf Gemüse, Obst und Salat. Eltern machen sich dann Sorgen über Vitamine und Nährstoffe. Nahrungsergänzungsmittel, die oft wie Gummibärchen daherkommen, bieten sich da vermeintlich als gute Alternative an. 

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 23 für Kinder ausgelobte Produkte getestet. Bei 15 Präparaten sei mindestens eines der enthaltenen Vitamine oder einer der Mineralstoffe überdosiert.

"Gesunde Kinder benötigen keine Nahrungsergänzungsmittel"

"Vorweg: Gesunde Kinder benötigen keine Nahrungsergänzungsmittel", betonten die Fachleute am Donnerstag. Besteht Verdacht auf eine Mangelversorgung, sollten Eltern unbedingt eine ärztliche Abklärung vornehmen lassen.

"Im besten Fall bringt eine Mehraufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen keinen gesundheitlichen Nutzen mit sich. So bietet etwa eine Extradosis Vitamin C keine gesundheitlichen Vorteile, wenn der Bedarf bereits über die normale Ernährung gedeckt ist", schreiben die Konsumentenschützer im Magazin Konsument (August-Ausgabe). "Im ungünstigen Fall ist eine übermäßige Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen schädlich für die Gesundheit."

Bei wasserlöslichen Vitaminen komme es eher selten zu Überdosierungen, da der Überschuss über den Harn ausgeschieden wird. Zu hohe Mengen können allerdings Durchfall verursachen, das Krebsrisiko erhöhen oder Nervenzellen schädigen, führten die Testerinnen und Tester aus. Die fettlöslichen Vitamine A, D, E oder K werden in der Leber und im Fettgewebe gespeichert. Überdosierungen können Probleme machen, das gelte auch für bestimmte Mineralstoffe und Spurenelemente.

Nahrungsergänzungsmittel "sind keine Süßigkeiten"

20 der getesteten Produkte sind mit mehr als vier verschiedenen Vitaminen und/oder Mineralstoffen versetzt. Zur Bewertung wurden die von den Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland und Österreich festgelegten Referenzwerte für die tägliche Vitamin- und Mineralstoffzufuhr von Vier- bis Siebenjährigen herangezogen.

"Das Ergebnis unserer Analyse ist ernüchternd", so der VKI: Bei 15 Präparaten liegt mindestens eines der enthaltenen Vitamine beziehungsweise einer der enthaltenen Mineralstoffe über dem Referenzwert. Auffällige Überschreitungen habe es vor allem bei den Vitaminen A, B (B6, Niacin, Thiamin, Riboflavin, Folsäure, Pantothensäure), C, E und K sowie beim Mineralstoff Zink gegeben.

Nahrungsergänzungsmittel "sind keine Süßigkeiten und sie sind auch kein Ersatz für eine gesunde Ernährung", lautet das Fazit der Konsumentenschützer. Für Kleinkinder seien sie grundsätzlich nicht gedacht. "Die Präparate müssen für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden, zumal sie leicht mit Süßigkeiten verwechselt werden können."

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