Wissen | Gesundheit
03.05.2018

Nachtschicht macht uns empfindlicher für Schmerzen

Zu wenig Schlaf hat mehr Auswirkungen auf Körper und Psyche als bisher bekannt zeigen zwei neue Studien.

Wer zu wenig schläft, der ist schmerzempfindlicher. Diesen Zusammenhang haben jetzt Forscher der Donau-Universität Krems herausgefunden.

Wie wir generell Schmerz empfinden, hängt von einigen Faktoren ab: Ob man sich selbst weh tut oder jemand anderer der Verursacher ist zum Beispiel. Auch wenn der Schmerz mit einem angenehmen Gefühl verbunden ist – wie bei einer Massage – wird er nicht als so schlimm empfunden. Auch psychischen Faktoren spielen eine Rolle.

Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Pflegepersonal der Universitätsklinik St. Pölten vor und nach einer Nachtschicht daraufhin getestet, wie schmerzempfindlich sie sind. Mittels sogenannter Thermoden ermittelt: Diese am Handrücken befestigten Reizgeräte geben Hitze- sowie Kältereize ab. Die Temperatur wurde pro Sekunde um ein Grad Celsius gesenkt, begonnen wurde bei 32°C. Sobald der Schmerz als unangenehm empfunden wurde, stoppten die Teilnehmer den Versuch.

Hierbei fand man heraus, dass der gleiche Schmerzreiz nach der Nachtschicht um fast ein Drittel stärker empfunden wurde. Allerdings normalisierte sich die Schmerzempfindlichkeit nach einer Erholungsnacht wieder. Es ist noch unklar, ob die gesteigerte Schmerzsensibilität von der Müdigkeit, der Stimmung oder einer reduzierten Schmerzhemmung kommt.

Christoph Pieh, Leiter der Studie, die im Fachjournal Sleep Medicine erschienen ist: „Es ist wie ein Kreislauf: Der Schlaf wird durch Schmerzen gestört und Schlafentzug macht die Menschen schmerzempfindlicher.“

Grantige Eltern

Mit einem anderen Aspekt der Nachtarbeit haben sich Berliner Forscher beschäftigt: Sie wollten wissen, wie sich Abend- und Nachtarbeit von Eltern auf das Verhalten und die emotionale Stabilität ihrer Kinder auswirkt.

Jianghong Li und seinem Team vom WZB (Wissenschaftszentrum Berlin) haben Daten von 838 Kindern im Alter von sieben bis zehn Jahren ausgewertet und ihre Arbeit in der Fachzeitschrift Community, Work and Family veröffentlicht. Die Erkenntnis: Eltern mit familienunfreundlichen Arbeitszeiten neigen zu mehr Strenge und negativem Kommunikationsverhalten, heißt: Sie schimpfen und schreien häufiger. Selbst wenn nur ein Elternteil in der Nacht arbeitet, wirkt sich das auf das Erziehungsverhalten von Vater und Mutter aus.

Das kann zu Verhaltensstörungen bei Kindern führen. Das wiederum erhöht das Risiko, dass die Kinder eines Tages drogensüchtig oder gar straffällig werden. Auch auf ihren Bildungs- und Berufsverlauf wirkt sich dies negativ aus.

David Ulrich