Warum ein bestimmter Blutwert mit Müdigkeit zusammenhängen könnte
Vor Weihnachten und Silvester sind viele dauermüde. Doch bei manchen hat die Müdigkeit eine andere Ursache.
Zusammenfassung
- Eine japanische Studie fand Zusammenhänge zwischen erhöhten Homocysteinwerten und mehr Erschöpfung bzw. geringerer Motivation bei gesunden Erwachsenen.
- Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Homocystein ein Marker für Stoffwechselprozesse sein könnte, nicht nur für einen Mangel an B-Vitaminen.
- Die Studie ist vorläufig, zeigt aber, dass Müdigkeit auch mit Stoffwechselprozessen zusammenhängen kann und bei anhaltender Erschöpfung ärztlich abgeklärt werden sollte.
Müdigkeit ist ein wichtiges Befindlichkeitsthema. Wer dauerhaft erschöpft ist, arbeitet weniger konzentriert, ist weniger belastbar und verliert oft auch die Motivation, Dinge überhaupt anzugehen.
Die Ursachen können vielfältig sein: zu wenig Schlaf, Überforderung, Erkrankungen, Bewegungsmangel, psychische Belastungen oder Nährstoffmängel. Eine neue japanische Studie legt nun nahe, dass auch ein bestimmter Blutwert eine Rolle spielen könnte: Homocystein.
Homocystein ist ein Stoffwechselprodukt, das beim Abbau der Aminosäure Methionin entsteht. Normalerweise wird es im Körper weiterverarbeitet. Dafür braucht der Organismus unter anderem Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6. Sind diese Stoffwechselwege weniger gut versorgt oder belastet, kann Homocystein im Blut ansteigen.
Für die Studie wurden Daten von 602 gesunden Erwachsenen aus Japan ausgewertet: 204 Männer und 398 Frauen. Die Forschenden untersuchten Blutwerte, Lebensstilfaktoren und verschiedene Angaben zu Müdigkeit, Erschöpfung und Motivation. Menschen, die Vitaminpräparate einnahmen, wurden ausgeschlossen, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.
Mehr Erschöpfung, weniger Motivation
Das wichtigste Ergebnis: Höhere Homocysteinwerte gingen in bestimmten Gruppen mit mehr Erschöpfung beziehungsweise geringerer Motivation einher. Bei Männern zeigte sich ein Zusammenhang zwischen höheren Homocysteinwerten und stärkerer körperlicher Müdigkeit.
Bei Frauen war die höchste Homocystein-Gruppe mit geringerer Motivation verbunden. Gleichzeitig hatten Personen mit höheren Homocysteinwerten im Schnitt niedrigere Werte von Folat und Vitamin B12.
Das klingt nach einem möglichen Hinweis auf die Rolle von B-Vitaminen – ist aber kein Beweis. Denn Folat und Vitamin B12 selbst waren in der Analyse nicht direkt mit Müdigkeit oder Motivation verbunden. Die Forschenden vermuten daher, dass Homocystein eher ein Marker für einen breiteren Stoffwechselzustand sein könnte, nicht bloß ein einfacher Hinweis auf „zu wenig Vitamin B12“.
Die Studie zeigt nur Zusammenhänge zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es lässt sich also nicht sagen, ob höhere Homocysteinwerte automatisch Müdigkeit begünstigen – oder ob andere Faktoren dahinterstehen, die sowohl den Stoffwechsel als auch das Erschöpfungserleben beeinflussen.
Zudem verschwanden die Zusammenhänge, wenn Homocystein nicht in Gruppen, sondern als kontinuierlicher Wert berechnet wurde. Die Autorinnen und Autoren bezeichnen die Ergebnisse daher ausdrücklich als vorläufig.
Konkret heißt das: Niemand sollte aus Müdigkeit allein auf einen Homocysteinwert schließen oder eigenmächtig hoch dosierte B-Vitamine einnehmen. Anhaltende Erschöpfung gehört immer ärztlich abgeklärt – vor allem, wenn sie neu auftritt, länger anhält oder mit weiteren Symptomen verbunden ist. Dabei können je nach Situation Blutbild, Schilddrüse, Eisenstatus, Entzündungswerte, Vitamin B12, Folat oder andere Ursachen geprüft werden.
Dennoch ist die Studie interessant, weil sie zeigt: Müdigkeit ist nicht nur eine Frage von Willenskraft oder Schlafdisziplin, sie kann auch mit Stoffwechselprozessen zusammenhängen. Ob eine gezielte Senkung von Homocystein tatsächlich Müdigkeit oder Antrieb verbessern kann, müssen erst Langzeit- und Interventionsstudien zeigen.
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