Darm-Reset nach den Feiertagen: Experte empfiehlt "72-Stunden-Plan"

Eine Person hält einen leeren Teller und fasst sich mit der anderen Hand an den Bauch.
Nach der Völlerei der Feiertage brauchen Magen und Darm dringend eine Pause. Der deutsche Internist, und Ernährungsmediziner Andreas Michalsen erklärt, wie man die Balance wieder herstellt.

Von Anne-Kathrin Neuberg-Vural

Der Braten ist gegessen, der Keksteller leer – und irgendwo zwischen Raclette-, Rotwein- und Fondue-Resten melden sich der Bauch und die zwickende Hose. 

Das kennt auch Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus und Professor für Naturheilkunde an der Charité in Berlin. "Der soziale Druck des gemeinsamen Schlemmens ist rund um die Feiertage enorm", sagt er. "Da biegen sich die Tische. Und da halte auch ich mich nicht zurück."

Doch während der Duft zahlreicher Köstlichkeiten noch in der Luft liegt, werden gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst. Nach der Völlerei über die Feiertage muss jetzt der Grundstein für ein gesünderes neues Jahr gelegt werden. Es gilt, den Magen-Darm-Trakt wieder auf Kurs zu bringen, so der Experte für Darmsanierung und Heilfasten. Mit seinen Tipps gelingt das schnell und effektiv.

Michalsen betont: "Ganz ohne radikale Maßnahmen kriegt man das nicht ohne Weiteres wieder hin." Wer "bis zum Anschlag" feiert, sollte spätestens im neuen Jahr "diszipliniert gegensteuern", sonst bleibe der Bauch unruhig, so der Experte. Die Chancen, die guten Vorsätze für ein gesünderes Leben direkt in die Tat umzusetzen, schwinden.

Der 72-Stunden-Plan

Der Experte empfiehlt einen 72-Stunden-Plan mit bewusster Ernährung: "Für zwei, drei Tage nur leicht verdauliche Gemüsegerichte, mit etwas Reis oder gekochten Kartoffeln." Es sei eigentlich ganz einfach: "Wenig Zucker, wenig Fett, wenig Fleisch, keine Wurst. Kein Alkohol." 

Bitterstoffe würden das Verdauungssystem zusätzlich entlasten, so Michalsen. Schafgarbentee oder Bittertropfen aus der Apotheke und dazu bitteres Gemüse wie Chicorée, Endiviensalat oder Brokkoli seien "besonders wertvoll nach Völlereitagen".

Ein langer Spaziergang pro Tag ist schon hilfreich

Grundsätzlich rät er, nach den oft üppigen Abendessen auf die eigenen Körpersignale zu hören. "Ich kenne keinen Menschen, der an den Tagen danach großen Appetit hat." Das sei der Moment für intuitives Intervallfasten oder sogar ein bis zwei Fastentage.

"Meist reicht eine leichte Mahlzeit am Tag. Trinken Sie lieber Tees gegen den Blähbauch, statt weiterzuessen", betont der Mediziner. "Etwa Fencheltee, Magen-Darm-Tee aus der Apotheke oder eine Fenchel-Kümmel-Anis-Mischung, richtig lange durchgezogen." 

Auch Kurkuma "reguliert etwas den Darm" – entweder als Golden Milk, auch bekannt als Kurkuma-Latte mit Gewürzen in warmer Milch, oder eingerührt in Wasser.

Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus und Professor für Naturheilkunde.

Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus und Professor für Naturheilkunde. 

War das Essen akut "zu viel" und habe man sogar Durchfall, empfiehlt Michalsen Heilerde, als Kapsel oder in Wasser eingerührt. Auch ein kleines Gläschen Heidelbeer-Muttersaft oder Beeren-Pulver aus dem Reformhaus liefern wertvolle Gerbstoffe, "die beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt wirken".

Damit der Darm wieder in Bewegung komme, brauche auch der Körper Bewegung. Der Arzt rät zu mehreren Sporteinheiten oder zumindest einem langen Spaziergang pro Tag. Netter Nebeneffekt: "Wer mehr Energie verbraucht, entlastet den Körper und baut überschüssige Kalorien ab", so der Experte.

In den sozialen Medien kursieren immer wieder Warnungen, Intervallfasten könne Frauen hormonell schaden. Michalsen widerspricht: "Das ist alles nicht belegt." Oft würden unpräzise Studien mit Menschen, die aus Stress "Mahlzeiten weglassen", als Intervallfasten interpretiert. Doch diese Personen "leben grundsätzlich ungesünder ohne bewusstes Intervallfasten zu praktizieren", so seine Einschätzung.

Wer Medikamente einnehme oder Vorerkrankungen habe, solle Fastenformen immer vorher mit seinem Arzt oder seiner Ärztin abstimmen, mahnt Michalsen, sagt aber auch: "Intervallfasten als kurzfristiger Ausgleich ist für die meisten gut machbar, sofern man sich am Körperfeedback orientiert und nicht dogmatisch vorgeht." Auch für ein etwa fünftägiges Heilfasten sei nun ein guter Zeitpunkt.

Alternative zum Intervallfasten

Wer dennoch einen sanfteren Weg bevorzugt, für den nennt der Darmspezialist eine Alternative: Dann gelte es ebenfalls "relativ bescheiden, aber dafür regelmäßig" zu essen – und das für rund zwei Wochen durchzuhalten. Laut Michalsen ist der Magen-Darm-Trakt dann erfahrungsgemäß "wieder so einigermaßen zufrieden".

Michalsen weiß aus Erfahrung: "Die eigentliche Hürde ist selten fehlendes Wissen über gesunde Ernährung, sondern der Alltag samt innerem Schweinehund und Bequemlichkeit." Viele fänden die Stopp-Taste nicht und hofften auf ein Medikament, das die Pfunde purzeln lässt, statt ihr Essverhalten ehrlich zu betrachten.

Endgegner Alkohol

Sein Appell: Nicht sich selbst etwas vormachen, sondern "wenigstens ein bisschen gegensteuern". Wer sich nach den Feiertagen schlecht fühlt, solle nicht auf ein Wundermittel hoffen, sondern sich eingestehen, dass "man einfach zu viel gefressen hat", sagt Michalsen mit einem Augenzwinkern. "Auch Alkohol ist ein Endgegner. In Verbindung mit üppigem Essen schwächt er nicht nur unseren Magen-Darm-Trakt, sondern auch uns mental am meisten."

Er betont aber: "Niemand muss Weihnachten oder Silvester mit Kamillentee verbringen." Danach aber sei mit Blick auf die eigene Gesundheit Disziplin gefragt. "Der Körper braucht ein paar Tage, um sich zu beruhigen", sagt Michalsen. Wer gefeiert hat, brauche die "Stopp-Taste" – und ein klares Reset-Fenster mit wenigen klaren Regeln.

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